Asyl gegen Geld

Ein besonders dreister Fall von Begleitkriminalität in Bezug auf Glücksspielsucht ereignete sich in Österreich. Hier vergab ein Beamter Asyl gegen Geld. (Bild von Alina Kuptsova auf Pixabay)

Die Begleitkriminalität gehört auch bei der Glücksspielsucht, wie bei allen Süchten, zu den großen Problemfeldern. Zumeist handelt es sich dabei um Diebstahl oder Betrug, um durch die so gewonnen finanziellen Mittel der eigenen Glücksspielsucht an Spielautomaten oder anderen Produkten weiter nachgehen zu können. Im neusten Fall in Österreich jedoch kommt hier sogar noch die Bestechlichkeit eines Beamten hinzu, der Asyl gegen Geld in mehr als 40 Fällen anbot.

In Österreich beginnt bald der Mammutprozess wegen Glücksspielsucht mit 51 Angeklagten

Die von der Staatsanwaltschaft in Niederösterreich vorgebrachten Fakten lesen sich wie aus einem Lehrbuch über die mögliche Bestechlichkeit von Beamten. Denn genauso ein Staatsdiener soll wegen seiner Glücksspielsucht über mehr als 2 Jahre insgesamt 47 Personen Asyl in Österreich verschafft haben, welches diese normalerweise nie erhalten hätten. Für seine Dienste verlangte der Beamte im Durchschnitt 9.000 Euro von der betreffenden Person, die ihm durch drei Mittelsmänner zugeführt wurden. Über seinen Zugang zum zentralen Melderegister verwandelte der Glücksspielsüchtige mit nur wenigen Klicks den Aufenthaltsstatus der insgesamt 47 Personen und ermöglichte ihnen hiermit den illegalen Aufenthalt in Österreich. Die drei Helfer des Beamten, eine bosnische Dolmetscherin, ein Unternehmer aus dem Kosovo sowie ein Fernfahrer aus Moldawien sollen für ihre Zuarbeit rund 500 Euro pro Person erhalten haben.

Die kommende Gerichtsverhandlung dürfte sich zum Mammutprozess in Österreich entwickeln, denn neben dem glücksspielsüchtigen Beamten sind ebenso die drei Helfer sowie alle 47 Personen mit unrechtmäßigem Asyltitel angeklagt. Schon jetzt ist klar, dass das Gericht in Niederösterreich zahllose Verhandlungstage allein für die Anhörungen benötigen wird. Für die vier Hauptangeklagten, den österreichischen Beamten und seine drei Komplizen, könnten am Ende Haftstrafen von bis zu 10 Jahren drohen. Die weiteren 47 Personen mit falschem Asyltitel sind ebenso Urteile mit Freiheitsentzug nicht ausgeschlossen. Insgesamt soll der Staatsdiener mit diesem illegalen Handeln rund 70.000 Euro im Zeitraum zwischen 2014 und Ende 2016 verdient haben. Dieses Geld wiederum wurde laut Medienberichten vorwiegend zur Finanzierung seiner Glücksspielsucht verwendet.

Bei den 47 Personen handelte es sich vor allem um Staatsbürger aus Ländern, die kaum Aussicht auf Erfolg beim Asyl in Österreich gehabt hätten. Neben dem Kosovo betraf dies noch die Staaten Serbien, Bosnien, Mazedonien, Kroatien sowie die Ukraine und Moldawien.