
Bei Westspiel, dem Betreiber der vier Casinos in NRW, ist Kurzarbeit für die Beschäftigten geplant. Ebenfalls wird über die kommende Privatisierung beraten. (Bildquelle: westspiel.de)
Westspiel, die Firma, die in Nordrhein-Westfalen all vier großen Casinos betreibt, galt lange Zeit als Beispiel für die These, dass staatliche geführte Unternehmen gegenüber privaten einfach weitaus unwirtschaftlicher arbeiten. Eigentlich sind Spielbanken zu einem gedacht, um den Spieltrieb der Bevölkerung in legale Bahnen zu lenken und zum anderen dazu da, um ein klein wenig das eigene Abgaben- und Steuersäckel zu befüllen. Im Fall von Westspiel ist jedoch in all den Jahren fast immer nur Ersteres gelungen und das Bundesland durfte unzählige Male den Betreiber mit großen Finanzspritzen unter die Arme greifen. Im Zuge der Schließungen wegen dem neuartigen Coronavirus ist es nun wieder einmal Zeit für Hilfe aus der Politik, denn Westspiel hat nun für seine Mitarbeiter Kurzarbeit geplant.
Westspiel hat Kurzarbeit wegen enormen Einnahmeausfällen geplant
Wie nun die Neue Westfälische berichtet, wird bei Westspiel, beim Betreiber aller vier Casinos in NRW, nun mit Kurzarbeit für die Belegschaft geplant. Grund für diesen Schritt sind die eklatanten Einnahmeausfälle, die seit der verordneten Schließung jeden Tag entstehen und Geldreserven des Unternehmens immer weiter abschmelzen lassen. Laut einem Schreiben der Geschäftsführung an die Mitarbeiter des Konzerns, welches dem Nachrichtenblatt vorliegt, belaufen sich die entgangenen Bruttospielerträge täglich auf rund 381.000 Euro. Dies ist eine ungeheure Summe, die nun die Ausbezahlung von Löhnen und Gehältern schon bald gefährden könnte. Um nicht in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, wurde deshalb vom Management von Westspiel nun mit der Einführung von Kurzarbeit geplant. Da sich der Konzern jedoch über die NRW-Bank sowie so im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen befindet, würde damit der Staat wieder einmal seinem eigenen, ewig klammen Glücksspielunternehmen Unterstützung leisten.
Die Schreiben, die dem Nachrichtenblatt erst jetzt vorliegen, sind bereits einige Wochen alt, doch hat sich seit der Ankündigung der Geschäftsführung bislang wenig getan. Dass die Mitarbeiter noch nicht in der geplanten Kurzarbeit stecken, liegt vor allem am Finanzministerium des Landes. Dieses sitzt nämlich im Aufsichtsrat und hat bisher noch kein Grünes Licht für diesen Schritt erteilt, obwohl sich Management und Betriebsrat schon längere Zeit einig sind. Hintergrund für dieses auf die Bremse treten könnte die für Donnerstag, den 7. Mai, anberaumte Sitzung des Finanzausschusses sein. Hier soll nämlich die angestrebte Privatisierung der Casinos in NRW unter Dach und Fach gebracht werden. Sie wird von der Regierung aus CDU und FDP angestrebt, während die Opposition diese rundherum ablehnt. Als größte Interessenten gelten hier Gauselmann und Novomatic, die beiden größten Player in Europa im Bereich Glücksspiel.
Der Ausgang über die geplante Privatisierung dürfte nicht nur entscheidend für die Zukunft der vier Standorte in NRW sein, sondern ebenso darüber Auskunft geben, ob die geplante Kurzarbeit bei Westspiel tatsächlich umgesetzt wird. Mit einer klaren Strategie für die nächsten Jahre wären solche Maßnahmen sicherlich einfacher auf den Weg zu bringen.
Kritiker der Privatisierung vergessen häufig wie viele Millionen die Casinos dem Land schon gekostet hat
Ein oft benutzter Spruch lautet, dass immer die Bank gewinnt. Dies trifft tatsächlich in den meisten Fällen zu, immerhin möchte der Betreiber eines Casinos oder der Anbieter von Spielautomaten und Roulette ebenfalls von etwas leben. Sobald jedoch ein Unternehmen wie Westspiel mit seinen Spielbanken über viele Jahre Verluste schreibt und ständig vom Steuerzahler unterstützt werden muss, läuft irgendwas gewaltig schief. Auch wenn nun das Sonderereignis Coronavirus dazu führt, das Westspiel nun rückwirkend zum 1. April mit Kurzarbeit geplant hat, ändert dies nichts an den Grundproblemen beim Betreiber. In der Vergangenheit waren die Defizite sogar so angeschwollen, dass unter heftigster Kritik Kulturschätze, zwei Bilder von Andy Warhol, für stolze 151,5 Millionen Euro verscherbelt wurden. Zugute kam die Summe aus der Veräußerung von staatlichem Besitz jedoch nicht den Bürger von NRW, sondern mussten zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs verwendet werden. Auch wenn sich bis heute die finanzielle Situation etwas verbessert hat, steckt die Regierung des Landes weiterhin in einer Zwickmühle. Damit Westspiel deutlich besser abschneidet, wäre entweder eine verringerte Abgabenlast möglich, oder NRW muss weiter oftmals Verluste mit Steuergeldern ausgleichen. In beiden Szenarien würde es auf geringere Einnahmen für den Landeshaushalt hinauslaufen, egal ob das Geld von einer Tasche in die andere bewegt wird.
Diese komplette, wenig ruhmreiche Vergangenheit scheinen die Kritiker der Privatisierung von Westspiel mittlerweile verdrängt zu haben, anders ist die Ablehnung dieses Schritts nicht nachzuvollziehen. Gegenüber der Zeitung Wesfälische Nachrichten kamen einige unter ihnen zu Wort und argumentierten nahezu deckungsgleich. Zum einen stört beispielsweise den Bund Deutscher Kriminalbeamter in NRW, dass bei einem Verkauf nicht nur die vier bereits existierende Casinos im Paket enthalten sind, sondern zusätzlich noch zwei weitere Standorte, die in Zukunft vom neuen Lizenznehmer aufgebaut werden dürfen. Darin sieht der Verband eine gewollte Gewinnmaximierung und keine Kanalisierung der Bevölkerung ins legale Spiel. Dem schloss sich ebenso die Deutsche Steuergewerkschaft an, die zudem der Meinung war, dass nur der Staat selbst den besten Spielerschutz gewährleisten würde. Letzteres Thema brachte zu guter Letzt noch Ilona Füchtenschnieder ebenfalls auf den Tisch und erklärte, dass eine Ausweitung auf zwei neue Standorte nicht dem Spielerschutz zuträglich wäre. Hierbei vergaß die Leiterin der Stelle für Glücksspielkoordinierung anscheinend, dass bereits Westspiel vor Jahren die Erlaubnis erhielt, ein neues Casino in Köln eröffnen zu dürfen. Eine gravierende Änderung durch die angestrebte Privatisierung ist dies somit in diesem Bereich sicherlich nicht. Ebenfalls gibt es bislang keinerlei Belege, dass durch die Übernahme der Spielbanken in einem Bundesland durch eine private Firma, der Spielerschutz schlechter geworden wäre. Unzählige Länder setzen beispielsweise auf solche Konzerne und sind bislang äußerst erfolgreich damit gefahren.
Ein Verkauf der Westspiel Casinos ist nicht nur vor dem Hintergrund der nun geplanten Kurzarbeit für die Belegschaft wichtig, schließlich wollen die Mitarbeiter endlich Klarheit über ihre Zukunft. Das Beispiel Sachsen-Anhalt hat eindrucksvoll gezeigt, dass private Betreiber durchaus in der Lage sind, hohen Spielerschutz zu bieten und zugleich profitabel zu wirtschaften. Seit der Wiedereröffnung verschiedener Standorte als Merkur Casinos, schreiben sämtliche Spielbanken in Sachsen-Anhalt Schwarze Zahlen, trotz hoher Abgabenlast.





























