
Die Novomatic Anteile an der CASAG stehen nun nach der Hauptversammlung offiziell zum Verkauf, doch welchen Wert besitzen diese 17 Prozent überhaupt? (Bildquuelle: Pixabay by Alexas_Fotos)
Eigentlich hatten alle, Presse, Öffentlichkeit sowie die Anleger gehofft, dass am gestrigen Tag endlich ein wenig Dunkel in die zukünftigen Eigentumsverhältnisse der CASAG gebracht wird. Vorab jedoch sei bereits erwähnt, dass daraus bei der einberufenen Hauptversammlung leider gar nichts wurde und weiterhin alle im Dunkel tappen. Gerade einmal eine halbe Stunden dauerte das Treffen, in dem Novomatic nun noch einmal bekräftigte, die Anteile an der Casinos Austria AG definitiv veräußern zu wollen.
Wer wird sich die Novomatic Anteile an der CASAG sichern?
Im Strudel der Ibiza-Affäre und der ungewöhnlich abgelaufenen Bestellung von FPÖ-Politiker Peter Sidlo in den Vorstand der CASAG geriet Novomatic zunehmend ins Kreuzfeuer. Nach Razzien beim Gründer Johann F. Graf und CEO Harald Neumann sowie immer noch andauernden Ermittlungen durch die Wirtschafts- uns Korruptionsstaatsanwaltschaft zieht der Konzern nun die Reißleine. Die zuvor so hart umkämpften Anteile an der Casinos Austria AG, die rückblickend so viel Ärger einbrachten, will Novomatic nun unbedingt loswerden. Doch wer wird sich diese am Ende unter den Nagel reißen können und wer dürfte überhaupt Interessen an so einer millionenschweren Investition in den österreichischen Casinomonopolisten besitzen? Nach Stand der jetzigen Sachlage kommen hier eigentlich nur zwei Akteure infrage, die bereits groß in der CASAG vertreten sind.
Leider hielt sich Novomatic zum angestrebten Verkaufspreis der eigenen Anteile äußerst bedeckt. Der Glücksspielkonzern will diese Information nur auf Anfrage eines Interessenten rausrücken. Analysten gehen jedoch von mindesten 100 Millionen Euro aus. Bis Ende April dürften die verschiedenen Interessenten noch Zeit bekommen, ihre eingeräumten Vorkaufsrechte in Anspruch zu nehmen.
Die Sazka Gruppe wird alles unternehmen, um die Kontrolle über die CASAG zu erlangen
Die tschechische Sazka Gruppe gilt momentan als der mit Abstand heißeste Kandidat für den Erwerb der 17 Prozent, die sich noch in den Händen von Novomatic befinden. Zum einen machte der Hersteller der Novoline Spielautomaten bereits frühzeitig bekannt, dass diese am liebsten den Posten an die Sazka Gruppe verkaufen würde und bekräftigte dies noch einmal bei der Hauptversammlung. Zum anderen dürften die Tschechen wohl so ziemlich alles unternehmen, um endlich ihren Masterplan der vollständigen Kontrolle über die CASAG abzuschließen. Schon zu Beginn ihres Einstiegs beim Casinomonopolisten stand dies ganz oben auf der Tagesordnung. Im unbedingten Willen zum Erwerb der Novomatic Anteile dürfte auch der Grund liegen, warum der Spielautomatenhersteller seine 17 Prozent an die Sazka Gruppe veräußern möchte. Die Tschechen dürften nämlich, wenn nötig, wohl bereit sein, eine ordentliche Stange Geld in die Hand zu nehmen.
Sollte die Sazka Gruppe tatsächlich die 17 Prozent der Novomatic Anteile erwerben können, hätten die Tschechen die Kontrolle über die CASAG erlangt. Dadurch ist es den Tschechen möglich, die Casinos Austria AG endlich in der eigenen Bilanz voll zu konsolidieren, was sofort zu einer extremen Verbesserung führen würde. Abschließend käme dann auch der Plan für einen Börsengang der Sazka Gruppe wieder aus der Schublade, denn die Vollkonsolidierung der CASAG ist das zentrale Mosaikstück.
Die ÖBAG könnte noch einen Strich durch die Rechnung machen, aber will sie überhaupt?
Das Endziel des großen Masterplans, den geplanten Börsengang der Sazka Gruppe, könnte noch die staatliche ÖBAG ins Wasser fallen lassen. Aufgrund des vertraglich zugesicherten Vorkaufsrechts an einer prozentualen Menge der Novomatic Anteile könnten die Tschechen am Ende noch knapp unter 50 Prozent bleiben. Dass von einigen Politikern, vor allem der SPÖ, befürchtete Szenario, bei dem die CASAG in ausländische Kontrolle gelangt, könnte hierdurch verhindert werden. Die große Frage jedoch lautet, will die ÖBAG überhaupt Novomatic Anteile erwerben oder hat sie sich bereits der Sazka Gruppe geschlagen gegeben? Vertreter der staatlichen Beteiligungsgesellschaft vermieden es bislang komplett sich zu dieser Frage klar zu positionieren.
Wilhelm Rasinger, der Präsident des Interessenverbands für Anleger, forderte die ÖBAG auf, ihr Vorkaufsrecht über die Novomatic Anteile nicht in Anspruch zu nehmen. Ebenfalls sollte der Staat nicht den Posten des Generaldirektors sowie den Aufsichtsrat bestimmen. Die parteipolitischen Verflechtungen rund um den Skandal um FPÖ-Politiker hätten ja gezeigt wohin das führt, so seine sinngemäße Einschätzung.
Wilhelm Rasinger bringt als weitere Lösung den Börsengang der CASAG ins Spiel
Im Zuge des Gerangels über die zukünftige Kontrolle in der CASAG durch den angestrebten Verkauf der Novomatic Anteile bringt Wilhelm Rasinger noch eine weitere Option ins Spiel. Als Präsident des Interessenverbands für Anleger plädiert er für einen Börsengang der Casinos Austria AG und erläutert zudem, warum dieser Schritt insgesamt von Vorteil wäre. Hauptargument ist hier klar die deutlich stärkere Kontrolle über den teilstaatlichen Glücksspielkonzern. Als börsennotiertes Unternehmen müsste die CASAG sämtliche relevanten Informationen umgehend veröffentlichen und würde dadurch ebenso in den Entscheidungsprozessen deutlich transparenter. Diese Form der Überwachung durch Börsenaufsicht und Öffentlichkeit hält Rasinger für weitaus besser geeignet, um Vorgänge, wie zuletzt bei Peter Sidlo, in Zukunft auszuschließen. Mit der Umwandlung der CASAG in eine echte Aktiengemeinschaft würde allerdings die Kontrolle durch den Rechnungshof entfallen, da staatliche AG’s nach der neuen Regelung entfallen. Rasinger hält dies für verschmerzbar, da die Berichte der Behörde oftmals sowieso erst Jahre später veröffentlicht werden.
Mit der Idee, die Casinos Austria AG nach dem Verkauf der Novomatic Anteile an die Börse zu bringen ist nicht nur der fromme Wunsch von Wilhelm Rasinger. Auch Teile der ÖVP, so wird immer wieder verkündet, können sich mit diesem Plan ebenfalls anfreunden. Die Sazka Gruppe, als potenzieller zukünftiger Mehrheitsaktionär, dürfte von der Idee durchaus ebenfalls zu begeistern sein. Würde sich doch beim Börsengang, je nach Ausgabepreis, der Wert der eigenen Anteile an der CASAG in der Bilanz dadurch wohl deutlich erhöhen, was wiederum gut zum eigenen Börsengang passen würde. Sollte dieser Schritt tatsächlich umgesetzt werden, dann empfiehlt Rasinger zusätzlich, dass der Staat Österreich über die ÖBAG seinen eigenen Anteil auf knapp über 25 Prozent verringert. Damit ließen sich zum einen Mehreinnahmen durch den Verkauf einiger Prozente generieren und zum anderen mit 25 Prozent und einer Aktie die Sperrminorität aufrechterhalten. Österreich könnte somit bei wichtigen Entscheidungen innerhalb der Casinos Austria AG immer noch unliebsame Entwicklungen verhindern.
Neben der Eigentümerstruktur und der Zukunft der CASAG äußerte sich Rasinger ebenfalls über die Anteile an den Österreichischen Lotterien. Besonders die 11 Prozent an Novomatic Anteilen sind ihm ein Dorn im Auge. Ginge es nach ihm, solle der Novoline Spielautomatenhersteller diese ebenfalls verkaufen und sich entscheiden, ob der Konzern nun als Lieferant oder Miteigentümer auftreten möchte. Dass jedoch Novmatic tatsächlich die Anteile am hoch lukrativen Lottogeschäft ebenfalls veräußern könnte, gilt als sehr unwahrscheinlich, immerhin sind die Österreichischen Lotterien die Cash-Cow schlechthin.






























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