Novomatic AG HalbjahresbilanzWährend wir uns im ersten Teil zu der veröffentlichten Halbjahresbilanz der Novomatic AG hauptsächlich mit den wichtigen Kennzahlen beschäftigt haben, werfen wir nun nein genaueren Blick in die Entwicklung des Unternehmens. Wie laufen die Geschäfte in Deutschland und welche Auswirkungen haben bereits jetzt die neuen restriktiven Gesetze zum Spieler- und Jugendschutz? Wie gut läuft das Feld mit den Online Casinos und wie sieht hier die weitere Entwicklung aus? Alles Fragen, denen wir im zweiten Teil unserer Serie auf den Grund gehen wollen.

Deutschland ist noch immer der Kernmarkt für die Novomatic AG, doch wo geht die Reise hin?

Als deutschsprachiges Unternehmen mit Sitz im Nachbarland Österreich, ist die mit über 80 Millionen Einwohner zählende Bundesrepublik als wirtschaftliche Großmacht in der Welt noch immer der Kernmarkt der Novomatic AG. Im ersten Halbjahr konnte hier das Unternehmen den Umsatz von 331,9 Millionen Euro aus dem Vorjahreszeitraum auf jetzt 351,6 Millionen Euro steigern. Dies entspricht einem Anstieg von 5,9 Prozent, trotz der sich abzeichnenden großen Probleme mit Einführung der Mindestabstände für Spielotheken und den damit einhergehenden Schließungen. Gerade der Umstand, dass für viele Betreiber von Spielhallen bis heute noch nicht klar ist, ob der eigene Glücksspieltempel dichtmachen muss oder nicht, drückte deutlich auf die Anzahl der Verkäufe von Spielautomaten. Die Zahl der Vermietungen ging dadurch ebenfalls deutlich zurück. All diese Faktoren führte für die Novomatic AG zu deutliche Einbußen bei den Umsatzerlösen von 13,9 Prozent.  Dieser Trend dürfte sich in den nächsten Monaten noch deutlich verschärfen, wenn immer mehr Spielhallen in Deutschland schließen müssen. Aufgefangen wurde dieser starke Rückgang bei den Umsatzerlösen durch die Übernahme der Casino Royal Gruppe mit ihren 10 Tochtergesellschaften und insgesamt 126 Spielstätten. Die neu hinzugekommene Firma ist vor allem in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz sehr präsent. Wie viele der nun übernommen 126 Spielhallen am Ende wieder durch die Abstandregeln wegfallen werden, wird sich in den nächsten Monaten zeigen müssen. Ebenfalls große Investitionen in Eigenleistung fielen für die Umstellung der Produktion der Spielautomaten für den deutschen Markt an. Denn am November 2018 müssen alle Geldspielgeräte die technische Richtlinie 5.0 erfüllen. Dies hatte zur Folge, dass für die Tochtergesellschaften Löwen Entertainment GmbH und Crown Technologies GmbH hier Kosten in einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag anfielen. Für die nähere Zukunft erwarte die Novomatic AG im deutschen Kernmarkt keine signifikante Verbesserung der Lage, sondern eher sogar einen weiteren Rückgang bei Mietverträgen für die eigenen Novoline Spielautomaten.

Die Umsatzerlöse für die Vermietung von Novoline Spielautomaten sanken im ersten Halbjahr um 18,1 Millionen Euro. Zudem verringerte sich deren Anzahl um rund 6.000 Stück auf nun nur noch annähernd 108.000.

Der Heimatmarkt Österreich

Im beschaulichen Heimatmarkt Österreich konnte die Novomatic AG ihren Umsatz gegenüber dem 1 Halbjahr 2016 um rund 4,8 Prozent erhöhen. Dieser beträgt nun 118,9 Millionen Euro und liegt damit auf Platz 5 der wichtigsten Märkte des Unternehmens. Getrieben wurde dieser Anstieg vor allem durch erhöhte Umsätze bei den Sportwetten, trotz eingeführter Gebühren auf Wettterminals in Oberösterreich und Wien. Zudem bekam die Tochter, die Konzerngesellschaft Admiral Casinos vom Niederösterreichischen Landesgericht die Konzession für Spielotheken bis zum 21. Juli 2032 erteilt. Dadurch können ab November diesen Jahres insgesamt 1.165 Spielautomaten an den Start gehen und kräftig Umsätze einfahren.

In Österreich gibt es jedoch ebenfalls einen großen Schatten bei der Entwicklung der Geschäfte für die Novomatic AG. Aufgrund der Feststellung des OGH, dass der Konzern in der Vergangenheit illegale Spielautomaten in Wien betrieb, sind in Zukunft diverse Klagen vonseiten der Spieler zu erwarten, die ihr Geld zurückfordern könnten. Hierfür hat das Unternehmen bereits Rücklagen im kleinen einstelligen Millionenbereich gebildet.

Novomatic investiert kräftig in Polen

Der mittlerweile zweitgrößte Markt für die Novomatic AG im Umsatz ist die Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa, was natürlich zum großen Teil der vielen Länder innerhalb dieses Marktes geschuldet ist. Hier gingen die Umsätze von vormals 174,9 Millionen Euro auf jetzt 192,7 Millionen Euro nach oben. Hauptverantwortlich für diesen Anstieg von rund 10,2 Prozent waren vor allem die gut laufenden Geschäfte in Lettland, Kroatien, Mazedonien und Serbien. Ebenfalls als wichtiger Eckpfeiler in der Wachstumsstrategie der Novomatic AG ist Polen, dass mit seinen fast 40 Millionen Einwohnern ein nicht zu unterschätzender Wachstumsmarkt ist. Aus diesem Grund hat das Unternehmen hier im ersten Halbjahr jede Menge Geld für Firmenübernahmen in die Hand genommen. Über die eigene Tochter, die Novomatic Gaming Industrie GmbH, wurde die Mehrheit bei gleich vier Unternehmen erreicht. Dazu gehören zum einen die ATSI S.A. und die Fortress Gaming Technologies S.A., die beide auf Entwicklung und Programmieraktivitäten spezialisiert sind. Zum anderen wurde mit der ATT S.A. Eine Firma übernommen, die ihre Hauptgeschäftsfeld im Bereich der Aufbereitung und Generalüberholung von gebrauchten Spielautomaten hat, die dann wiederum verkauft werden. Für den Bereich der Casinos wurde mit der Novo Poland Sp.z.o.o ein Betreiber von vier kleineren Spielhallen dem Portfolio der Novomatic Gaming Industrie GmbH hinzugefügt.

Der gesamte Markt in Mittel-, Ost- und Südosteuropa dürfte über die nächsten Jahr für die Novomatic AG deutlich an Gewicht zunehmen. Denn durch weiteres Wirtschaftswachstum und der damit einhergehenden Kaufkraftsteigerung, dürfte hier noch deutlich Potential für sehr gutes Wachstum liegen. Dies dürfte einer der Hauptgründe sein, warum das Unternehmen bereit war, in diesem Markt fast 40 Millionen Euro im ersten Halbjahr zu investieren.

Italien, Großbritannien und Spanien

In Italien, dem Land mit der größten Anzahl aufgestellter Spielautomaten und drittwichtigsten Markt für die Novomatic AG ging es beim Umsatz ebenfalls nach oben. So konnte der Umsatz von 153,3 Millionen im Vorjahreszeitraum um rund 10,6 Prozent auf jetzt 169,5 Millionen Euro gesteigert werden. Positiv entwickelte sich die Zahl der vermieteten Spielautomaten um 5.000 auf jetzt 47.200 Stück. Durch diverse Übernahmen kleiner Betreiber konnte zudem die Umsatzerlöse aus Spielotheken und Bingohallen deutlich erhöht werden. Negativ schlugen hier die Steuererhöhungen von 5,5 auf jetzt 6 Prozent bei VTL’s und von 17,5 auf nun 19 Prozent für Spielautomaten zu Buche. In Großbritannien, Novomatics viertgrößtem Markt, kam die Übernahme von Talarius aus dem Juni 2016 nun vollends zum tragen. Und so konnte sich hier, dank der 160 neuen Spielstätten, der Umsatz von vormals 106,8 Millionen Euro um gehörige 26 Prozent auf jetzt 134,6 Millionen Euro steigern. Wermutstropfen waren hier für die Novomatic AG jedoch geringere Absatzzahlen der eigenen Novoline Spielautomaten sowie gestiegenen Gehaltskosten durch die Erhöhung des Mindestlohns in Höhe von 4,2 Prozent. Denn deutlichsten Sprung nach vorn in allen wichtigen Märkten macht Spanien, welches zwar immer noch auf dem letzten pPlatz rangiert, aber immerhin ein gigantisches Wachstum von 87,2 Prozent vorweisen konnte. Beide spanische Tochtergesellschaften, die Novomatic Gaming Spanien S.A. und die GiGames S.L., die hauptsächlich Spielautomaten herstellen, konnten deutliche höhere Umsatzerlöse erzielen. Ebenfalls positiv entwickelte sich die im Juli 2016 erworbene S4Gaming S.L., die sich vornehmlich auf die Entwicklung und den Verkauf von Plattformen und Casino Spielen spezialisiert hat. Zu guter Letzt trugen noch die beiden großen Spielbanken, das im Juli 2016 eröffnete Gran Casino San Roque und das erst vor kurzem übernommene Gran Casino Aljarafe in Sevilla zur guten Entwicklung bei.

In der Zwischenzeit war die Novomatic AG in Spanien bereits ein weiteres Mal auf Shopping-Tour und erwarb für die eigene Admiral Operations Spanien S.L. 51 Prozent der Anteile an Basken Gaming S.L. Zwar wurde der Kauf des Betreibers von 13 Spielhallen bereits im Dezember 2016 abgewickelt, doch wurde die Integrierung erst Ende März diesen Jahres abgeschlossen.

Deutlich mehr Novoline Casinos sorgen für Freude

In dem Geschäftsfeld mit Online Casinos, dem wohl auf Dauer die Zukunft gehören dürfte, konnte die Novomatic AG ebenfalls ein sattes Plus von 7,4 Prozent verzeichnen. Somit lagen die Umsatzerlöse mit 85,3 Millionen Euro deutlich über dem Wert von 79,4 Millionen Euro aus den ersten 6 Monaten des Vorjahres. Greentube, die Tochterfirma die sich vor allem auf die Adaptierung der bekannten Novoline Spielautomaten für die Online Casinos auszeichnet, konnte dabei vor allem im Geschäft mit den Betreibern zulegen. Zusätzlich verhalf der Strategiewechseln, in Zukunft deutlich mehr virtuelle Spielbanken mit den eigenen Slots zu beliefern, für eine Steigerung beim Umsatz. Während im ersten Halbjahr 2016 noch gerade einmal 20 Betreiber BOOK OF RA und Co. im Angebot hatten, erhöhte sich die Zahl der Novoline Casinos nun sprunghaft auf 30. Allerdings kommen hier Spieler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, aufgrund des strikten Geoblockings, nicht in allen virtuellen Spielhallen in den Genuss dieser Slots. Trotzdem hat allein die Auslieferung der Novoline Spielautomaten an bekannte Namen wie Bwin in den letzten Monaten gezeigt, dass in Zukunft mit einem deutlich größeren Angebot zu rechnen sein wird. Während der Bereich der Online Casinos sich für die Novomatic AG und Greentube sehr gut entwickelte, stagnierte der Geschäftsbereich mit den Social Casinos, trotz größerer Verträge mit großen Spielbanken in den USA. Das Unternehmen spricht hier von einer deutlichen Konsolidierung des Marktes. Zusätzlich verhagelt der Trend unter den Spielern, immer öfter über Smartphone zu zocken, hier ein klein wenig das Geschäft. Denn die großen Plattformen wie Apple und Google langen bei den Gebühren für die Nutzung ihrer Dienste kräftig bei den Betreibern hin. Dies bremst den Markt ein klein wenig aus, da die Gewinnspannen für die Anbieter dadurch deutlich sinken.

Die Unternehmenszahlen für den größten Einkauf der Unternehmensgeschichte der Novomatic AG, Ainsworth Technologies, sind in der Halbjahresbilanz noch nicht enthalten. Hier stehen immer noch einige kartellrechtliche Genehmigungen in verschiedensten Ländern aus. Mit der mehr als 300 Millionen teuren Übernahme wollen die Österreicher das Tor in den amerikanischen Markt ganz weit aufstoßen. Ainsworth, an dem die Novomatic AG nun 53 Prozent hält, gehört zu den Top 3 an Spielautomatenherstellern in den USA, verfügt zudem über eine hohe Präsenz in Lateinamerika und ist sogar Marktführer im heimischen Australien.

Zum ersten Teil: Novomatic AG Halbjahresbilanz Licht & Schatten