Tod Sheldon Adelson

Mit dem Tod von Casino-Tycoon Sheldon Adelson verlieren die Gegner der Online Casinos in den USA ihren größten Unterstützer und Geldgeber. (Bildquelle: pixabay by pixel2013)

Vor wenigen Tagen erlag der wohl größte Casino-Tycoon der Welt, Sheldon Adelson, mit 87 Jahren seinem Krebsleiden. Kurz zuvor hatte er noch eine Auszeit als Geschäftsführer von Las Vegas Sands, dem weltweit größten Konzern im Bereich der Spielbanken, angekündigt gehabt, um sich wegen seines Non-Hodgkin-Lymphoms behandeln zu lassen. Bekannt wurde der Casino-Tycoon nicht nur für sein gewaltiges Glücksspielimperium, sondern ebenso für seinen immensen Einfluss auf die Politik in den USA und Israel. Diesen nutze er beispielsweise über viele Jahre, um in den Vereinigten Staaten eine Legalisierung des Glücksspiels im Internet zu verhindern. Mit dem Tod von Sheldon Adelson ist der Krieg gegen die Online Casinos nun endgültig vorbei, bei dem er in den letzten Jahren schon auf der Verliererstraße war.

Die harte Kindheit sollte den Charakter von Sheldon Adelson prägen

Die Lebensgeschichte von Sheldon Adelson steht exemplarisch für den amerikanischen Traum, in dem ein Tellerwäscher mit viel Fleiß und Engagement zum Millionär aufsteigen kann. In seinem Fall jedoch wurde aus einem einfachen Zeitungsjungen ein Multimilliardär und der wohl größte Casino-Tycoon der Welt. Der Tod von Sheldon Adelson markiert das Ende eines außergewöhnlichen Lebens eines streitbaren Charakters, der vor allem durch seinen enormen Einfluss auf die Politik immer wieder in der Kritik stand. Aufgewachsen inmitten der großen Depression im Jahr 1933 verdingte sich Adelson früh als Zeitungsjunge und sah sich wegen seiner jüdischen Abstammung in Boston häufig Anfeindungen durch andere Kinder sowie Antisemitismus ausgesetzt. Hierin dürfte womöglich einer der Gründe für seine später rechtsgerichtete Einstellung in Sachen Israel und Palästina liegen, die ihm zum großen Unterstützer von Benjamin Netanyahu und seiner Siedlungspolitik werden ließen. Ebenso dürfte seine harte Kindheit und Jugend die Grundlage für sein späteres Durchsetzungsvermögen sowie seine Risikobereitschaft gewesen sein. Nach diversen einfachen Jobs stieg Sheldon Adelson schließlich als junge Erwachsener in die Branchen Immobilien und Finanzen ein, machte schnell Karriere und baute sich frühzeitig ein Netzwerk an Partner auf. 1979 stampfte er dann mit ihnen zusammen die Computermesse COMDEX aus dem Boden, die den Grundstein für seine Karriere als Casino-Tycoon und Multimilliardär legen sollte.

Die Gründung der Computermesse COMDEX war einer der wichtigsten Schlüsselmomente im Leben von Sheldon Adelson. In einer Zeit, als viele noch glaubten, dass Computer nur etwas für einige wenige Firmen wären, avanciert die Ausstellung schnell zu einer der größten Fachmessen in dieser Branche in den darauffolgenden Jahrzehnten. Lange Zeit war zudem der von Sheldon Adelson gebaute Veranstaltungsort das größte Messegelände in privater Hand. 1995 schließlich verkauft er COMDEX für 860 Millionen US-Dollar an die Softbank Coroperation aus Japan.

Vom Zeitungsjungen zum Milliardär und Casino-Tycoon

Wimmer nach dem Tod eines großen Unternehmers wie Sheldon Adelson ist der Rückblick auf sein Leben gespickt mit vielen wichtigen unternehmerischen Entscheidungen und Meilensteinen. Seine ersten Sporen in der Glücksspielbranche verdiente der später weltweit größte Casino-Tycoon im Jahr 1988 mit dem Sands Hotel and Casino in Las Vegas, welches er mit dem hervorragend laufenden Geschäft mit der Computermesse COMDEX finanzierte. Für rund 110 Millionen US-Dollar wechselte das Gebäude in seine Hände. Anders als die heutigen Mega-Spielbanken im legendären Glücksspielmekka in Nevada waren die Hotelräume wie damals üblich jedoch eher klein und boten wenig Komfort. Ziel hinter dieser Strategie der Branche war es, die Kunden aus den Zimmern zu locken, damit diese mehr Zeit an den Spielautomaten und Tischen bei Roulette und Blackjack verbrachten. 1991 sollte jedoch alles ändern, denn Sheldon Adelson befand sich in diesem Jahr auf Hochzeitsreise mit seiner damaligen zweiten Ehefrau in Venedig. Der Zauber der Lagunenstadt inspirierte ihn dazu, über ein völlig neues Konzept nachzudenken, welches nicht nur Las Vegas für immer verändern sollte, sondern die gesamte Casino-Branche weltweit bis heute prägen sollte. 1999 war es endlich soweit und Sheldon Adelson öffnete kurz vor dem Millennium die Pforten des Venetian Resort Hotel in Las Vegas, welches völlig neue Maßstäbe setzte. Ein eigenes Kanalsystem mit Gondeln und venezianischer Architektur setzten einen neuen Standard. Von nun an waren Casinos gleichzeitig Resorts, in denen Kunden in Prunk und Luxus schwelgen konnten. Ein Konzept, welches bis heute weltweit zu finden ist und den Tod von Sheldon Adelson noch lange überdauern wird.

Das Venetian Resort Hotel setzte 1999 bei seiner Eröffnung in Las Vegas völlig neue Maßstäbe und veränderte das Glücksspielmekka nachhaltig. Mehr als 4.000 Zimmer, mehr als 3.000 Suiten und ein gigantisches Casino auf rund 11.000 Quadratmetern, vollgepackt mit Spielautomaten und Roulettetischen, sprengten damals alle Dimensionen. Zudem wurden zahlreiche Sehenswürdigkeiten aus Venedig in den Komplex integriert wie die Rialto Brücke, der Palazzo Ducale oder der Piazza San Marco. Das enorme Risiko, immerhin kostete der Bau damals rund 1,5 Milliarden, zahlte sich jedoch schnell aus und ermöglichte weitere gigantische Projekte der Las Vegas Sands Corporation.

Nach seinem Tod hinterlässt Sheldon Adelson ein weltweit umspannendes Casino-Imperium

Mit dem Bau des Venetian Resort Hotel mit gigantischem Casino, welches auf dem Gelände des zuvor abgerissenen Sands Hotel and Casino entstand, begann 1999 endgültig der Aufstieg von Sheldon Adelson als Casino-Tycoon. Das neue Konzept aus Luxus und Entertainment sorgte für sprudelnde Einnahmen von fast 2 Millionen US-Dollar am Tag. Diese ungeheuren Summen wiederum investierte der Unternehmer wieder in ein neues Projekt, welches erneut gewisse Risiken beinhalte. Die ehemalige portugiesische Kolonie Macao sollte zum neuen Tätigkeitsfeld von Las Vegas Sands werden, immerhin waren die Asiaten für ihre große Liebe zum Glücksspiel berüchtigt. 2004 eröffnete das Sands Macao mit einer Investitionssumme in Höhe von rund 240 Millionen US-Dollar. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und bestätigte seine Annahmen zum potenziellen Casino-Boom in Macao. Für sein nächstes Mega-Casino griff Adelson später noch deutlich tiefer in die Tasche und setzte zugleich auf das bereits erprobte Konzept mit Venedig. Für stolze 2,4 Milliarden US-Dollar wurde das The Venetian Macao errichtet, wofür sogar ein Teil der Bucht aufgeschüttet wurde. Wie bereits zuvor in Las Vegas sollte sich auch das neue Prunkstück ebenfalls als sprudelnde Geldquelle herausstellen. Zugleich wurde zudem ebenfalls im gleichen Jahr noch das Palazzo in Las Vegas eingeweiht, welches 1,8 Milliarden US-Dollar kostete. 2010 wiederum nutze der Casino-Tycoon seine Chance in Singapur und eröffnete das bekannte Marina Bay Sands, welches sich wegen seiner spektakulären Architektur in Windeseile zum wahren Touristenmagneten entwickelte. Mit einem Preis von rund 5,6 Milliarden US-Dollar das bis zum Tod von Sheldon Adelson teuerste Projekt der Las Vegas Sands Corporation. 2012 kam zudem noch das 4 Milliarden teure Sands Cotai Central sowie das Parisian Macao für 2,5 Milliarden US-Dollar in 2016 hinzu. Beide Casinos wurden dem bekannten Strip in Macao hinzugefügt.

Nicht alle gigantischen Projekte im Bereich der Casinos waren große Erfolge für Sheldon Adelson. Das 2009 eröffnete Sands Casino Resort Bethlehem entpuppt sich als weniger rentabel. 2019 wurde es an Wind Creek Hospitality verkauft und ist bis zum Tod von Sheldon Adelson die einzige jemals veräußerte Spielbank seines Glücksspielkonzerns.

Sheldon Adelsons Krieg gegen die Online Casinos

Vor seinen Tod wurde das Vermögen von Sheldon Adelson auf mehr als 35 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die enorme Summe, die er mit seinen Spielautomaten in den Casinos und Hotels verdiente, steckte der Tycoon jedoch nicht nur in große Bauprojekte, sondern ebenso in den Kampf gegen die aufstrebende Konkurrenz der Online Casinos. Von Beginn an war Adelson ein erbitterter Gegner und setze alles daran, eine Legalisierung in den USA zu verhindern. Über die Jahre flossen Hunderte Millionen US-Dollar an Politiker, einflussreiche Persönlichkeiten und in Kampagnen, damit die moderne Glücksspielindustrie keinen Fuß auf US-amerikanischen Boden bekam. Mit seiner Meinung stand er oftmals in Konflikt zu anderen großen Casino-Konzernen wie MGM Resorts International, die gern vom weltweiten Boom bei den Sportwetten und Online Casino profitiert hätten. Ohne Sheldon Adelson wäre das Online Glücksspiel wohl schon deutlich eher in einigen Bundesstaaten etabliert worden, denn Pläne gab es hierzu mehr als genug. Schlussendlich verlor er jedoch vor wenigen Jahren den Krieg gegen die Online Casinos in den USA und mittlerweile ist das große Spiel in bereits mehr als 10 Staaten erlaubt. Sein eigenes Unternehmen jedoch weigerte sich bis zum Tod von Sheldon Adelson, anders als die Konkurrenz, Kooperationen mit großen europäischen Online Casino Betreibern und Buchmachern einzugehen. Dass diese kompromisslose Haltung jedoch wohl nicht von den Managern seines eigenen Unternehmens geteilt wurde, wird jetzt nur wenige Tage nach seinem Dahinscheiden deutlich. Wie der CEO von Las Vegas Sands, Robert Goldstein, jetzt mitteilte, befindet sich der Konzern bereits in Gesprächen mit potenziellen Partnern im Bereich der Sportwetten. Der milliardenschwere neue Glücksspielmarkt ist zu verlockend, um ihn wohl aus persönlichen Gründen des ehemaligen Besitzers komplett der Konkurrenz zu überlassen.

Sheldon Adelson zog in vielerlei Hinsicht auch Kritik auf sich. Zum einen wurde ihm vorgehalten, gegen die Online Casinos mit dem Argument Spielsucht ins Feld zu ziehen und dabei selbst mit Casinos Milliardär geworden zu sein. Zum anderen war er ein großer Unterstützer der Republikaner und war mit 25 Millionen Dollar Trumps größter Einzelspender in dessen Wahlkampf. Aus seiner Ablehnung eines eigenen Staates für Palästinenser und als Befürworter der Siedlungspolitik von Benjamin Netanyahu machte er nie einen Hehl und lobbyierte hierfür in der US-amerikanischen Politik.

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