BlackRockDer britische Glücksspielkonzern GVC musste im Dezember 2018 deutliche Kursverluste hinnehmen. Insgesamt verlor die Aktie mehr als 13 % an Wert. Ein triftiger Grund war der Rechtsstreit der Tochter Ladbrokers. Die Spezialistin für Sportwetten – besonders auf die in England beliebten Pferderennen – machte unrühmliche Schlagzeilen. Weitere konzerneigene Marken sind untern anderem bwin, Betboo, Partypoker, Cachcade und Foxy Casino.

Ladbrokes im Visier der Aufsicht

Erst im März übernahm GCV Ladbrokers für 4 Milliarden Pfund. Nur wenige Monate später ist die Aufsicht der Tochter auf den Fersen. Grund dafür ist ein Betrugsfall, der vor wenigen Tagen erst bekannt wurde. Ein Buchmacher veruntreute mehr als eine Millionen Pfund seiner Kunden, um seine eigene Spielsucht zu befriedigen. Ladbrokes versuchte, die Geschehnisse zu vertuschen: Unter anderem bot das Unternehmen den Geprellten insgesamt eine Million Pfund an. Diese sollte der Betrüger an seine Opfer zurückzahlen. Im Gegenzug bot ihm Ladbrokes diverse Geschenke an – darunter Karten zu Arsenal-Spielen und Flugreisen nach Dubai. Das Schweigegeld sollte verhindern, dass sich die Betrugsopfer an die Aufsicht wenden. Immerhin hatte Ladbrokes sich insofern strafbar gemacht, als dass es gestohlenes Geld als Wetteinsatz akzeptiert hatte.

Der Deal ist geplatzt und der Skandal in der Öffentlichkeit. Die britische Wettaufsicht hat bereits umfassende Ermittlungen angekündigt. Der Fall soll “in seiner gesamten Breite” untersucht werden. Insidern zufolge sind solche “Geschenke” an besonders aktive Spieler in der Branche gang und gäbe. Sie werden allein zu einer Überführung nicht ausreichen. Allerdings existiert umfangreiches Bild- und Textmaterial, dass die unlauteren Methoden von Ladbrokes beweist. Das Urteil dürfte also mit Spannung erwartet werden. Möglicherweise sind die laufenden Ermittlungen auch ein Grund dafür, dass das Vorstandsmitglied der GVC, Karl Diacono, kurz vor Weihnachten seinen Rücktritt erklärte. Seine Nachfolge ist bisher noch nicht geklärt.

Ladbrokes-Aktionäre gehen am 7. Januar leer aus

Weitere Hiobsbotschaften betreffen alle bisherigen Ladbrokes-Aktionäre. Im Zuge der Übernahme im März dieses Jahres bot ihnen die GVC Optionsscheine an. Sie sollten allen Anteilseignern am 7. Januar 2019 eine Gesamtausschüttung von 676 Millionen britischen Pfund bescheren. Das entspricht mehr als 750 Millionen Euro. Dabei stellte GVC eine Bedingung auf: Die geplante rechtliche Anpassung zu den Einsatzbeschränkungen an Spielautomaten in Großbritannien sollte nicht umgesetzt werden. Dem ist nun jedoch trotzdem so. Die Regierung hat den maximalen Einsatz an stationären Automaten auf maximal 2 Pfund je Spielrunde begrenzt. Den Konzernen hinter den Spielautomaten entgehen damit beträchtliche Gewinne. GVC agierte vorausschauend und kann nun die Einlösung der Optionen aussetzen. Die Papiere werden wertlos ausgebucht und ihre Besitzer gehen leer aus. Zwar ist das noch keine beschlossene Sache, dennoch deuten alle Zeichen auf eine solche Lösung hin. Da die bisherigen Aktionäre beim Kauf der Optionsscheine über die Risiken aufgeklärt wurden, dürfte eine Klagewelle ausbleiben. Damit bestätigt sich eine alte Börsenweisheit aufs Neue: “Die Bank gewinnt immer.” – in diesem Fall der Wettkonzern.

Die Partnerschaft mit EPIC soll das Image retten

Die gesamte Spielbranche ist wenig angesehen. Häufig wird ihr vorgeworfen, Spielsucht zu fördern und sich um die bereits erkrankten Kunden nicht zu kümmern. Viel mehr wird gerade diese gefährdete Gruppe ganz besonders hofiert und mit Geschenken für die Treue belohnt. Dabei handelt es sich, wie bei den “Schweigegeschenken” im kürzlichen Betrugsfall, meist um Reisen oder exklusive Eintrittskarten zu sportlichen Events.

Dem schlechten Ruf möchte GVC durch eine Partnerschaft mit EPIC entkommen. Die Beratungsgesellschaft unterstützt die Töchter Bwin und Ladbrokes bei ihrer Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen. Das erklärte Ziel ist eine verstärkte Aufklärung über Spielsucht – besonders in den dazu neigenden Bevölkerungsgruppen. Ein Schwerpunkt der Arbeit sollen Kinder und Jugendliche sein. GVC plant, Vorträge in Schulen sowie Jugendeinrichtungen zu halten. So sollen Kinder davon abgehalten werden, an Spielsucht zu erkranken. Ihnen werden Methoden an die Hand gegeben, mit denen sie ihre eigene Suchtneigung erkennen und problematisches Spielverhalten frühzeitig stoppen können.

Darüber hinaus startete GVC eine Kooperation mit einer britischen Universität. Diese erhielt den Auftrag, besonders suchtgefährdende Onlinespiele zu identifizieren und herauszufinden, welche Spielmerkmale überdurchschnittlich riskant sind. Die Daten möchte der Konzern nutzen, um die eigene Produktpalette zu überarbeiten und die einzelnen Spiele weniger suchtfördernd zu gestalten.

Vor dem Hintergrund des aktuellen Betrugsfalls und dessen versuchten Vertuschung, mutet die Aufklärungsarbeit allerdings eher als Rettungsversuch für das angekratzte Image an. Da die Spielaufsicht die GVC in ihren Fokus genommen hat, wird sie sich von der neuerlich angekündigten Kampgane kaum beeindrucken lassen.

BlackRock bewertet den Kurs günstig

Im Zuge des Betrugsskandals bei Ladbrokes rutschte die Aktie des Mutterkonzerns deutlich ins Minus. Doch auch das bisherige Jahr lief, aufgrund der stärkeren Regulierung durch die britischen Behörden, für die ganze Branche eher schwierig. Davon lassen sich namenhafte Investoren wie BlackRock allerdings nicht abschrecken. Der Hedgefonds weitete sein Investment aus und besitzt nun mehr als 5 % der GVC-Holding. Die Entscheidung ist insofern nachvollziehbar, als dass davon auszugehen ist, dass der Staub der Fusion sich bald legen wird. Des Weiteren werden voraussichtlich alle Wett- und Spielkonzerne sich zeitnah an die neuen rechtlichen Gegebenheiten anpassen. Trotzdem: Wir sprechen explizit keine Kaufempfehlung für den vorgestellten Wert aus. Wie wir an Ladbrokes gesehen haben, gehen auch Aktionäre mit Nerven wie Drahtseilen in der Spielbranche von Zeit zu Zeit ohne ihren Einsatz vom Platz.