Neues Forschungszentrum für Glücksspielsucht in UK gegründet.

Größtes Forschungszentrum für Glücksspielsucht in UK eröffnet. Warum nimmt Großbritannien Millionen-Beträge für ein neues Zentrum in die Hand? (Bildquelle: Keenan Constance auf Unsplash)

Großbritannien macht ernst. Mit einem Budget von 22,1 Millionen Pfund startet das größte unabhängige Forschungszentrum für Glücksspielsucht in UK, welches das Land bisher gesehen hat. Doch dieses Mal soll sich ein Punkt entscheidend vom bisherigen Vorgehen unterscheiden. Die Forschung rund um das Thema Glücksspielsucht findet unabhängig statt. Bisher war das nicht der Fall, wenn man sich die aktuelle Berichterstattung genauer ansieht. Denn der Industrieeinfluss und die meist unterfinanzierten Studien haben den Bereich stark geprägt. Das soll sich mit der Gründung der Gambling Harms Research UK (GHR-UK) nun verändern.

Das neue Gambling Harms Research UK Evidence Centre, kurz GHR-UK, wird von einem Team der Universitäten Glasgow, Sheffield und Swansea sowie des King's College London geleitet. Professorin Heather Wardle von der Universität Glasgow übernimmt dabei die Hauptverantwortung. Für Glücksspielunternehmen wie bet365, die im britischen Markt stark aktiv sind, bedeutet das eine neue Realität.

Forschungszentrum für Glücksspielsucht in UK finanziert sich unabhängig von der Industrie

Doch wie stellt man sicher, dass ein Forschungszentrum wirklich unabhängig bleibt? Die Antwort liegt in der Finanzierung. Das Forschungszentrum für Glücksspielsucht in UK finanziert sich ausschließlich über die gesetzliche Glücksspielabgabe, die im April 2025 die bisherigen freiwilligen Branchenbeiträge ersetzt hat. Bisher war es immer so, dass Glücksspielunternehmen, die in Großbritannien ein Online Casino oder eine Spielhalle betrieben, freiwillige Beiträge für Forschung, Prävention und Behandlung entrichten konnten.

Seit dem 6. April 2025 ist die Abgabe gesetzlich verpflichtend. Die Höhe richtet sich nach dem Bruttospielertrag, Online Casino Anbieter zahlen 1,1 Prozent, während landbasierte Casinos 0,5 Prozent einzahlen. Im Haushaltsjahr 2025/26 bringt die Abgabe rund 120 Millionen Pfund ein, deutlich mehr als die ursprünglich prognostizierten 90 bis 100 Millionen Pfund. Davon fließen rund 20 Prozent direkt in Forschungszwecke. Außerdem soll ein klares Regelwerk dafür sorgen, dass abgabenpflichtige Betreiber keine Projekte mitfinanzieren dürfen.

Wie genau kann man sich die unabhängige Forschung vorstellen und wer gibt vor, welche Fragen rund um die Glücksspielsucht beantwortet werden? Dieser Bereich fällt vermutlich in die Aufgaben von Martin Jones, der als Leiter für die Auseinandersetzung mit Betroffenen ernannt wurde. Er selbst habe persönliche Erfahrungen mit glücksspielbedingtem Suizid. Seine Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass das Forschungszentrum für Glücksspielsucht in UK die realen Schäden in den Mittelpunkt stellt und nicht allein politische oder akademische Agenden.

Großbritannien gründet Forschungszentrum für Glücksspielsucht.

Martin Jones bringt als Leiter für die Auseinandersetzung mit Betroffenen eine Perspektive ein, die in der Glücksspielforschung lange gefehlt hat. Er selbst hat persönliche Erfahrungen mit den Folgen von Glücksspielsucht und sorgt dafür, dass die Forschung nah an der Realität der Menschen bleibt. (Bildquelle: rupixen auf Unsplash)

22,1 Millionen Pfund gegen 1,4 Milliarden Pfund Folgekosten

Wer sich fragt, warum Großbritannien jetzt so viel Geld in die Hand nimmt, der sollte sich die Gegenseite anschauen. Laut Modellrechnungen des National Institute of Economic and Social Research belaufen sich die jährlichen wirtschaftlichen Folgekosten glücksspielbedingter Schäden auf 1,4 Milliarden Pfund. Gesundheitssystem, psychische Versorgung, Strafrechtssystem, all das zahlt am Ende die Gesellschaft. Gerade im Bereich Online Casino zeigt die steigende Nutzerzahl, wie wichtig eine solide Forschungsgrundlage für die gesamte Branche ist.

Das Forschungszentrum für Glücksspielsucht in UK koordiniert insgesamt 19 Innovationspartnerschaften an Universitäten im ganzen Land. Die Themen reichen von Sportwetten über Videospiele bis hin zu den strukturellen Ursachen glücksspielbedingter Schäden. Dabei geht es nicht nur um akademische Erkenntnisse, sondern um konkrete Lösungen, die den Spielerschutz in Großbritannien langfristig stärken sollen. Damit ist das Forschungszentrum für Glücksspielsucht in UK längst mehr als ein reines Forschungsprojekt. Es ist der Beginn einer neuen Glücksspielpolitik, die auf unabhängigen Daten statt auf Industrieinteressen basiert. Ob das Modell langfristig Erfolg hat, wird sich zeigen. Doch der erste Schritt ist getan, und andere Länder in Europa dürften die Entwicklung in Großbritannien genau beobachten.