
Ein neuer Report über verdächtige Wettmuster bei Sportwetten im Fußball zeigt, dass vor allem Jugendspiele für mögliche Wettmanipulationen gefährdet sind.
Gegenüber Automatenspielen in Online Casinos, bei denen einzig der Zufall über Gewinn und Verlust bestimmt, können hingegen bei Sportwetten Fachwissen durchaus das eigene Geschick positiv beeinflussen. Deshalb gelten diese beispielsweise in einigen Ländern wie Österreich rechtlich nicht als klassische Glücksspiele. Allerdings gibt es in diesem Bereich ebenso eine nicht zu unterschätzende Schattenseite, nämlich der immer wieder festzustellende Versuch auf das Endergebnis oder bestimmte Situationen innerhalb eines Spiels auf illegale Art und Weise Einfluss zu nehmen. Brisant ist dabei, wie eine Auswertung nun ergab, dass vor allem im Bereich Fußball Jugendspiele besonders häufig von möglichen Wettmanipulationen betroffen sind.
Fußballspiele von Jugendmannschaften weißen überproportional verdächtige Wettaktivitäten auf
König Fußball ist und bleibt global betracht die mit Abstand wichtigste Sportart. Selbst in den USA, dem Land, in dem über viele Jahre American Football, Basketball, Baseball und Eishockey dominierten, befindet sich das ur-europäische Spiel auf dem Vormarsch. Die Erlöse aus dem Fußball sind ein Milliardengeschäft, allerdings nicht nur für die Verbände, Clubs und Fernsehsender, sondern ebenso für die Glücksspielunternehmen, die Sportwetten anbieten. Während jedoch normale Kunden versuchen mit Fachwissen und guter Strategie möglichst Gewinn einzufahren, gibt es wiederum immer wieder Versuche von der Organisierten Kriminalität, dem Glück mit Wettmanipulationen ein wenig nachzuhelfen. Durch gezielt Einflussnahme auf Spieler, Trainer sowie Funktionäre in den Vereinen, sollen bestimmte Situationen in der Partie hervorgerufen oder gar gleich das Endergebnis beeinflusst werden. Dass hiervor selbst die bekanntesten Ligen der Welt nicht gefeilt sind, zeigte erst wieder der Wettskandal in Spanien in diesem Jahr, der zu zahlreichen Verhaftungen prominenter Profis sowie ehemaliger Spieler führte. So schlimm wie dies auch sein mag, die größte Gefahr für die Integrität des Fußballs lauert nach wie vor im Bereich der Jugendspiele. Dies zeigt der neuste Bericht von Stats Perform Integrity und Starlizard Integrity Services in Zusammenarbeit mit TXODDS für das abgelaufene Jahr auf.
Von insgesamt 62.250 überwachten Partien schlugen die Algorithmen zur Überwachung von Fußballspielen auf verdächtige Wettaktivitäten bei insgesamt 377 Spielen im Jahr 2018 an. Dies ist erst einmal eine gute Meldung, da im Jahr zuvor noch 397 Partien gemeldet wurden, obwohl in 2017 deutlich weniger Spiele der Überwachung hinzugefügt wurden. Was jedoch weniger erfreulich war, ist der weiterhin überproportionale Anteil an Jugendspielen bis hoch zur U23. Obwohl in dieser Bereich nur 5,6 Prozent aller überwachten Matches ausmachte, wurden hier gleich 58 Partien gemeldet, was einen Anteil von mehr als 15 Prozent bedeutet. Zwar gingen auch hier die verdächtigen Aktivitäten über mögliche Wettmanipulationen zurück, doch bleibt der Wert insgesamt weiterhin hoch. Dies dürfte vor allem daran liegen, dass Jugendspieler in den Vereinen deutlich weniger Gehalt verdienen als die Profis und deshalb deutlich gefährdeter sind, Gelder für Wettmanipulationen entgegenzunehmen. Des Weiteren stehen Partien im Jugendbereich, ob nun Freundschafts-, Länder- oder Ligaspiele deutlich geringer im medialen Fokus. Ebenfalls sollte hierbei berücksichtige werden, dass gerade bei Jugendlichen ihrer Persönlichkeitsentwicklung noch nicht abgeschlossen ist, was sie ebenso zum leichten Ziel der Organisierten Kriminalität machen kann.
Die ersten Glücksspielaufsichtsbehörden haben auf dieses Problem bereits reagiert. In Schweden ist es beispielsweise den Online Casino Betreibern und Buchmachern verboten, Wetten auf Partien anzubieten, bei denen mehrheitlich Minderjährige auf dem Platz stehen. Infolge dessen wurden bereits Geldstrafen gegen zum Teil namhafte Anbieter erlassen. Als Reaktion auf die strikte Durchsetzung haben sich deshalb viele Glücksspielfirmen bereits dazu entschlossen, sämtliche Sportwetten auf Jugendspiele aus dem Portfolio für schwedische Kunden zu nehmen.
Asien bleibt weiterhin der problematischste Kontinent bei den möglichen Wettmanipulationen
Die neuste Report von Stats Perform Integrity und Starlizard Integrity Services zeigt auf, dass Asien weiterhin der Kontinent ist, bei dem die meisten verdächtigen Wettaktivitäten gemeldet wurden. Von insgesamt 7.263 Partien schlug die Überwachung insgesamt 69 Mal Alarm. Gegenüber 2017 war dies eine Partie mehr, allerdings wurden im Jahr zuvor nur 5.075 Matches analysiert. Mit 227 Meldungen hingegen war Europa der absolute Spitzenreiter, was bei enormen 35.469 Spielen wenig überraschte. Zudem ist der Kontinent mit den stärksten Ligen der Welt, den größten Stars und den lukrativen internationalen Wettbewerben Champions League und Europa League logischerweise bevorzugtes Ziel von Wettmanipulationen. Aus Afrika wiederum wurden nur 2 Partien mit verdächtige Wettmuster im Jahr 2018 bei 1.923 Matches gemeldet, im Jahr zuvor war es nur ein Spiel. Dies hingegen ist überraschend, könnte doch gerade die nicht besonders rosig erscheinende wirtschaftliche Entwicklung auf dem Kontinent hier ein Einfallstor für die Organisierte Kriminalität sein. Allerdings werden nur Länderspiele, internationale Wettbewerbe und Partien der Männer, Frauen und Jugend der höchsten Spielklassen im Fußball überwacht. Deshalb sagt dies relativ wenig darüber aus, wie sich die Situation in den unteren Ligen darstellt, in denen die Profis nur geringe Gehälter beziehen.
Prozentual den höchsten Stand an Meldungen über verdächtige Wettaktivitäten, die auf Wettmanipulationen hindeuten könnten, verzeichnete der Bereich der internationalen Wettbewerbe im Vereinsfußball. Bei 4.869 überwachten Partien im Fußball schlug das System insgesamt 47 Mal Alarm. Damit lag die Quote hier höher, als in den zusammengefassten Ligen auf allen Kontinenten. Bei den Nationalmannschaften der Herren wiederum gab es insgesamt 5 Meldungen bei 10 analysierten Spielen. Allerdings sind hier die Zahlen mit Vorsicht zu genießen, da 50 Prozent wenig realistisch erscheinen, im Vergleich zu allen anderen Werten. Die Zahl der Stichproben ist zum Ersten extrem klein und es wurde zum Zweiten nicht bekannt gegeben, um welche Matches es sich tatsächlich handelt. Jake Marsh, Head of integrity bei Stats Perform erläuterte den Hintergrund für die Veröffentlichung der Daten. So teilte er mit: „Wir glauben, dass wir die Integritätsakteure besser über die neuesten Trends und Problembereiche informieren können, wenn wir verdächtige Aktivitäten in einem nicht anklagenden öffentlichen Forum beleuchten. Die Bemühungen von Integritätsakteuren, Sportverwaltungsorganen und Strafverfolgungsbehörden werden gestärkt, wenn sie auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Zu diesem Zweck teilen wir die Ergebnisse unserer Analyse mit den Akteuren auf nicht kommerzieller Basis, um ihre Bemühungen beim Schutz zur Integrität des Fußballs unterstützen.“
Die Analyse von Stats Perform Integrity und Starlizard Integrity Services in Zusammenarbeit mit TXODDS zeigt deutlich, dass vor allem der Jugendbereich mit über 15 Prozent Gesamtanteil an verdächtigen Wettmustern ein Problem hat. Hier herrscht definitiv Handlungsbedarf vonseiten aller Beteiligten. Zum einen könnten sich die Online Casino Betreiber und Buchmacher wie in Schweden zusammenschließen und Sportwetten auf Jugendspiele bis zur U23 in allen Glücksspielmärkten weltweit aus dem Programm nehmen. Es muss nicht immer erst zu extremen Druck vonseiten der Glücksspielaufsichtsbehörden kommen, um wichtige Fortschritte im Kampf gegen mögliche Wettmanipulationen zu erzielen. Ein freiwilliger Verzicht eines Teils der Einnahmen zum Wohle der Integrität des Sports und zum Schutz der Minderjährigen Spieler würde nicht nur dem Fußball helfen, sondern ebenso das Image der Firmen verbessern.





























