Novomatic und Sazka

Seit dem Start der Ermittlungen wegen der Bestellung Peter Sidlos in den Vorstand der CASAG eskaliert der Streit zwischen Novomatic und der Sazka Gruppe weiter. (Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay)

Lange währte er nicht, der Burgfrieden zwischen den beiden Glücksspielkonzern Novomatic aus Österreich und der tschechischen Sazka Gruppe. Nachdem beide Unternehmen in die CASAG eingestiegen waren, sprachen Vertreter der Konzerne sogar kurzzeitig von so etwas wie Freundschaft, falls diese denn überhaupt zwischen zwei Rivalen möglich ist. Nun jedoch in Zusammenhang mit der Causa um die Bestellung von FPÖ-Politiker Peter Sidlo in den Vorstand der CASAG bricht die alte Feindschaft wieder auf und Vorwürfe auf beiden Seiten werden erhoben. Dies führte jetzt dazu, dass Novomatic den Vertrag mit der Sazka Gruppe über die Stimmrechtsbindung offiziell gekündigt hat.

Novomatic durchkreuzte die Pläne der Sazka Gruppe in der Vergangenheit durch den Bruch der Stimmrechtsbindung

Zuerst lieferten sich Novomatic, der Hersteller der bekannten Novoline Spielautomaten und die tschechischen Sazka Gruppe monatelang einen schmutzigen Schlagabtausch um die Übernahme der CASAG. Beide wollten sich das lukrative Filetstück in Österreich mit Monopol bei den Spielbanken, beim Lotto und bei den Online Casinos gern unter den Nagel reißen. Öffentlich wurde der Übernahmekampf lange Zeit mit harten Bandagen geführt, bis jedoch das oberste Kartellgericht Novomatic die Übernahme der Casinos Austria AG wegen einer dann marktbeherrschenden Stellung untersagte. Am Ende wurde die Sazka Gruppe zum größten Anteilseigner noch vor der staatlichen Beteiligungsgesellschaft ÖBAG. Die spannende Frage lautete ab nun, ob sich der Novoline Spielautomatenhersteller als Zünglein an der Waage auf die Seite der Tschechen oder lieber auf die Seite von Österreich schlagen würde. Interessanterweise sickerte bereits kurz nach dem Einstieg der beiden großen Glücksspielkonzernen durch, dass es einen bislang unveröffentlichten Vertrag zwischen den beiden Unternehmen über eine Stimmrechtsbindung gibt. Laut diesem müsste Novomatic in wichtigen Entscheidungen den Tschechen folgen und die Sazka Gruppe hätte somit theoretische die Mehrheit und so auch die Kontrolle über die CASAG.

Nach diesem gelungenen Coup und dem zuvor bereits geglückten Einsteig beim griechischen Lottomonopolisten OPAP fühlten sich die Tschechen bereit, ihren Konzern an die Börse zu bringen. Milliarden Euro an frischem Kapital für weitere Übernahmen und Wachstum sollte dies einbringen und die Kontrolle über die CASAG war das wichtigste Puzzleteil im Plan. Dann jedoch folgte im vergangenen Sommer die ominöse Hauptversammlung bei der Casinos Austria AG, die nicht nur die Pläne der Tschechen durchkreuzte, sondern ebenso den Burgfrieden beendete. Novomatic weigerte sich trotz Stimmrechtsbindung den Aufsichtsrat nach den Wünschen der Sazka Gruppe umzugestalten, denn dies hätte den Ausschluss der österreichischen Beteiligungsgesellschaft ÖBAG bedeutet. Die Tschechen verließen sich auf den Vertrag mit Novomatic, wollten die Kontrolle über die CASAG übernehmen und Österreich ausbooten, den zweitgrößten Anteilseigner. Dies hätte eigentlich funktionieren müssen, da beide zusammen über mehr als 50 Prozent verfügten, dann jedoch stimmte der Spielautomatenhersteller gegen die Sazka Gruppe und sprang der ÖBAG zu Seite. Damit war der Fehdehandschuh geworfen und die Sazka Gruppe konnte ihre ehrgeizigen Börsenpläne ohne die Kontrolle über die Casinos Austria AG zurück in die Schublade stecken.

Als Retourkutsche klagten die Tschechen später Novomatic vor dem Schiedsgericht in Paris an und dessen Urteil über den Bruch der Stimmrechtsbindung wird mit Spannung erwartet. Sollte dieses zur Einschätzung kommen, dass der Novoline Spielautomatenhersteller den Tschechen in der ominösen Hauptversammlung der CASAG hätte folgen müssen, könnten exorbitante Strafzahlungen, beziehungsweise Schadensersatzansprüche auf Novomatic zukommen.

Novomatic kündigt die Stimmrechtsbindung mit der Sazka Gruppe und erhebt Vorwürfe

Wie jetzt verschiedene österreichische Medien übereinstimmend berichteten, hat Novomatic bereits vor Wochen den Vertrag über die Stimmrechtsbindung mit der Sazka Gruppe gekündigt. Dies soll aus einem brisanten Schreiben vom 3. Oktober von Robert Chvatal an die Mitglieder des Aufsichtsrats der CASAG hervorgehen. Chvatal ist nicht nur 1. Vizepräsident dieses Gremiums, sondern ebenso zugleich CEO der Sazka Gruppe. In dem Schreiben bezieht er sich auf die Sitzung vom 24. September und den dort angebrachten Anschuldigungen gegen ihn vonseiten Harald Neumanns, dem CEO von Novomatic. Dieser soll Chvatal vorgeworfen haben, gegen Verschwiegenheitspflichten im Zusammenhang mit Ermittlungen in der CASAG-Causa rund um die Bestellung von Peter Sidlo verstoßen zu haben. Nachdem bereits zuvor Harald Neumann öffentlich die Sazka Gruppe beschuldigte hinter den anonymen Anzeigen zu stecken, die zu Razzien bei Novomatic und FPÖ-Politikern führten, scheint er Chvatal wohl für den Maulwurf zu halten. Aufgrund dieser möglichen Verletzung von Verschwiegenheitspflichten soll der Vertrag über die Stimmrechtsbindung gekündigt worden sein.

Robert Chvatal wiederum lies diese Vorwürfe nicht auf sich sitzen und setze sich in dem nun bekannt gewordenen Schreiben vom 3. Oktober an die Aufsichtsratsmitglieder der CASAG zu Wehr. Er bezeichnete die vorgebrachten Anschuldigungen gegen ihn als diffamierend und spielte zudem den Ball zurück in die Hälfte des Geschäftsführers von Novomatic. So wolle Harald Neumann mit den Vorwürfen gegen Chvatal und die Sazka Gruppe nur von sich selbst und den Ermittlungen gegen seine Person sowie den Spielautomatenhersteller ablenken. Zudem warf er ihm ebenfalls vor, mit diesem Gebaren zu versuchen, die internen Ermittlungen rund um die mysteriöse Bestellung von FPÖ-Politiker Peter Sidlo zum Vorstandsdirektor der Casinos Austria AG torpedieren zu wollen. Egal welche Vorwürfe nun stimmen mögen, eines ist nun klar. Die Sazka Gruppe kann von nun an nicht mehr mit den Stimmen von Novomatic rechnen, und die Übernahme der Kontrolle bei der CASAG ist in Zukunft so gut wie ausgeschlossen. Vielmehr dürften ab jetzt Novomatic und der Staat Österreich eine gemeinsame Front gegen die Tschechen bilden. Wie eng die Verflechtungen zwischen diesen beiden Parteien sind, zeigte sich bereits bei der Personalie Peter Sidlo sowie dem Bruch der Stimmrechtsbindung bei der Hauptversammlung im vergangenen Sommer.

In diesem Zusammenhang lässt sich darüber spekulieren, ob der Bruch mit der Sazka Gruppe vonseiten Novomatics im vergangenen Jahr mit der momentanen Causa rund um die CASAG und FPÖ zusammenhängen könnte. Immerhin wird dem Spielautomatenhersteller und FPÖ-Politikern vorgeworfen, möglicherweise illegale Vereinbarungen getroffen zu haben. So soll Novomatic angeblich für die Installierung von Peter Sidlo im Vorstand der Casinos Austria AG eine Online Casino Lizenz sowie die Unterstützung zur Aufhebung des Verbots des „Kleinen Glücksspiels“ in Wien versprochen worden sein. Diese Anschuldigungen sind momentan Gegenstand der Ermittlungen durch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft.