Glücksspielbranche 2020

Weltweit befindet sich die Glücksspielbranche in 2020 beim globalen Bruttogewinn im freien Fall. Größtes Sorgenkind ist mittlerweile Nordamerika. (Bildquelle: pixabay by geralt)

Vor gut einem Monat beschäftigten wir uns bereits schon einmal ausführlich mit den ungeheuren negativen Folgen für die globale Glücksspielindustrie durch die Pandemie rund um das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2. Damals war die Welt noch aufgeteilt in Regionen, in denen bereits das terrestrische Glücksspiel komplett zu Erliegen kam und Ländern, die von Schließungen von Casinos, Spielhallen und Wettshops noch relativ verschont blieben. Was mit dem Shutdown in Macao begann setzte sich vor rund drei Wochen in Europa fort und erreichte nun ebenso die USA mit ihrem Glücksspielmekka Las Vegas. Kein Wunder, dass selbst die zuvor bereits schon extrem negativen Prognosen nun noch einmal gehörig nach unten korrigiert wurden. Damit ist jetzt schon absehbar, dass sich die Glücksspielbranche in 2020 noch eine ganze Weile im freien Fall befinden wird.

Der globale Bruttogewinn der Glücksspielbranche fällt in 2020 um mindestens 13,6 Prozent

Der Datenspezialist H2 Gambling Capital im Bereich Glücksspiel prognostizierte noch Ende Februar zwei Szenarien. Das erste, das sogenannte beste Szenario, ging damals von einem Rückgang des globalen Bruttogewinns in der Glücksspielbranche in 2020 von gut einem Prozent aus. Mit zu erwartenden 452 Millionen US-Dollar wäre dies ein Rückfall auf den Stand von 2018 gewesen. Gegenüber den prognostizierten 475 Milliarden US-Dollar für 2020, die noch vor dem Ausbruch der Pandemie erwartet wurden, wäre dies bereits ein Rückgang von gehörigen 5 Prozent für die Glücksspielbranche gewesen. Dem gegenüber veröffentlichte H2 Gambling Capital ebenfalls einen zweiten Zukunftsausblick, der das schlechteste Szenario abbilden sollte. Hier wurden sowohl Europa wie auch die USA mit massiven Problemen bei der Bekämpfung des Coronavirus betrachtet. Extreme Maßnahmen wie Schließungen von Casinos in Las Vegas sowie von Spielhallen in Europa hätten nach den Analysen Ende Februar für einen Rückgang von rund 8 Prozent weltweit geführt.

Die neusten Daten von H2 Gambling Capital zeigen jedoch nun, dass selbst das Worst-Case-Szenario von vor einem Monat für die Glücksspielbranche 2020 die tatsächlichen Auswirkungen der Pandemie maßlos unterschätzt hatte. Die jetzt neu veröffentlichte Korrektur geht nämlich nun schon von einem Einbruch in Höhe von gewaltigen 13,6 Prozent aus. Damit würde der globale Bruttogewinn der Glücksspielbranche in 2020 mit geschätzten 408,9 Millionen US-Dollar nicht nur mehr als deutlich unter der ersten Prognose liegen, sondern zugleich ebenfalls auf das Niveau zwischen 2013 und 2015 fallen. Gegenüber den vor der Pandemie erwarteten 475 Millionen US-Dollar bedeutet dies mindestens einen Verlust von extremen rund 66 Millionen US-Dollar. So schwindelerregend die negativen Zahlen auch momentan schon erscheinen mögen, werden diese wohl noch in den nächsten Wochen und Monaten weiter anwachsen. Anhand der wöchentlichen Analysen von H2 Gambling Capital zeigt sich ein enormer Negativtrend, der wohl noch einige Monate weiter anhalten dürfte. Mit jedem Monat, in dem Casinos, Spielhallen und Wettshops weltweit geschlossen bleiben, werden sich die Rückgänge beim globalen Bruttogewinn weiter aufsummieren. Wann dieser freie Fall der Glücksspielbranche in 2020 gestoppt werden kann, wird maßgeblich davon abhängen wie schnell die Länder weltweit die Pandemie eindämmen oder zumindest unter Kontrolle bekommen können.

An der wöchentlichen Entwicklung beim prognostizierten globalen Bruttogewinn der Glücksspielbranche in 2020 zeigen sich in den Grafiken von H2 Gambling Capital, die dem Magazin igamingbusiness zur Verfügung gestellt worden, wichtige Ereignisse. Die Situation in China führte Anfang Februar zu einem erwarteten Rückgang von rund 1,3 Prozent. Die Schließung der Casinos in Macao wiederum senkte hier den Wert bereits Mitte Februar um 5,4 Prozent. Die dann erfolgten Maßnahmen in Europa Mitte März ließen den erwarteten globalen Bruttogewinn um 11 Prozent fallen und die Zuspitzung der Krise in den USA führte jetzt am 3. April schließlich zu Minus 13,6 Prozent.

Asien und Europa stabilisieren sich, Nordamerika jedoch nicht

Neben den Daten zum prognostizierten Rückgang des globalen Bruttogewinns der Glücksspielbranche in 2020 warten die Grafiken von H2 Gambling Capital für das Magazin igamingbusiness noch mit weiteren interessanten Annahmen auf. Durch die abgebildeten, wöchentlichen Veränderungen lässt sich hier wunderbar der bisherige Verlauf in der Pandemie rund um den Globus nachvollziehen. Während die monatelangen Eindämmungsmaßnahmen in China und ganz Asien, sowie seit einigen Wochen auch in Europa zu einer Stabilisierung führen, steht diese in Nordamerika noch aus. Bis zum 20. April fiel beispielsweise der erwartete Bruttogewinn in Asien von zu Beginn Minus 3,2 Anfang Februar auf Minus 15,6 Prozent extrem steil bergab. Vom 20. April bis zum 3. März jedoch ging es nur noch marginal auf Minus 17,2 Prozent herab, was deutlich zeigt, dass die Wiedereröffnung der Casinos in Macao und die allgemeine Entspannung der Lage den freien Fall abbremsen konnten. Sollte es Ländern wie Südkorea, Japan und Singapur gelingen, mit ihrer Strategie der langsamen Ausbreitung des neuartigen Coronavirus weiterhin erfolgreich zu sein, könnten eventuell sogar die Verluste zum Stillstand gebracht werden. Dies gilt natürlich nur, so lange in China keine zweite große Welle auftritt oder die Situation in anderen Staaten in Asien nicht außer Kontrolle gerät.

In Europa zeigt sich in den Analysen ein ähnliches Bild wie in Asien, allerdings aus anderen Gründen. Europa hat als Ganzes noch einen weiten Weg bis zur Kontrolle der Pandemie zu gehen und so schnell werden deshalb die Schließungen von Casinos und Spielhallen sicherlich nicht aufgehoben werden. Im Gesamtkontext der globalen Glücksspielbranche hat Europa jedoch einen entscheidenden Vorteil im Jahr 2020, nämlich seinen riesigen Sektor mit Online Casinos. Dieser kann nämlich in den Zeiten des Kontaktverbots einen Teil der Ausfälle im terrestrischen Bereich kompensieren. Im am stärksten betroffenen Land Italien sind seit dem Shutdown die Umsätze an den virtuellen Automatenspielen und Live Casino Games beispielsweise um gehörige 30 Prozent gestiegen, beim Poker haben sich diese sogar verdoppelt. Daraus ergibt sich die Situation, dass trotz noch nicht aufgehobenen Ausgangsbeschränkungen und weiterhin anhaltenden Schließungen, sich auch hier der Verlust beim Bruttogewinn der gesamten Glücksspielbranche in 2020 stabilisieren konnte. Weitete sich das Minus noch zwischen dem 13. Februar von 0,5 auf bis zu 9,4 Prozent am 20. März extrem schnell aus, so sank der Wert bis zum 3. April dann nur noch auf Minus 10,5 Prozent.

Interessant an all den Prognosen ist vor allem der Unterschied zwischen Europa und Nordamerika. Auch letzterer Glücksspielmarkt wurde am 13. Februar beim Bruttogewinn mit einem Minus in Höhe von 0,5 Prozent prognostiziert. Am 20. März wiederum stand Nordamerika mit einem Minus von 6,7 Prozent sogar noch deutlich besser da als Europa mit Minus 9,4 Prozent. Nun jedoch, am 3. April ist Nordamerika nach den Schließungen der Casinos in Las Vegas und fast aller Spielbanken in den USA mit einem zu erwartenden Minus von 12 Prozent deutlich vorbeigezogen. Hierbei ist sogar davon auszugehen, dass der Wert sich noch deutlich verschlechtern dürfte, denn gegenüber Europa steckt hier der Sektor mit Online Casino noch in den Kinderschuhen. Bislang konzentrierte sich zudem die Glücksspielindustrie im Bereich Internet hauptsächlich auf die Sportwetten. Diese können jedoch aufgrund der Absagen und Verschiebungen aller wichtigen Ligen als Kompensator im Vergleich zu den Online Casino in Europa keine solch entscheidende Rolle spielen.

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