Flutter Entertainment

Sisal: Flutter Entertainment kauft sich Italiens führende Online-Glücksspielmarke für 1,9 Mrd. Euro von CVC Capital Partners! (Bildquelle: sisal.it & flutter.com)

Der deutsche Wirtschaftsmotor stottert, Europa hat die weltweite Konjunkturerholung nach zwei Jahren Pandemie nicht vollends mitgehen können und dennoch der Glücksspielmarkt boomt. Während große Investitionen aufgrund von Angebotsengpässen in Schlüsselbranchen ausbleiben, bringen die Gewinner der Corona-Krise Riesensummen auf, um an Markreichweite zu gewinnen. Aktuell hat Flutter Entertainment für rund 1,9 Milliarden Euro die Übernahme des italienischen Glücksspielanbieters Sisal abschließen können. Seit Ende 2021 ist der irische Eigentümer von Betfair und PokerStars dabei, den Deal über die Bühne zu bekommen. Im August 2022 ist die Übernahme bestätigt und der börsennotierte Glücksspielkonzern aus Dublin hat mit dem Kauf seinen Anteil am italienischen Online-Glücksspielmarkt auf rund 20 Prozent mehr als verdoppeln können.

Flutter Entertainment kauft Sisal für 1,9 Mrd. Euro von CVC Capital Partners

Flutter Entertainment hat die Übernahme des italienischen Glücksspielriesen Sisal im Wert von 1,91 Milliarden Euro vollständig abgeschlossen. Wie der Glücksspielkonzern offiziell mitteilt, wurde das Geschäft am Donnerstag, dem 4. August 2022 abgeschlossen, nachdem alle relevanten behördlichen Genehmigungen für die Transaktion erteilt wurden. Damit übernimmt Flutter bisher von CVC Capital Partners kontrollierte Unternehmen. Das Finanzunternehmen mit amerikanischen Wurzeln und Verbindung zur Citygroup, mit Sitz in Luxemburg hatte zuvor im Jahr 2016 im Rahmen einer Investmentkampagne in das expandierende Glücksspielgeschäft neben Sisal auch die Mehrheitsanteile von Tipico für rund 1,3 Milliarden Euro übernommen.

Zuvor gab es bereits Arrangements mit Sky Bet sowie William Hill. Nun trennt CVC von seiner italienischen Anlage, nachdem Flutter Entertainment erstmals im Dezember seine Pläne zur Übernahme von Sisal öffentlich mit einem entsprechenden Übernahmeangebot machte. Grund für diese nicht gerade unerhebliche Investition des Glücksspielkonzerns aus Irland ist das ambitionierte Ziel, einen großen Anteil am regulierten Glücksspielmarkt zu gewinnen. Aktuell bedienen Playtech mit Tochterfirma Snaitech sowie auch Novomatic mit der hauseigenen Digital Gaming and Entertainment Division – Greentube einen nicht unerheblichen Anteil – stationäre sowie auch mit Novoline Casinos online.

Italien ist nach Großbritannien der zweitgrößte regulierte Glücksspielmarkt in Europa. Die geschätzten Bruttospielerträge im Jahr 2019 beliefen sich auf 19 Milliarden Euro. Schätzungsweise ein Fünftel des gesamten italienischen Glücksspielmarktes entfallen auf Online-Angebote, damit hat sich deren Anteil gegenüber dem Vorkrisenniveau verdoppelt.

Die neue Flutter Tochter Sisal betreibt zahlreiche nationale Lotterien und ist außerdem ein wichtiger Sportwetten sowie auch Online Casino Anbieter in Italien. Darüber hinaus stammt nach Angaben der Pressnachricht der Großteil des EBITDA aus den Angeboten beim Online-Glücksspiel. Und genau an dieser Stelle will Flutter Entertainment seinen Marktanteil auf dem zweitgrößten regulierten Glücksspielmarkt Europas ausbauen. Mit Hinblick auf den sukzessive größer werdenden Online-Anteil an den Glücksspieleinnahmen seit Beginn der Pandemie scheint die Strategie darauf ausgerichtet zu sein, dass ein beträchtlicher Teil davon online bleibt.

Peter Jackson, Vorstandsvorsitzender von Flutter, äußerte sich wie folgt zum Abschluss des Deals: „Ich bin hocherfreut, Sisal, Italiens führende Glücksspielmarke, in die Gruppe aufzunehmen, da wir eine Spitzenposition auf dem italienischen Markt erreichen wollen. Schon seit einiger Zeit wollten wir diese Marktchance mit einer Omnichannel-Strategie verfolgen, und diese Akquisition wird uns in eine ideale Position bringen, dies zu tun. Sisal hat seine Online-Präsenz in den letzten Jahren erheblich ausgebaut, was durch seine eigene Plattform und sein Engagement für Innovation unterstützt wurde. Ich bin gespannt, wie Flutter diese Fähigkeiten durch unsere Größe, unsere differenzierten Produkte und unsere operativen Fähigkeiten ergänzen kann. Wir freuen uns darauf, Francesco und den Rest des Sisal-Teams im Jahr 2022 bei Flutter begrüßen zu dürfen.“

Erschließung neuer Marktsegmente in den regulierten Ländern

Die Nachricht von Flutters Plänen zur Übernahme von Sisal wurde erstmals im Dezember veröffentlicht. Damals erklärte Flutter, dass die Übernahme des Online-Glücksspiel- und Lotterieriesen das Konzept des Unternehmens, bedeutende Positionen in regulierten Märkten auf der ganzen Welt aufzubauen, stärken würde. Für die Finanzierung der Übernahme hat sich Flutter sogar in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit Fremdkapital eingedeckt, um den großen Glücksspielanbieter übernehmen zu können. Schließlich ist Sisal nicht nur als Wettanbieter und Online Casino Betreiber aktiv, sondern ist darüber hinaus in Besitz wertvoller Lizenzen für Staatslotterien in Italien, der Türkei und Marokko.

Der Betrieb in der Türkei erfolgt in Zusammenarbeit mit einem lokalen Unternehmen namens Demirören Holding. Unlängst war Sisal einer der wenigen Anbieter, die sich um die vierte Lizenz für die britische National Lottery beworben hatten, musste sich jedoch im Bewerbungsverfahren gegen Allwyn AG (ehem. Sazka Group) geschlagen geben. Der Gewinner des Ausschreibungsverfahrens ist gleichzeitig Mehrheitseigentümer an der Casino Austria AG und hat zuletzt im Zuge der Ibiza-Affäre die Anteile von Novomatic am teilstaatlichen Glücksspielkonzern in Österreich übernommen.

Wie schon weiter oben ausgeführt ist Sisal nicht nur ein Lottoanbieter, sondern ist auch in erheblichem Umfang im Bereich Online-Glücksspiel und Wetten in Italien tätig. In Zusammenarbeit mit Sportnco expandierte das Unternehmen kürzlich auch auf den spanischen Markt. Bereits seit der ursprünglichen Ankündigung des Fusionsvorhabens mit Flutter Entertainment konnte Sisal gute Geschäftszahlen vorweisen: In den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 stiegen die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 58 Prozent und erreichten rund 480 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) des Betreibers stieg um 51 Prozent auf etwa 145 Millionen Euro.