
Österreich reguliert Online-Casinos neu: Marktöffnung mit strengeren Regeln ab 2027!
Österreich steht vor einer umfassenden Neuordnung des Online-Glücksspielmarkts. Nach Jahren politischer Diskussionen will die Bundesregierung das bisherige Online-Monopol aufbrechen und künftig mehreren Anbietern einen legalen Marktzugang ermöglichen. Wie unter anderem Der Standard berichtet, befindet sich der entsprechende Gesetzesentwurf bereits in Begutachtung. Für Spieler, Betreiber und Affiliate-Portale könnte damit eine neue Phase beginnen: mehr Wettbewerb, regulierte Vorschriften, aber auch deutlich strengere Vorgaben beim Spielerschutz. Der Vergleich mit Deutschland liegt nahe, denn auch dort wurde der Online-Glücksspielmarkt 2021 neu reguliert. Österreich scheint jedoch nicht einfach zu kopieren, sondern setzt an mehreren Stellen eigene Schwerpunkte.
Das Online-Monopol soll fallen: Österreich plant neue Konzessionen
Bisher durfte in Österreich offiziell nur ein Anbieter Online-Glücksspiel betreiben: win2day, eine Marke der Österreichischen Lotterien. In der Praxis war der Markt allerdings längst deutlich breiter. Zahlreiche internationale Plattformen, häufig mit Sitz oder Lizenz in Malta, richteten ihre Angebote auch an österreichische Spieler. Genau diese Lücke zwischen gesetzlichem Anspruch und tatsächlicher Nutzung will die Regierung nun schließen.
Künftig sollen mehrere Unternehmen eine österreichische Online-Glücksspiellizenz beantragen können. Diese Konzessionen sollen zunächst für fünf Jahre vergeben werden. Der Zugang zum Markt bleibt jedoch an regulierte Voraussetzungen gebunden. Anbieter dürfen unter anderem keine offenen Glücksspielabgaben haben und müssen rechtskräftige Urteile österreichischer Gerichte umgesetzt haben. Gerade dieser Punkt dürfte für einige Betreiber relevant sein, da es in den vergangenen Jahren immer wieder Verfahren rund um Rückzahlungsansprüche von Spielern gab.
Cooling-off-Phase ab 2027: Kein nahtloser Wechsel vom Graumarkt in die Legalität
Ein zentrales Element der Reform ist die geplante Cooling-off-Phase. Anbieter, die bislang ohne österreichische Lizenz aktiv waren, sollen ihr Online-Angebot für österreichische Kunden ab Januar 2027 vorübergehend einstellen müssen. Erst danach soll im weiteren Verlauf des Jahres 2027 eine Lizenzvergabe möglich sein.
Damit macht der Gesetzgeber deutlich, dass der neue Markt nicht als einfache nachträgliche Legalisierung bisheriger Aktivitäten verstanden werden soll. Betreiber müssen zunächst zeigen, dass sie bereit sind, sich an die neuen Vorgaben zu halten. Wer die Übergangsregeln ignoriert, riskiert Nachteile bei der späteren Konzessionsvergabe oder einen zeitweisen Ausschluss.
Für Spieler könnte diese Phase zunächst unübersichtlich werden. Einige bekannte Plattformen könnten ihre Angebote vorübergehend einschränken oder sich ganz aus Österreich zurückziehen. Langfristig soll dadurch aber eine klarere Trennung zwischen lizenzierten Online Casinos in Österreich und nicht erlaubten Angeboten entstehen.
Der Blick nach Deutschland: ähnlicher Grundgedanke, andere Umsetzung
Deutschland hat seinen Online-Glücksspielmarkt mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 neu geordnet. Seitdem können Anbieter unter bestimmten Bedingungen Lizenzen erhalten, etwa für virtuelle Automatenspiele oder Online-Poker. Zugleich gelten strenge Anforderungen, darunter anbieterübergreifende Limits, Spielersperren, technische Kontrollsysteme und Einschränkungen bei Werbung und Spielgestaltung.
Österreich verfolgt nun offenbar einen verwandten Ansatz: Online-Glücksspiel soll nicht mehr in erster Linie über ein Monopol oder pauschale Verbote gesteuert werden, sondern über einen regulierten Markt mit zugelassenen Anbietern. Der dahinterstehende Gedanke ähnelt dem deutschen Modell: Spieler sollen stärker in legale Angebote gelenkt werden, während nicht lizenzierte Plattformen konsequenter bekämpft werden.
Trotzdem gibt es erkennbare Unterschiede. Deutschland arbeitet mit zentralen Systemen wie OASIS für Spielersperren und LUGAS zur Kontrolle von Einzahlungslimits und parallelem Spielverhalten. Österreich plant ebenfalls Register und Limits, scheint bei der Ausgestaltung aber stärker zwischen Online-Glücksspiel, Automaten und Altersgruppen zu unterscheiden. Laut den bisherigen Plänen sollen für Personen ab 26 Jahren monatliche Online-Limits von 1680 Euro gelten. Für jüngere Spieler sind in der Reformdebatte niedrigere Grenzen vorgesehen.

Österreichs geplante Online-Casino-Reform zeigt deutliche Bezüge zur deutschen Regulierung, setzt aber bei Lizenzen, Limits und Spielerschutz eigene Akzente.
Sperrregister, Limits und Payment-Blocking: Spielerschutz rückt in den Mittelpunkt
Neben der Marktöffnung wird der Spielerschutz zu einem Kernpunkt der Reform. Anbieter sollen vor der Annahme von Einsätzen prüfen müssen, ob Spieler ihre zulässigen Monatslimits bereits erreicht haben. Dafür soll ein Register geschaffen werden, das relevante Spiel- und Personendaten enthält.
Auch im Kampf gegen illegale Anbieter will Österreich härter durchgreifen. Eine der wichtigsten geplanten Maßnahmen ist Payment-Blocking. Banken könnten künftig angewiesen werden, Zahlungen an bestimmte nicht erlaubte Glücksspielanbieter nicht mehr abzuwickeln. Bei bewussten oder wiederholten Verstößen drohen hohe Strafen. Ergänzend sind Blacklists, mögliche Sperren und strengere Kontrollen im Gespräch.
Hier zeigt sich erneut eine Nähe zum deutschen Regulierungsmodell. Auch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Deutschland arbeitet mit einer offiziellen Liste erlaubter Anbieter und geht gegen illegale Plattformen vor. In der Praxis bleibt die Durchsetzung jedoch schwierig. Nutzer können technische oder finanzielle Umwege suchen, etwa über ausländische Konten, alternative Zahlungsdienste oder Anbieter außerhalb des direkten Zugriffs nationaler Behörden.

Im Forum diskutieren Spieler über Online-Casinos in Österreich, neue Regeln, echte Erfahrungen und die geplante Marktöffnung ab 2027.
Sportwetten bleiben in Österreich ein Sonderfall
Ein wichtiger Unterschied betrifft Sportwetten. Während sie in Deutschland Teil der Glücksspielregulierung sind, bleiben sie in Österreich weiterhin außerhalb des aktuellen Entwurfs. Dort gelten Sportwetten traditionell nicht als klassisches Glücksspiel, sondern als Geschicklichkeitsspiel. Zuständig sind die Bundesländer, nicht der Bund. Eine umfassende Neuregelung wäre daher politisch und rechtlich komplizierter.
Weitere Schritte im Gesetzgebungsverfahren
Der Entwurf ist bereits in Begutachtung gegangen. Nach den bisherigen Plänen soll er im Juli den Ministerrat passieren, ein Beschluss im Nationalrat ist für den Herbst vorgesehen. Viele praktische Details bleiben bis dahin offen, darunter die konkrete Ausgestaltung der künftigen Aufsicht, die technische Umsetzung der Register und die Frage, wie effektiv Payment-Blocking gegen Anbieter mit Sitz im Ausland tatsächlich greifen kann.
Für die Branche beginnt damit eine Übergangsphase, in der sich Anbieter, Zahlungsdienstleister und Spieler auf neue Vorgaben einstellen müssen. Entscheidend wird sein, welche Unternehmen die Lizenzvoraussetzungen erfüllen, wie streng Verstöße sanktioniert werden und ob die geplanten Maßnahmen ausreichen, um den bislang stark international geprägten Online-Casino-Markt in Österreich wirksam zu regulieren.





























