Da waren's nur noch 12 – eine turbulente Woche bei den Casino-Aktien

Cherrry AB (Sunmaker, Sunnyplayer, Comeon, Mobilebet) verlässt den Nasdaq Stockholm. William Hill säuft ab, Paddy Power saugt mehr Cash und ändert den Namen und Playtech spielt auf cool. Bild von Arifur Rahman Tushar (Pixabay)

Unsere Watchlist wurde in dieser Woche um einen Titel ärmer: Die Cherry AB, der schwedische Konzern hinter den Sunmaker Casinos, wird an den Börsen nicht mehr gehandelt. Der Handelsstopp war bereits Ende April angekündigt worden. Grund dafür war eine Übernahme durch die Private Equity Firma Bridgepoint Europe. Sie hält unter anderem Anteile an Echtgeld-Casinos wie Betsson. Anleger, die bis zum Handelsende am 8. Mai 2019 Anteile an Cherry hatten, wurden abgefunden.

William Hill kämpft weiter gegen den Abwärtstrend

Schon in der KW 19/2019 verlor William Hill mit fast 12 % deutlich an Wert. In dieser Woche konnte der Konzern hinter den William Hill Casinos den Trend nicht durchbrechen. Die Aktie verlor weitere 9 % und steht nun noch bei 1,61 Euro. Je weiter der Wert je Aktie zurückgeht, desto stärker werden die Ausschläge für die Anleger. Eine Wertschwankung von nur einem Cent macht bei diesem Aktienkurs eine Wertschwankung von fast einem Prozent aus. Im Jahr 2006 hatte das Papier mit über 6 Euro seinen Höchststand.

Für den aktuellen Kursrücksetzer gibt es derweil keinen handfesten Grund. Das Management von William Hill berichtete am 15. Mai stolz von einem Umsatzwachstum von 2 %. Haupttreiber waren die Expansion in den USA und die Einnahmen aus dem Geschäftsfeld von Mister Green. Mister Green, ein schwedisches Online Casino, ist besonders in Skandinavien und Mitteleuropa bekannt und etabliert.

So scheint sich die Vorhersage des William Hill CEOs Philip Bowcock zu erfüllen. Im November hatte er verkündet, dass sich das US-Geschäft innerhalb der nächsten drei Jahre in die Gewinnzone bewegen würde. Der Nettoumsatz auf der anderen Seite des Atlantiks sprang bis zum 30. April 2019 um 48 % in die Höhe.

Derweil befindet sich William Hill in der Heimat in einem rechtlichen Clinch. Das Unternehmen hatte in der Online Dating App Tinder geworben. Das ist allerdings verboten. Nach den britischen Gesetzen darf Werbung für Wett- und Spieleanbieter nicht mit sexuellen Inhalten kombiniert werden. William Hill bewertete seinen Werbeauftritt nicht in diesem strengen Sinne. Vielmehr würde der Spieler eine Beziehung mit dem Unternehmen eingehen und deshalb auch die Friendzone verlassen. Nichtsdestotrotz nahm das Traditionsunternehmen seine Werbung freiwillig von der Plattform. Weitere rechtliche Konsequenzen werden hier wohl eher nicht folgen.

Paddy Power sichert sich weitere finanzielle Mittel

Der Online-Spiele-Konzern hinter Marken wie Betfair konnte in dieser Woche sein finanzielles Polster weiter ausbauen. Dem Unternehmen gelang es, 250 Millionen britische Pfund am Kapitalmarkt einzusammeln. Damit steigt das Fremdkapital im Unternehmen auf insgesamt 700 Millionen Pfund.

Das neue Geld soll dazu dienen, dem Unternehmen “weitere strategische Flexibilität” zu bieten.

Bei der Hauptversammlung am 15. Mai gab es eine weitere Neuerung. Die Aktionäre stimmten fast einstimmig einer Namensänderung der Aktiengesellschaft zu. Aus Paddy Power Betfair soll Flutter Entertainment werden. Mit dem neuen Namen soll der Fokus weggerückt werden von einzelnen Marken. Vielmehr möchte das Unternehmen sein großes Portfolio und die internationale Ausrichtung betonen.

Der Aktienkurs reagierte unbeeindruckt auf die Umbenennung. Das Papier verlor weiter – in dieser Woche 7,6 %. Daran konnte auch die Ankündigung einer Expansion in Irland des CEOs Peter Jackson wenig ändern. Mittelfristig soll der Wachstumsschwerpunkt im angestammten englischsprachigen Raum liegen – bevorzugt online. Das stationäre Geschäft gestaltet sich aufgrund immer strengerer Regeln zu einer wachsenden Herausforderung. Angesichts aktueller Meldungen aus Irland könnte sich das als schlechte Idee herausstellen.

Irland zieht die Daumenschrauben an

Am Freitag verkündete der irische Staatsminister David Stanton, dass an der Novellierung der Gesetzgebung für das Glücksspiel gearbeitet wird. Die neue Regulatorik wird auch die Einrichtung einer neuen Aufsichtsstelle beinhalten. Sie soll die Aufgabe haben, Glücksspielunternehmen und die Lizenzierung zu überwachen. Die Vorschläge einer interparlamentarischen Arbeitsgruppe sollen im Rahmen des neuen Gesetzeswerks umgesetzt werden. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Spielerschutz und der Suchtprävention. Das neue Gesetz wird voraussichtlich in 18 Monaten ausgearbeitet werden und 2020 in Kraft treten.

Damit folgt Irland dem aktuellen europäischen Trend, das Glücksspiel stärker zu überwachen. Im Vorjahr hatte Großbritannien striktere Regeln für Glücksspielunternehmen umgesetzt. Zu Jahresbeginn folgte Schweden.

Playtech ist auf Linie

Ebenfalls am 15. Mai hielt auch Playtech seine Hauptversammlung ab. Die Nachrichten an die Aktionäre waren erfreulich. So ist das Unternehmen, das Spielelösungen an Online-Casinos vertreibt, betriebswirtschaftlich im grünen Bereich. Der gesetzte Gewinnkorridor vor Steuern zwischen 390 und 410 Millionen Euro werde eingehalten. Ein stabilisierender Faktor ist das Geschäft auf regulierten Märkten: Erst kürzlich schloss Playtech eine Kooperation mit GVC. In Zukunft soll es alle Marken des Spielegiganten mit neuen Produkten beliefern.

Personell stehen ebenfalls Änderungen an: CEO Alan Jackson wird das Unternehmen demnächst verlassen. Bis zu seinem Ausscheiden ist er gemeinsam mit den anderen Vorstandsmitgliedern auf der Suche an einem passenden Nachfolger.

Die Anleger reagierten positiv auf die guten Nachrichten aus dem Hause Playtech. Nach der Hauptversammlung fand das Aktienrückkaufprogramm ein Ende und die Dividende wurde erhöht. Das Papier gewann 3 % an Wert und ist in dieser Woche unser Wochensieger.

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