Glücksspiel und ReligionAls vor weit mehr als hundert Jahren im Wilden Westen die ersten Spielautomaten auftauchten, da waren die puritanischen Gemeinden in der Gegend mit Sicherheit der Ansicht: Casino und Religion, das geht gar nicht und genauso wie der Herr sprach „Nur ein Weib“, so sollte auch das Glücksspiel wenn überhaupt nur unter äußerst strenger Aufsicht stattfinden. Aber wir müssen bei diesem Thema schon genauer hinsehen, schließlich gibt es nicht nur Sittenwächter und stocksteife Pfarrer, sondern auch pfiffige Exegeten, die in den entsprechenden Heiligen Schriften auf der Suche nach Ausnahmen sind. Gezockt wird nun mal seit Jahrtausenden, vom Würfel bis zum 3D Automatenspiel, und so sind Kritik wie auch Begeisterung gegenüber dem Glücksspiel nichts Neues unter der Sonne des Herrn.

Im ersten Teil von unserem Artikel Glücksspiel und Religion schauen wir zunächst auf die großen monotheistischen Religionen mit Absolutheitsanspruch: Was sagen Christentum, Islam und die jüdische Thoragemeinde zum Glücksspiel und wie halten es deren Heilige Bücher und Schriftrollen mit dem Thema Casino? Ist ein bisschen Zocken vielleicht doch erlaubt, beispielweise wenn die Gewinne in soziale und karitative Projekte fließen? Es ist zwar praktisch kaum vorstellbar, dass etwa der Dorfpfarrer in die Kneipe bechern und spielen geht, um den Gewinn dann zu spenden, aber in puncto Heuchelei und Wendigkeit sind die Weltreligionen bei fast allen Themen äußerst begabt. Kommen Spieler also nun in die Hölle oder ist der Läuterungsberg, ist das Fegefeuer vielleicht doch möglich – weil der Gott dieser Glaubensrichtungen eben doch vergibt und gnädig über die Unvollkommenheit der gierigen Menschen hinwegsieht?

Glücksspiel und Religion – immer ein Sünde?

Erstaunlicherweise haben viele Spielautomaten genuin religiöse Themen: Book of Ra zum Beispiel dreht sich auf den Walzen um den Ägyptischen Sonnengott und dessen magische Kräfte in der Pyramide, was seit Jahrzehnten in der Spielhalle und dann in den Online Casinos zum Klassiker taugt. So richtig jüdische, christliche oder gar islamische Symbole und Stories im Slot Automaten, das gibt’s freilich nicht und offenbar ist den Softwareschmieden von Novomatic über NetEnt bis hin zu Microgaming dieses Eisen schlichtweg zu heiß. Ob sich diese Hersteller nun vor dem Zorn Gottes fürchten oder Rücksicht nehmen auf die so schnell und leicht entzündlichen Nerven der Gläubigen, das ist uns nicht bekannt – aber Jesus als Scatter, Mohammed als Wild und Jahwe als Bonusbild, das wäre doch mal ein cooler Spielautomat.

Sünde ist hier das Stichwort und als vor wenigen Jahren im Ruhrgebiet ein paar Dummbrote islamischen Glaubens sich als „Scharia Polizei“ aufspielten und Zocker an den Slots in den örtlichen Spielotheken belästigten, da konnte jeder Beobachter die Stoßrichtung von religiösem Fanatismus begutachten. Daher können wir gleich zum Einstieg konstatieren: Die drei großen monotheistischen Religionen haben für Glücksspiel nichts übrig, erlauben es jedoch hier und da unter besonderen Vorzeichen oder sind zumindest nicht mehr so streng unterwegs wie deren geistige Vorfahren beispielsweise im europäischen Mittelalter. Es ist daher nicht denkbar, dass eines Tages der Papst seinen Segen auch den Spielern im Casino spendet oder dass in Mekka ein paar Slot Machines aufgestellt werden – eifersüchtig wachen die Religionen über die letzten verbliebenen, moralischen Deutungshoheiten im Alltag und darüber hinaus.

Das Christentum und Casino

Direkt erwähnt werden in der Bibel weder Automatenspiele noch Casinos oder auch Würfel und Karten. Das ist logisch, schließlich entstanden die Inhalte dieser Heiligen Schrift zum großen Teil im ersten Jahrhundert in den Mühen der galiläischen Ebene und dort herrsche zwar pro forma römische Hochkultur, doch die christlichen Urgemeinden waren eher sittenstreng und sicher auch ein bisschen hinter dem Mond angesiedelt. Und doch finden sich eine Menge Hinweise auf Glücksspiel, in erster Linie erwartungsgemäß ablehnend. So schreibt der Evangelist Lukas, seines Zeichens bekanntlich auch ein Historiker ersten Ranges:

„Hütet Euch vor jeder Art von Habsucht“ (Luk 12,15)

Im Casino wird die Gier im Menschen angesprochen und der fette Jackpot ist verlockend, so sehr, dass die geringen Chancen auf einen Gewinn meistens übersehen werden. Schnelles Geld, simpel erspielt, das steckt hinter der Begeisterung für Slots, Karten und Co und da kann der Christenmensch nicht zustimmen. Auch adressieren die Casinos ganz naturgemäß an den Egoismus im Menschen und hier finden wir zum Beispiel im Korintherbrief den Hinweis:

„Jeder suche nicht fortwährend seinen eigenen Vorteil, sondern den der anderen.“ (1. Korinther 10:24)

Gewinner gehen stillschweigend davon aus, dass andere verlieren müssen – und das geht überhaupt nicht für gläubige Christen! Laut deren Überzeugung sollen wir ja auch nicht das Weib unseres Nächsten begehren und viele andere Dinge, was dann Glücksspiel zu einer ziemlich üblen Angelegenheit macht.

Glück, Reichtum und das Nadelöhr

Jesus höchstpersönlich soll gesagt haben, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr passen würde als dass ein Reicher in den Himmel kommt (Markus 10,25) – das wurde später auch als Aufruf gegen jeglichen Besitz verstanden und von besonders fanatischen Christen wie einigen Mönchsverbänden gegen den meistens recht üppig lebenden Klerus verstanden. Reichtum ist per se nicht gut und weil es im Casino auch gleich noch um das schnelle Geld geht, ist Zocken prinzipiell verwerflich. Der für die Anfänge und die Verbreitung des Christentums so unverzichtbare Paulus äußerst sich noch radikaler und könnte einer Brandschrift heute gegen Hartz IV als Pate dienen:

„Denn schon als wir bei Euch waren, geboten wir Euch: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. Denn wir hören, dass einige unter Euch unordentlich leben und nicht arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben.“ (2. Thess. 10f.)

Habgier und das Vertrauen auf das reine Glück werden abgelehnt und scharf verurteilt. Vielmehr sollen die Christen auf Gott vertrauen und Glückseligkeit in den Segnungen und Taten des Herrn suchen, was selbst durch die Abführung von Steuern aus dem Casino nicht vermindert wird. Der Zweck heiligt hier nicht die Mittel und so können Gläubige im Christentum sicher davon ausgehen, dass bei häufigem Spielen dann auch die Hölle wartet. Möglicherweise im dann dritten Höllenkreis, dort sind laut Dante Alighieri die Gierigen im ewigen Schlamm eingekerkert, bewacht vom berüchtigten Höllenhund Cerberus höchstpersönlich.

Das Judentum und das Glücksspiel

Casino und Religion

In LasVegas schaut niemand auf die Religion. Hier spielen alle.

Eigentlich sind die Juden ja Stichwortgeber und Quelle sowohl für Christen wie auch für den noch viel späteren Islam, aber wir wollen hier keine Chronologie bei der Frage nach dem Casino in den Religionen treiben. Aber sehr wohl haben die Jünger von König David und Jahwe immer schon die pfiffige Exegese betrieben und so übrigens heute im modernen Israel auch Cannabis erlaubt, wofür es angeblich irgendwo in den Tiefen der Thora einige Hinweise gäbe nach denen die Gottheit nichts einzuwenden habe gegen den Joint ab und zu. Und so ist man beim Juden auch beim Glücksspiel nicht ganz so ablehnend unterwegs wie in den darauf aufbauenden Nachfolgereligionen.

Natürlich bietet auch die Thora und bietet die später als Altes Testament zusammengefasste Sammlung von Texten kaum Anknüpfungspunkte, nach denen Spielautomaten gepriesen werden, im Gegenteil. Aber einige Gelehrte des Talmud haben mit der „Assmachta“ eine Art Auslegung zur Verfügung gestellt, nach der eine Wette etwa im Casino sowieso niemals ernst gemeint ist – jeder Spieler geht nun mal vom Gewinn aus und daher sind solche Rechtsgeschäfte schlussendlich vor dem Herrn persönlich nicht bindend gemeint. Auch die Auslegung der „Mischna“ ist etwas offener und meint, solange die Leute nicht gewerbsmäßig zockten ist es in Ordnung, natürlich nicht ständig und unkontrolliert.

Diebstahl oder Guter Zweck?

Bei Lotterien und dem Toto beim Fußball sind sich die jüdischen Rabbiner nicht einig, einige reden hier von Diebstahl, während andere darauf hinweisen, dass die Spieler den Einsatz ohnehin aufgeben. Ausdrücklich gestattet sind hingegen Würfelspiele, wenn die Gewinne für gute Zwecke bestimmt sind – das wäre wahrscheinlich so eine Art Soziales Bingo im Altersheim, wo die Gewinne manchmal auch geteilt werden zwischen den Senioren. Überhaupt ist Diebstahl ein großes Thema und wird immer wieder als Grundlage für Argumente benutzt. Hier sind die Rabbiner oft ganz unterschiedlicher Meinung und das persönliche Vertrauen in deren Exegese spielt bei der Beratung für die Juden offenbar eine große Rolle. Ist der Rabbi hier etwas gewitzter und keine stockkonservative Ausgabe, dann darf der Gläubige zumindest in Ansätzen auch Glücksspiel treiben.

Glücksspiel und Religion – der Islam

Die zu spät gekommene Religion aus der Wüste will es bekanntlich besonders streng und recht machen und so ist Glücksspiel als sinnfreier und zweifellos an die Gier appellierender Zeitvertreib auf jeden Fall „Haram“, also verboten. Offenbar wurde bei den Kamelhirten im frühen Mittelalter aber doch recht viel gezockt, spricht der Koran und damit der Islam sehr häufig ganz direkt vom verwerflichen Glücksspiel. Als Beispiel dient uns hier mal stellvertretend die 5. Sure:

„Oh die Ihr glaubt, berauschender Trank, Glücksspiel, Opfersteine und Lospfeile sind nur ein Werk vom Gräuel des Satans. So meidet Ihn, auf dass es Euch wohl ergehen möge! Der Satan will ja nur zwischen Euch Feindschaft und Hass säen durch berauschenden Trank und durch Glücksspiel und Euch abhalten vom Gedenken Allahs und vom Gebet. Werdet Ihr nun damit aufhören?“ (Sure 5-90/91)

Auch heutige Rechtsgelehrte äußern sich entsprechend. Casinos und Glücksspiel unterliegen dem Zufall, sind also nicht akzeptabel, wobei wir hier natürlich fragen müssen, warum die vorgeblich allmächtige Gottheit Allah einen Zufall überhaupt zulässt in seiner großen Weisheit! Natürlich um die Gläubigen zu prüfen, werden diese antworten, aber offenbar ist das Zufällige der Kontrolle durch die Gottheit immer ein bisschen entzogen und darüber sollte man lieber nicht zu häufig nachdenken.

Vier Frauen ja, Spielautomaten nein!

Während also Casino Spiele absolut verwerflich sind und nicht mal für den Opfergroschen an die Bedürftigen taugen, seines Zeichens immerhin eines der strengen fünf Grundregeln im Islam, sind Frauen in großer Anzahl für die Männer akzeptabel. Die holde Weiblichkeit ist also noch weniger Wert in dieser Religion als eine Slot Machine, weil der gepriesene Mann in seiner Größe bis zu vier Frauen nach Ansicht von Mohammed und Konsorten sehr wohl überwachen kann, beim Glücksspiel und den erwähnten Lospfeilen jedoch schnell einknicken kann. Das sagt doch eigentlich recht viel aus über diese Religion und es ist erstaunlich, mit wieviel Toleranz beispielsweise von grünen und linken Politikern diesen Ansichten begegnet wird. Aber gut – wer mal in den Grenzcasinos von Kambodscha oder auch in Macau unterwegs war, der sieht dort viele Muslime auch an den Spielautomaten. Es ist also viel Heuchelei im Spiel und der Islam ist nicht sonderlich glaubhaft in seiner Ausrichtung und tatsächlichen Erscheinungsform beim Glücksspiel.

Im zweiten Teil unserer Darstellung von Glücksspiel und Religion werden wir dann über die fernöstlichen Glaubensrichtungen von Buddhismus bis Hindu berichten und dabei zusätzliche auf absonderliche Erscheinungsformen wie die Mormonen oder auch auf Scientology und deren Verhältnis zum Glücksspiel eingehen.

 

Hier geht es zum zweiten Teil – Mormonen, Hindus und der Ferne Osten