Casino-Razzia Auktion - Symbolbild

Nachdem eine Casino-Razzia in NRW im vergangenen September für Schlagzeilen sorgte, beginnt am kommenden Montag der Prozess gegen Mitglieder des Familienclans. (Bild von succo auf Pixabay)

Im September vergangenen Jahres fand in NRW wohl eine der bedeutensden Razzien statt, die mit der Organisierten Kriminalität im Bereich Glücksspiel zu tun hat. Sowohl Sondereinsatzkommando wie auch die Steuerfahndung durchsuchten mehrere kleine Casinos, Privathäuser und einen Firmensitz, die alle einem türkisch-kurdischen Familienclan gehörten. Die Bande soll über Jahre die eigenen Spielautomaten manipuliert und hierdurch Millionen Euro am Fiskus vorbeigeschleust haben. Das Geld wiederum investierten die Clan-Mitglieder zum Teil in edle Luxuskarossen, die jetzt durch den Zoll unter den Hammer kommen.

Fast 50 Millionen Euro Steuern sollen die Beschuldigten hinterzogen haben

Am kommenden Montag startet vor dem Landgericht Hagen ein mit Spannung erwarteter Prozess gegen drei beschuldigte Mitglieder eines vermeintlichen türkisch-kurdischen Familienclans. Ihnen wird vonseiten der Staatsanwaltschaft Steuer- und Abgabenhinterziehung vorgeworfen sowie die Manipulation von technischen Aufzeichnungen. Letzter Punkt betrifft die Manipulation von Spielautomaten, welche die Abrechnung für die zu zahlenden Steuern so frisierte, dass riesige Gelder am Finanzamt vorbeigeschleust werden konnten. Insgesamt geht die Staatsanwaltschaft von einer Höhe knapp unter 50 Millionen Euro aus. Bei den mutmaßlichen Betrügern soll es sich dabei um Familienmitglieder handeln, von denen zwei Brüder sind. Im Rahmen der groß angelegten Razzia im vergangenen September wurden nicht nur zahlreiche Beweismaterialien wie Computer und Laptops sichergestellt, sondern ebenso riesige Mengen an Bargeld. Mehrere Millionen Euro in Scheinen sowie insgesamt 5 Tonnen an Münzen wurden von den Beamten damals sichergestellt. Zusätzlich wurden ebenso diverse Luxuskarossen der Marken Mercedes, Ferrari sowie Lamborghini konfisziert, die nun in einer Aktion bis zum 11. Juni unter www.zoll-aktion.de unter den Hammer kommen. Schon jetzt stehen beispielsweise die Gebote für den Lamborghini Huracan bei mehr als 140.000 Euro sowie für den Lamborghini Aventador bei mehr als 175.000 Euro.

Die bei der Casino-Razzia im vergangenen September gefundenen Barmittel waren so gewaltig, dass die Beamten für den Abtransport extra einen gepanzerten Geldtransporter anfordern mussten. Dieser brachte dann die Millionen Euro direkt zur Bundesbank nach Frankfurt.

Der Verteidiger der Angeklagten will alle Register ziehen

Wer über so viel Geld verfügt, dass mehrere Millionen Euro und diverse Luxuskarossen zum Eigentum gehören, der kann sich sicherlich auch einen vernünftigen Anwalt leisten. Bei den Beschuldigten des Familienclans zumindest scheint dies tatsächlich der Fall zu sein, da dieser bereits vor Prozessbeginn am kommenden Montag versucht, alle Register zu ziehen. Gleich mehrere Vorwürfe erhob dieser nämlich nun gegen Richter, Staatsanwaltschaft sowie Beamte und das Hauptbeweismittel der Anklage, einen Laptop, auf dem die Manipulationssoftware für die Spielautomaten und deren Abrechnung gefunden wurde. Gerade auf diesen wichtigen Baustein innerhalb der Anklage hat es dabei der Verteidiger der Beschuldigten abgesehen. Dieser wurde nämlich eher zufällig bereits 2016 bei einer Autokontrolle entdeckt und brachte wahrscheinlich die Casino-Razzia im vergangenen Jahr ins Rollen. Der Verteidiger bemängelte den kurzen Zeitraum, den die Daten auf dem Laptop abdecken und die daraus hochgerechnete Schadensumme von fast 50 Millionen Euro. Zusätzlich bemängelte er diverse Zugriffe auf die Daten durch Beamte, was an sich logisch ist um Spuren zu verfolgen und war somit indirekt mögliche Manipulationen vor. Wären dies noch nicht genug Punkte im Versuch seine Mandanten mehr oder weniger reinzuwaschen, kündigte dieser zudem auch einen Befangenheitsantrag gegen den Richter an. Seiner Meinung nach war es ein Unding, dass dieser ein Vorabgespräch mit der Verteidigung ablehnte, allerdings dafür ausgiebig mit der Staatsanwaltschaft korrespondierte. Ob dies Strategie die drei Beschuldigten auf lange sicht vor langjährigen Haftstrafen retten kann, ist eher fraglich. Zu stark scheinen die bereits vorgelegten Beweise zu sein.

Die Anklage scheint relativ entspannt mit der Strategie des Verteidigers umzugehen und beharrt weiterhin auf der eigens erstellten 99-seitigen Anklage. Für die gesammelten Beweise spricht zudem, dass Richter im Oberlandesgericht in Hamm eher unüblich einer Verlängerung der Untersuchungshaft über ein halbes Jahr hinaus zustimmten. Dies geschieht nur bei erdrückender Beweislast. Ebenfalls spricht weiterhin für die Staatsanwaltschaft, dass die gesamte Anklage vollumfänglich zugelassen wurde. Wäre Zweifel an der Rechtmäßigkeit einiger Beweisstücke aufgekommen, wäre die Klage bereits zuvor abgewiesen.