Online Casinos in UK

Der Bericht der APPG sorgt in UK im bei den Online Casinos für Sprengstoff. Die Abgeordneten fordern ein Einsatzlimit für Slots und ein Verbot von Kreditkarten. (Bild von Nicholas Jackson auf Pixabay)

Lange Zeit galt Großbritannien nicht nur als liberalster Glücksspielmarkt im Bereich der Online Casinos, sondern regelrecht als Eldorado für Anbieter und Betreiber mit großen Möglichkeiten jede Menge Geld zu verdienen. Doch seit der Reduzierung der maximalen Einsatzlimits an Spielautomaten von vormals 100 auf nur noch 2 Pfund weht ein immer eisiger werdender Wind durch die Glücksspielbranche. Nachdem bereits der stationäre Markt enorm zurecht gestutzt wurde, folgt nun der Angriff auf die Online Casinos. Geht es nach der parteiübergreifenden Gruppe an Parlamentariern der APPG, sollen auch in Zukunft nur noch 2 Pfund pro Spin an einem Spielautomaten im Internet als maximaler Einsatz möglich sein. Zudem fordert die Gruppe noch zahlreiche weitere Maßnahmen, die zu einem Ende vieler Online Casinos im Land führen könnten.

Eine Reduzierung auf maximal 2 Pfund pro Spin würden nicht jedes Online Casino in UK überleben

Während andere Länder wie Deutschland gerade darum ringen Online Casinos zu legalisieren, geht es in einstmals so liberalen Großbritannien in die genau gegenteilige Richtung. Egal was dabei noch an neuen Regulierungen und Verboten kommen wird, eines steht jetzt schon fest, die Zeit des großen Reibachs für die Online Casinos ist wohl erst einmal für lange Zeit vorbei. Denn nun sprach sich in einem offiziellen Bericht die parteiübergreifende Gruppe von Abgeordneten, die APPG, für eine Gleichstellung der Online Casinos mit den terrestrischen Spielhallen aus. Ihrer Meinung nach ist es nicht verständlich, warum die Limitierung des maximalen Einsatzes von 2 Pfund pro Spin an einem Spielautomaten nicht ebenso für das Internet gilt. Um Kunden vor Spielsucht zu schützten sowie die Kosten für die dadurch entstehenden Probleme zu reduzieren fordert die APPG diesen Schritt nun ebenso für die Online Casinos. Dieser Vorstoß ist für die Glücksspielkonzerne in UK in gleich mehrfacher Hinsicht eine Art Supergau.

Eine Reduzierung des maximalen Einsatz pro Spin an einem Spielautomaten im Online Casinos hätte einen ähnlich Effekt wie zuvor beim terrestrischen Angebot. Ein nicht unerheblicher Teil des Umsatzes würde für die Betreiber wegfallen. Dies würde gleich mehrfach negative Konsequenzen nach sich ziehen. Zum einen würden die Gewinne deutlich in UK für die Online Casinos schrumpfen. Hierdurch würden mit Sicherheit ebenso die Budgets für das Marketing geringer ausfallen, was sich wiederum auf das Angebot und die Größe beim Casino Bonus sowie bei den Freispielen auswirken dürfte. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass genau wie bereits zuvor bei den Spielhallen auch bei den Betreibern von Online Casinos ein massiver Stellenabbau einsetzten wird. Tausende Arbeitsplätze wären hiervon betroffen, in einem Land welches momentan rund um den Brexit sowie so schon nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Der massive Einschnitt beim Umsatz dürfte schlussendlich dazu führen, dass für viele Online Casinos wohl die Friedhofsglocken zu läuten beginnen werden. Vor allem kleinere Betreiber dürften schnell unter enormen Druck geraten, da diese kaum in der finanziellen Liga wie die großen Player spielen, die durchaus Rückgänge verkraften können. Dass dies nicht nur eine These ins Blaue ist, zeigten schon das Vera&John Casino sowie das ComeON Casino, die beide Großbritannien bereits den Rücken kehrten.

Die Auswirkungen bei den Spielhallen durch die Limitierung der maximalen Einsatzlimits an Spielautomaten:

  • Die Steuern aus terrestrischen Spielautomaten fielen zwischen April und September um -24,3 Prozent
  • William Hill, Flutter Entertainment sowie die GVC Holdings schlossen mehrere Hundert Glücksspieltempel
  • Tausende Mitarbeiter verloren aufgrund zahlreicher Schließungen ihre Jobs

Kreditkarten sollen in UK in Online Casinos verboten werden und Betreiber sich aus unregulierten Märkten zurückziehen

Würde nicht schon allein eine theoretische Einführung von einem Einsatzlimit von nur noch 2 Pfund für Spielautomaten im Online Casino den Betreibern die Sorgenfalten ins Gesicht meißeln, gesellen sich noch weitere Forderungen der APPG hinzu. Diese will nämlich ebenso ein Verbot von Kreditkarten erwirken, ausgerechnet auf die immer noch beliebteste Form für Ein- und Auszahlungen. Hierdurch will die APPG die Kontrolle der Banken stärken, die dann genau wie die Online Casinos dazu verpflichtet werden sollen, genau zu prüfen, ob sich ein Kunde das Spielen im Online Casinos überhaupt leisten kann. Zusätzlich soll eine neu zu schaffende Software zum Blockieren von Zahlungen geschaffen werden. Die freie Entscheidung des Kunden, wann, wo und wofür er sein Geld ausgibt, gehört dann definitiv mit solch einer Überwachung der Vergangenheit an. Wie immer wurden solch gravierende Einschnitte in die Persönlichkeitsrechte mit dem Spielerschutz begründet. Des Weiteren fordert der APPG unter der Vorsitzenden Carolyn Harris noch weitere Einschränkungen für VIP-Kunden sowie bei den Angeboten zum Casino Bonus.

Was sich bereits jetzt wie das Zurückdrehen sämtlicher liberalen Ansätze bei der Regulierung von Online Casinos in Großbritannien anhört, ist hiermit jedoch noch lange nicht zu Ende. Tatsächlich geht der Katalog an Forderungen der APPG noch weiter. Denn zugleich mit diesen massiven Einschnitten, sollen die Online Casinos auch außerhalb der Gerichtsbarkeit in UK an die Leine gelegt werden. So sieht der „Report from the Gambling Related Harm“ weiterhin vor, dass sämtliche Betreiber von Online Casinos mit Lizenz in Großbritannien in Zukunft nur noch aktiv in regulierten Glücksspielmärkten sein sollen. Dies würde beispielsweise bedeuten, dass Ladbrokes nicht gleichzeitig in UK und in Deutschland sein Angebot an Spielautomaten und Live Casino an Frau und Mann bringen dürfte. Die Bundesrepublik ist nämlich bislang kein regulierter Markt, wie viele weitere europäische Länder ebenso und Online Casinos sind noch immer verboten. Zusammen mit einer Limitierung der maximalen Einsätze an den Slots würde dies fast alle Betreiber empfindlich treffen, aber zugleich Großbritannien extrem unattraktiv für sämtliche Glücksspielkonzerne machen. Ein gewaltiger Exodus aus UK wäre mit Sicherheit die Folge und es ist nicht auszuschließen, dass zahlreiche britische Buchmacher und Online Casinos sogar ihre Hauptsitze nach Kontinentaleuropa verlagern würden. Eine gesamte, über Jahrzehnte aufgebaute Dienstleistungsindustrie würde hierdurch den Bach runtergehen.

Faktoren, die das Ende der großen Glücksspielindustrie in Großbritannien bedeuten könnten:

  • enorme Umsatzeinbrüche der Online Casinos durch Einführung eines Limits von 2 Pfund bei den Spielautomaten
  • Verbot von Kreditkarten in Online Casinos und bei Buchmachern
  • Verbot des Anbietens von Online Casinos in Ländern in denen diese Verboten sind durch in UK lizenzierte Betreiber
  • weitere Steuererhöhungen für Online Casinos, um Ausfälle durch Limitierung und daraus resultierenden Umsatzrückgängen zu kompensieren
  • Brexit mit extremen Wertverlust der Online Casinos Lizenz aus Gibraltar, die dann nicht mehr in der EU gilt
  • durch Brexit erzwungene doppelte Infrastruktur für EU und UK

Die UKGC wehrt sich gegen Vorwürfe der APPG

Neben den Online Casino Betreibern und Buchmacher bekam ach die UKGC von den Parlamentariern der APPG ihr sprichwörtliches Fett weg. In den Augen der Abgeordneten ist die Glücksspielaufsichtsbehörde von UK einfach zu weich. Um dies zu untermauern, verwies die APPG geschickt auf die eigenen Forderungen. Bis heute gibt es kein Verbot von Kreditkarten und die Online Casinos wurden ebenfalls nicht mit einem Limit bei den maximalen Einsätzen pro Runde bei den Spielautomaten belegt. Dies war zwar geschickt miteinander verknüpft, doch zog dies schlussendlich auch enorme Kritik vonseiten der UKGC an dem veröffentlichten Bericht nach sich. Zum einen fühlte sich die Glücksspielaufsichtsbehörde völlig überrumpelt, denn niemand von den Abgeordneten hielt es für nötig, diese überhaupt zu kontaktieren. Es wurden weder Daten über getroffene Maßnahmen der UKGC beim Spielerschutz erfragt, noch die bislang verhängten Strafen berücksichtigt, geschweige denn sich darum bemüht, zu erfahren, welche Meinung die Behörde zu den Forderungen der APPG vertritt. Gerade beim Thema Verbot von Kreditkarten laufen seit Monaten Untersuchungen, ob diese Maßnahmen tatsächlich überhaupt dazu führen würde, die schädlichen Auswüchse der Spielsucht einzudämmen. Möglicherweise würde bei solch einem strikten Ansatz das Problem nur verlagert, aber nicht gelöst werden.

Weiterhin kritisierte die UKGC, dass zahlreiche Behauptungen vonseiten der APPG im Bericht aufgestellt wurden, diese jedoch nicht mit Zahlen auch tatsächlich untermauert wurden. An sich nichts Ungewöhnliches in der Politik, wo bekanntlich mehr auf Emotionen anstatt auf Fakten gesetzt wird. Gerade der Fakt, dass nicht einmal Vertreter der UKGC vor dem veröffentlichten Bericht gehört worden, wirft kein gutes Licht auf die APPG. Immerhin besitzt die Glücksspielaufsichtsbehörde wohl das mit Abstand größte Datenmaterial und Unmengen an Statistiken, die Probleme tatsächlich bestätigen oder ebenso auch ins Reich des Populismus verweisen könnten. Möglicherweise liegt gerade im letzteren Punkt, dem nicht so wirklich sich faktenbasiert auseinandersetzen wollen, der Grund für das Übergehen der UKGC bei solch einem wichtigen Bericht. Fairerweise muss der britischen Glücksspielaufsichtsbehörde neutral ebenso zugutegehalten werden, dass es weltweit kaum eine Regulierungsbehörde gibt, die solch eine gute Arbeit macht. Ebenso zu behaupten, sie wäre zu weich, geht an den Tatsachen vorbei, was viele Online Casinos mit zum Teil recht heftigen Geldstrafen mehr als bezeugen können. Doch trotz alledem zaubert der jetzige Vorstoß der APPG enorme schwarze Gewitterwolken an den britischen Glücksspielhimmel, von denen sicherlich einige hängen bleiben werden. Denn mit der APPG ist wegen ihrer parteiübergreifenden Ausrichtung nicht zu spaßen und sie besitzt im britischen Gesetzesprozess extrem hohes Gewicht.

Eigentlich sollte erst ein Komplettbericht im Laufe des nächsten Jahres durch die APPG veröffentlicht werden, nachdem die UKGC sowie der Minister für das Feld Glücksspiel angehört wurden. Der nun erfolgte überraschende Vorstoß eines Zwischenberichts kann jedoch auch als Ohrfeige für die gesamte Glücksspielindustrie verstanden werden. Erst Anfang September hatten die drei Bosse der wichtigen Firmen GVC Holdings, Flutter Entertainment und William Hill die Abgeordneten der APPG bei einer Anhörung auflaufen lassen. Während letztere beiden nur ihre zweite Garde im Management entsendeten, blieb die GVC Holdings dem Treffen gleich ganz fern, worüber sich die Abgeordneten sichtlich erbost zeigten. Eine Retourkutsche, um den Konzernen zu zeigen, wer mit gesetzgeberischer Macht am längeren Hebel sitzt und was bei Ignoranz der Realität auf die Online Casino Betreiber zukommen könnte, ist deshalb wohl als Hintergrund nicht auszuschließen.