Bettina Glatz-Kremsner verlässt Casinos

Paukenschlag bei der Casinos Austria AG, denn Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner verlässt spätestens nächstes Jahr den Konzern. (Bildquelle: casinos.at)

Seit rund 30 Jahren arbeitet Österreichs wohl bekannteste Managerin nun schon bei der Casinos Austria AG. In dieser Zeit gelang ihr der Aufstieg bis an die Spitze des milliardenschweren Glücksspielkonzerns, nur um nun nach nur gerade einmal rund 2 Jahren bereits ihren Abschied zu verkünden. Die Skandale rund um Novomatic, CASAG, FPÖ und ÖVP sowie die Ermittlungen und Klagen scheinen wohl zu viel gewesen zu sein und so verlässt Bettina Glatz-Kremsner auf einen Wunsch im nächsten Jahr die Casinos Austria AG.

Bettina Glatz-Kremsner verlässt die Casinos Austria AG auf eigenen Wunsch

Die Geschichte der Casinos Austria AG in den letzten 30 Jahren ist untrennbar mit dem Aufstieg von Bettina Glatz-Kremsner an die Spitze des Glücksspielkonzerns verbunden. Inden 90ern begann Sie ihre Karriere beim Monopolisten als Geschäftsführerin von Lotto Union, einer Tochtergesellschaft der Österreichischen Lotterien. Später folgte schon bald die Berufung in den Vorstand, in dem Sie bis heute rund 16 Jahr saß und sich hauptsächlich für die Finanzen verantwortlich zeigte. 2019 schließlich erklomm sie als neue Generaldirektorin die Spitze und löste nach gut 10 Jahren Karl Stoss als Geschäftsführer ab. Eigentlich eine Traumkarriere mit krönendem Abschluss, wenn es nicht den Ibiza-Skandal gegeben hätte, der noch heute ganz Österreich in Atem hält. Dieser dürfte auch der Hauptgrund sein, warum Bettina Glatz Kremsner im nächsten Jahr die Casinos Austria AG verlässt. Wir der Glücksspielkonzern mitteilte, will sie sich einer Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung stellen und ihren Vertrag im April 2022 auslaufen lassen. Dieser lange Übergangszeitraum soll es dem Unternehmen ermöglichen, unaufgeregt einen passenden Nachfolger für die ausscheidende Generaldirektorin zu finden. Als Grund für diesen überraschenden Schritt erklärte die CASAG, dass es sich um rein persönliche Gründe handeln würde. Allerdings dürfte der weiterhin schwelende Skandal sicherlich einen nicht unerheblichen Anteil an dieser Entscheidung dargestellt haben.

Gleichzeitig mit der Meldung, dass Bettina Glatz-Kremsner die Casinos Austria AG im nächsten Jahr verlässt, gab der Glücksspielkonzern ein kleines Update zum abgelaufenen Geschäftsjahr bekannt. Durch monatelange Schließungen bei den Casinos sowie Spielhallen im In- und Ausland sackte der Umsatz von zuvor 1,359 Milliarden Euro um ganze 17 Prozent auf nur noch 1,134 Milliarden Euro ab. Zugleich schrammte die CASAG nur knapp an einem Verlust vorbei. Das Konzernergebnis fiel von ehemals 112 Millionen Euro auf jetzt nur noch gerade einmal 0,95 Millionen Euro.

Gegen die CASAG-Chefin wird weiter ermittelt

Oftmals werden bei Rücktritten oder wie im neusten Fall um Bettina Glatz-Kremsners Auslaufen des Vertrages persönliche Gründe für diese Entscheidungen genannt. Zum einen ist dies natürlich wahr, zum anderen jedoch kann dies so ziemlich alles heißen. Zweifellos dürfte der Skandal rund um Novomatic und der österreichischen Politik nicht spurlos an der CASAG-Chefin vorbei gegangen sein. Chatverläufe, die die WKStA sicherstellte, lassen vermuten, dass sie stärker in der Personalie Peter Sidlo involviert war, als sie es zuvor gegenüber dem Untersuchungsausschuss und der Öffentlichkeit darstellte. FPÖ-Politiker Sidlo wurde vonseiten Novomatics in den Vorstand der CASAG gehievt, obwohl es erhebliche Zweifel an seiner Kompetenz gab. Noch heute vermutet die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, dass diese Personalie Teil eines schmutzigen Deals zwischen dem Spielautomatenhersteller und der FPÖ war. Diese Ungereimtheiten zwischen der Darstellung gegenüber dem Ausschuss und dem Inhalt in den Chatverläufen führten dazu, dass die Partei NEOS Klage gegen die CASAG-Chefin einbrachte. Dies ist jedoch nicht das einzige Problem von Betrina Glatz-Kremsner, weshalb sie wohl lieber die Casinos Austria auf eigenen Wunsch verlässt. Ebenfalls anhand von Chatverläufen fanden die Ermittler der WKStA heraus, dass die noch amtierende Generaldirektorin den ÖBAG-Chef Thomas Schmid deutlich länger und intensiver kannten als zuvor behauptet. Bis heute ermittelt deshalb die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen die Generaldirektorin wegen möglicher Falschaussage. Dass Bettina Glatz-Kremsner die Casinos Austria AG verlässt, um möglichen Schaden vom Konzern fernzuhalten, klingt deshalb durchaus plausibel. Allerdings erlaubt ihr ein Auslaufen des Vertrages ohne Gesichtsverlust aus der ganzen Geschichte auszusteigen.

Bislang sind bereits einige Politiker und Manager über den Ibiza-Skandal und all seine Facetten gestolpert und traten zurück. Darunter beispielsweise Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus von der FPÖ sowie CEO Harald Neumann und Pressesprecher Bernhard Krumpel von Novomatic. Bei der CASAG wiederum traf es den langjährigen Aufsichtsratspräsidenten Walter Rothensteiner, Finanzvorstand Peter Sidlo von der FPÖ und nun auch noch die Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner selbst.