
Könnte der Deal zwischen Novomatic und Ainsworth wirklich aufgrund der Korruptionsvorwürfe gescheitert sein? (Bildquelle: NOVOMATIC)
Die gescheiterte Übernahme von Novomatic und Ainsworth könnte doch komplexer gewesen sein als zunächst gedacht. Bisher stand vor allem der Widerstand wichtiger Minderheitsaktionäre in Australien im Mittelpunkt. Inzwischen stellt sich aber immer stärker die Frage, ob auch die Korruptionsanklage in Österreich eine Rolle gespielt haben könnte. Einen direkten Beleg dafür gibt es bislang nicht. Der zeitliche Zusammenhang sorgt aber dennoch für neue Diskussionen.
Ausgangspunkt ist ein Verfahren in Österreich, in dem sich die Vorwürfe gegen den früheren Vizekanzler Heinz-Christian Strache sowie gegen Novomatic-Gründer Johann Graf und den früheren Novomatic- und Ainsworth-CEO Harald Neumann richten.
Im Kern geht es um den Verdacht, dass politische Einflussnahme rund um die Besetzung eines Postens bei Casinos Austria unterstützt worden sein soll. Novomatic weist die Vorwürfe zurück und erklärte Ende Februar 2026, dass man die Anschuldigungen von Beginn an als unwahr bezeichnet habe und mit den Behörden kooperiere.
Für viele Beobachter ist das auch deshalb relevant, weil Novomatic als Konzern nicht nur in klassischen Glücksspielbereichen aktiv ist, sondern über seine Marken auch eng mit dem Geschäft rund um Spielautomaten und das Online Casino verbunden ist.
Novomatic und Ainsworth Übernahme: Scheitert zunächst an der Aktienstruktur
Dass die Übernahme von Ainsworth nicht zustande kam, hatte zunächst klare strukturelle Gründe. Der frühere Deal war daran gescheitert, dass Novomatic in Australien die notwendige Zustimmung nicht sichern konnte. Für das ursprüngliche Scheme of Arrangement war die erforderliche Mehrheit der Aktionäre nötig. Genau dort lag das Problem. Vor allem das Umfeld der Familie Ainsworth galt als wichtiger Block gegen die vollständige Übernahme.
Novomatic hatte Ainsworth bereits zuvor mehrheitlich kontrolliert und wollte 2025 auch die restlichen Anteile übernehmen. Das Angebot lag bei 1,00 australischen Dollar je Aktie. Aus finanzieller Sicht bewegte sich das laut unabhängiger Bewertung in einer vertretbaren Spanne. Trotzdem reichte das am Ende nicht aus. Das zeigt, dass bei solchen Transaktionen nicht nur der Preis zählt. Gerade bei sensiblen Deals können auch Vertrauen, Wahrnehmung und Fragen zur Unternehmensführung eine wichtige Rolle spielen.

Novomatic hatte die Vorwürfe bereits im Februar 2026 zurückgewiesen. In der Stellungnahme werden die Anschuldigungen als „unbegründet“ bezeichnet. (Bildquelle: sergeitokmakov auf Pixabay)
Korruptionsanklage könnte Zweifel an der Unternehmensführung verstärkt haben
Genau an diesem Punkt kommt die aktuelle Entwicklung in Österreich ins Spiel. In einem Bericht von iGaming Business wird die Frage aufgeworfen, ob die Korruptionsanklage das ohnehin schwierige Übernahmeumfeld zusätzlich belastet haben könnte. Die Einschätzung dabei ist vorsichtig. Es wird kein direkter Zusammenhang behauptet. Allerdings verweisen mehrere Stimmen aus der Branche darauf, dass solche Vorwürfe auf internationalen Märkten schnell Fragen zur Governance und zum Reputationsrisiko auslösen können.
Vor allem für Minderheitsaktionäre kann genau das ein wichtiger Punkt sein. Wenn ein Mehrheitsaktionär die vollständige Kontrolle anstrebt, schauen Anleger oft nicht nur auf den Angebotspreis. Sie achten auch darauf, wie stabil die regulatorische Lage ist und ob es mögliche Reputationsprobleme gibt. Das dürfte im Fall Novomatic und Ainsworth besonders relevant gewesen sein. Schließlich war der Deal ohnehin schon nicht unumstritten.
Dazu kommt, dass die Vorwürfe gegen Johann Graf und Harald Neumann in einer Branche auftauchen, die international stark reguliert ist. Gerade in solchen Märkten kann die öffentliche Wahrnehmung schnell Einfluss auf die Einschätzung eines Unternehmens bekommen.
Gerade bei einem international bekannten Glücksspielkonzern wie Novomatic dürfte das besonders sensibel sein. Das gilt nicht nur für das klassische Automatengeschäft, sondern auch für Bereiche, die viele Spieler mit Marken wie Novoline verbinden. Für die Übernahme von Ainsworth war am Ende zwar nicht dieser Bereich entscheidend. Er zeigt aber, wie eng Image, Markenwahrnehmung und Vertrauen in der gesamten Branche miteinander verbunden sind.
Ob ein neues Angebot kommt, bleibt offen
Ob Novomatic noch einmal einen neuen Anlauf bei Ainsworth nimmt, ist derzeit offen. Klar ist nur, dass ein neues Angebot wohl mehr leisten müsste als das bisherige. Es müsste nicht nur finanziell überzeugen, sondern auch bestehende Zweifel im Markt ausräumen. Genau das dürfte schwierig bleiben, solange die rechtliche Lage in Österreich nicht abschließend geklärt ist.
Für Novomatic bleibt der Fall damit heikel. Die Übernahme von Ainsworth war schon zuvor kein Selbstläufer. Die Korruptionsanklage in Österreich könnte die Lage nun zusätzlich belastet haben. Bewiesen ist das bisher nicht. Ganz ausschließen lässt sich dieser Einfluss aber ebenfalls nicht. Genau das macht die gescheiterte Übernahme von Ainsworth im Rückblick noch einmal deutlich spannender.





























