Portrait von Paul Gauselmann.

Der Gründer der heutigen Merkur Group, Paul Gauselmann, ist am 21. August 2026 im Alter von 91 Jahren verstorben. (Bildquelle: Merkur Group)

Die deutsche Glücksspielbranche hat einen ihrer bekanntesten Unternehmer verloren. Paul Gauselmann verstarb am 21. August 2026 im Alter von 91 Jahren. Der Gründer der heutigen Merkur Group machte sich bereits in den 1950er-Jahren mit Automaten selbstständig und baute sein Geschäft über Jahrzehnte immer weiter aus. Aus den ersten Geräten entstand schließlich eine international tätige Unternehmensgruppe mit rund 15.000 Beschäftigten.

Seinen Posten an der Spitze hatte Paul Gauselmann bereits im Herbst 2024 abgegeben. Ganz von Merkur verabschiedet hatte er sich damit allerdings nicht. Auch nach dem Wechsel in der Unternehmensführung blieb er dem Geschäft verbunden und schaute regelmäßig im Unternehmen vorbei.

Paul Gauselmann baute aus kleinen Anfängen einen Glücksspielkonzern auf

Der Weg in die Automatenbranche begann für Paul Gauselmann lange vor den heutigen Spielhallen, Spielbanken und Online Glücksspiel Angeboten. Ende der 1950er-Jahre stellte er zunächst Musikboxen auf. Zuvor hatte er bereits als Techniker gearbeitet und unter anderem eine Fernwahlbox für Musikautomaten entwickelt.

Im Jahr 1964 entschied er sich die Selbstständigkeit schließlich zu seinem Hauptberuf zu machen. Ein weiterer wichtiger Schritt folgte zehn Jahre später mit der ersten eigenen Spielothek in Delmenhorst. Ab Mitte der 1970er-Jahre entwickelte das Unternehmen auch eigene Geldspielgeräte.

Die Merkur Sonne, die heute auf Echtgeldautomaten und vielen weiteren Angeboten des Konzerns zu sehen ist, entstand ebenfalls in dieser Zeit. Aus dem deutschen Automatengeschäft wurde später ein internationales Unternehmen. Mitte der 1980er-Jahre begann der Ausbau außerhalb Deutschlands. Heute ist die Merkur Group längst nicht mehr nur mit klassischen Geldspielgeräten beschäftigt. Zum Geschäft gehören Spielhallen, Spielbanken und Merkur Online Casinos. Das Unternehmen entwickelt außerdem eigene Slot-Titel und produziert Technik für den internationalen Glücksspielmarkt.

Den Namen Gauselmann trägt die Unternehmensgruppe inzwischen nicht mehr. Anfang 2024 wurde aus der Gauselmann Gruppe offiziell die Merkur Group. Auch abseits seines Unternehmens blieb Paul Gauselmann eng mit der Automatenbranche verbunden. Über Jahrzehnte war er im Verband der Deutschen Automatenindustrie aktiv, den er 28 Jahre davon als Vorstandsvorsitzender führte. Nach seinem Ausscheiden erhielt er den Titel des Ehrenpräsidenten. Mehrere Auszeichnungen kamen im Laufe der Jahre hinzu. Im Jahr 2003 erhielt Gauselmann das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Die Städte Espelkamp und Lübbecke verliehen ihm ein Jahr später die Ehrenbürgerwürde.

Neben dem Glücksspielgeschäft engagierte sich Gauselmann über viele Jahre in der Region Ostwestfalen. Millionenbeträge flossen unter anderem in Kindergärten sowie weitere öffentliche und soziale Projekte in Espelkamp und Lübbecke. Unterstützt wurden außerdem medizinische Einrichtungen und der Sport.

Zu seinen Projekten gehörte auch Schloss Benkhausen. Auf dem Gelände entstand unter anderem ein Schulungs- und Veranstaltungszentrum. Dort befindet sich zudem das Deutsche Automatenmuseum mit einer umfangreichen Sammlung historischer Geräte.

Die Belegschaft der Merkur Group trauert um Paul Gauselmann.

Technische Entwicklungen gehörten von Beginn an zum Geschäft der heutigen Merkur Group. Viele Ideen aus dem Unternehmen wurden im Laufe der Jahre rechtlich geschützt und später auch auf internationalen Märkten eingesetzt. Damit wuchs neben dem Spielstättengeschäft auch die eigene Entwicklung und Produktion immer weiter. (Bildquelle: Merkur Group)

Nachfolge bei Merkur schon lange vor seinem Tod geregelt

Der Tod des Firmengründers führt bei der Merkur Group nicht zu einem überraschenden Wechsel an der Spitze. Paul Gauselmann hatte die Nachfolge bereits Jahre zuvor vorbereitet.

Paul Gauselmann hatte aber nicht nur die Führung frühzeitig geregelt. Bereits 2016 wurden die Anteile der Familie in die Gauselmann-Familienstiftung eingebracht. Sie ist seitdem alleinige Eigentümerin der Merkur Group und sichert damit den Fortbestand des Unternehmens unabhängig von einzelnen Familienmitgliedern. Auch personell wurden die wichtigsten Aufgaben schon 2024 neu verteilt. Lars Felderhoff übernahm den Vorsitz des Vorstands. Michael Gauselmann, einer der Söhne des Firmengründers, wurde Vorsitzender des Aufsichtsrats und übernahm außerdem die Leitung des Stiftungsvorstands.