Online Casino Werbung

Nachdem der DFB und die DFL bereits Mahnschreiben wegen Online Casino Werbung erhielten, wurde nun das erste Verfahren gegen den BVB wegen bwin eröffnet. (Bild von Erich Westendarp auf Pixabay)

Gerade einmal rund drei Wochen ist es her, da flatterten Mahnschreiben in die Briefkästen des DFB und der DFL. Nach deutschem Recht sind nicht nur Echtgeld Spielautomaten und Live Casino Spiele verboten, sondern ebenso die Werbung für diese Glücksspielprodukte. Da jedoch fast sämtliche Anbieter von Sportwetten wie Tipico und bwin nebenbei ebenfalls diese abseits des Kerngeschäfts auf ihren Plattformen anbieten, wurden DFB und DFL aufgefordert, die Werbung für ihre eigenen Sponsoren einzustellen. Nun trifft es mit dem BVB den ersten Bundesligaverein, der ebenfalls für bwin wirbt und mehrere Millionen Euro pro Jahr für die Präsentation des Glücksspielunternehmens erhält. Wie nun bekannt wurde, hat die Bezirksregieurng in Düsseldorf ein Verfahren gegen Borussia Dortmund wegen der Werbung für illegale Online Casinos und Echtgeld Automatenspiele eröffnet.

Im schlimmsten Fall muss sich der BVB von bwin trennen

Trotz des Verlustes der Tabellenführung an den großen Rivalen, den FC Bayern München, läuft es sportlich immer noch hervorragend für den BVB und die nächstjährige Teilnahme in der lukrativen Champions League scheint fast sicher. Allerdings droht Borussia Dortmund nun von ganz anderer Seite mächtig Ärger. Denn wie nun die Süddeutsche Zeitung bekannt machte, hat die Bezirksregierung in Düsseldorf offiziell ein Verfahren gegen den Fußballverein eingeleitet. Hintergrund ist die Werbung für den bekannten Buchmacher bwin, der als Sponsor seit 2017 im Stadion präsent ist. Obwohl bwin hier nur für sein Angebot an Sportwetten wirbt, welches in Deutschland durch die Ausnahmeregelung geduldet wird, sind die ebenfalls angebotenen Echtgeld Spielautomaten der Bezirksregierung ein Dorn im Auge. Denn wer die Seite von bwin besucht wird schnell feststellen, dass hier abseits der Sportwetten ebenso unzählige Online Casino Spiele sowie Poker angeboten wird. Nach der deutschen Glücksspielgesetzgebung ist dies jedoch illegal und somit auch die Werbung hierfür.

Bereits die Schreiben vor rund drei Wochen an den DFB und die DFL zeigten deutlich auf, dass die Aufsichtsbehörden der Bundesländer eine ganz besondere Beurteilung bei der Glücksspielwerbung anlegen. Denn obwohl die Buchmacher in Deutschland bei den Fußballvereinen nur für Sportwetten werben oder gar nur mit dem Namen auftreten, interpretieren diese die Werbung als Offerte für das gesamte Angebot. Bei dieser Interpretation wäre somit die gesamte Werbung und das zugrunde liegende Sponsoring nach deutschem Recht illegal. Genau aus diesem Grund erging nun dem BVB ein Schreiben der Bezirksregierung aus Düsseldorf, dass gegen den Club ein Verfahren eröffnet wurde. Laut der Süddeutschen Zeitung wurde der Internetauftritt von Borussia Dortmund unter die Lupe genommen und die Präsenz von bwin bemängelt. Die Bezirksregierung hält diese trotz keinerlei Hinweisen auf Echtgeld Spielautomaten oder Live Casino Spiele bei bwin trotzdem für einen Verstoß gegen das Werbeverbot. Sollte es hier nicht zu einer vernünftigen Einigung kommen, könnte dem BVB ein Bußgeld drohen oder gar im schlimmsten Fall eine einstweilige Verfügung, die sämtliche Werbung für den eigenen Sponsor bwin untersagen würde. Ein Verzicht auf mehrere Millionen Euro durch eine dann zu erfolgende Kündigung wäre die Konsequenz.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung hat sich der BVB bereits geäußert und gab bekannt, dass bislang keine Kentnisse über das eröffnete Verfahren vorliegt. Ebenfalls macht der Sprecher des Vereins klar, dass Borussia Dortmund nur Werbung für die Internetseite von bwin macht, allerdings nicht explizit für das Echtgeld Casino und den darin angebotenen Automatenspielen.

Der BVB und bwin ist ein Präzedenzfall, der eine ungeheure Lawine lostreten könnte

Nicht nur beim BVB dürften nun bei den Verantwortlichen um Hans-Joachim Watzke die Alarmglocken schrillen, sondern im gesamten Profifußball. Denn das erstmalige Eröffnen eines Verfahrens gegen einen Fußballverein wegen des Sponsorings durch einen Glücksspielanbieter könnte eine Lawine lostreten, die im schlimmsten Fall den Fußball in Deutschland auf den Kopf stellt. Kaum ein Fußballclub in den ersten drei Bundesligen hat heute keinen Anbieter von Sportwetten unter Vertrag und fast alle bieten ihren Kunden nebenbei auch Echtgeld Automatenspiele und Live Casinos Games wie Roulette an. Im schlimmsten Szenario, wenn tatsächlich dem BVB die Werbung für bwin untersagt würde, dürften dann alle weiteren Clubs ebenfalls im Fahrwasser dieses Präzedenzfalls geraten. Schlussendlich könnte fast sämtliche Werbung der Glücksspielanbieter verschwinden und damit auch die millionenschweren Summen aus den Etats der Clubs mit noch ungeahnten Folgen. Während hingegen der BVB oder der FC Bayern München noch durch ihre Zugkraft die dann wegfallenden Sponsorengelder durch neue Verträge mit anderen Firmen durchaus kompensieren könnten, dürfte dies gerade kleinere Vereine ernsthaft in Schwierigkeiten bringen.

Bislang ist schwer zu beurteilen, welche Konsequenzen sich für den deutchen Fußball und den BVB tatsächlich aus dem eigeleiteten Verfahren der Bezriksregierung in Düsseldorf am Ende ergeben werden. Bwin argumentiert mit der Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU und besteht darauf, dass die deutsche Glücksspielgesetzgebung EU-rechtwiedrig ist. Die Politik sowie die Justiz sieht dies jedoch genau entgegengesetzt und sieht sich mit dem Verbot von Online Casinos und deren Angebot an Echtgeld Spielautomaten im Recht. Hier ist durchaus davon auszugehen, dass die Auseinandersetzung zwischen den Glücksspielfirmen und dem deutschen Staat durch alle juristischen Instanzen ausgetragen wird und schlussendlich vor dem Europäischen Gerichtshof landet. Bevor hier jedoch wirklich ein Urteil fallen würde, dass ein für alle Mal die rechtliche Situation klarstellt, könnten jedoch noch Jahre vergehen. Ebenfalls ist momentan völlig unklar was passiert, wenn die Online Casino Lizenzen aus Schleswig-Holstein wieder verlängert werden. In der Vergangenheit konnten Glücksspielfirmen bei ihrer Werbung sich auf diese berufen und waren deshalb so gut wie unantastbar. Unter Hochdruck arbeitet im Moment die Landesregierung im nördlichsten Bundesland an deren Verlängerung, um den alten Zustand wiederherzustellen. Ob dies jedoch dann Einfluss auf das Verfahren gegen Borussia Dortmund hat und ob womöglich dann engere Grenzen bei der Werbung für Anbieter wie bwin gezogen werden, ist weiterhin völlig unklar. Eines ist jedoch bereits jetzt klar, dass in den Vorstandsetagen in den Fußballvereinen auf diesen Präzedenzfall mit Argusaugen geschaut wird, da in dieser Sache wohl alle Clubs, trotz großer Rivalität, im selben Boot sitzen. Der Ausgang bleibt vorerst ungewiss.

In den kommenden Tagen und Wochen dürften wohl weitere Verfahren gegen andere Fußballvereine in Deutschland eröffnet werden. Sollte tatsächlich entschieden werden, dass Werbung für Buchmacher als generelle Werbung zu betrachten ist, bleibt denn Glücksspielanbietern theoretisch nur zwei Wege. Entweder sie stellen ihre Werbung bei den Vereinen komplett ein oder sie trennen sich in Deutschland komplett von ihren Angeboten an Echtgeld Spielautomaten und Live Casino Spielen. Allerdings wäre letzterer Weg wiederum kaum denkbar, da selbst die Buchmacher mittlerweile nur noch rund 60 Prozent ihrer Einnahmen im Beriech der Sportwetten generieren.