Zweiklassengesellschaft bei CASAG-Pensionen

Bei den CASAG-Pensionen tritt innerhalb der Krise eine zunehmende Zweiklassengesellschaft innerhalb der großen Belegschaft der Casinos Austria zutage. (Bildquelle: pixabay by Bru-nO)

Nicht selten sprechen Unternehmen in diesen denkwürdigen Zeiten von Teamgeist oder Einheit, wenn es darum geht, der Außenwelt zu signalisieren, dass hier alle an einem Strang ziehen. Manche gehen sogar soweit, von einer Familie zu sprechen und polieren gleichzeitig ihr Image bei der Bekanntgabe all der Vorteile auf, die der einfache Mitarbeiter auch in der Krise genießen darf. Bei der Casinos Austria AG scheint es allerdings in der Familie gewisse Mitarbeiter zu geben, bei denen das Motto „den Gürtel enger schnallen“ nicht im gleichen Maße zum Einsatz kommt. Aus diesem Grund stellt sich deshalb die Frage, ob es eine Zweiklassengesellschaft bei den CASAG-Pensionen gibt, wenn ausgerechnet die Alterszahlungen der ehemaligen Vorstände als einzige nicht gekürzt werden?

Die Zweiklassengesellschaft bei den CASAG-Pensionen ist nur ein Symptom

Seit einigen Tagen soll es gehörigen Unmut unter der Belegschaft der Casinos Austria geben, so berichten es verschiedene österreichische Medien. Grund ist ein dem „Kurier“ zugespielter Brief, den die neue Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner an die Tausenden Mitarbeiter des Glücksspielkonzerns versenden ließ. Darin wurde ihnen mitgeteilt, dass aufgrund von Sparmaßnahmen 30 Prozent ihrer betrieblichen Pension gestrichen werden, und zwar bereits ab Juli. Zwar sind von der Reduzierung die Bezüge aus der gesetzlichen Rentenversorgung nicht betroffen, doch dürfte sicherlich die recht hohe Kürzung bei der privaten Zusatzleistung bei einigen ehemaligen Mitarbeitern das monatliche Einkommen drastisch reduzieren. Vor dem Hintergrund der momentanen Krise, den monatelangen Schließungen bei den Casinos und den Tausenden Mitarbeitern in Kurzarbeit, hätten sicherlich viele sich im Ruhestand befindliche Mitarbeiter zähneknirschend diesen Deal zum Wohle des Unternehmens angenommen.

Wenn jedoch als einzige Gruppe ausgerechnet die der ehemaligen Vorstandsmanager um Karl Stoss von einer solch harten Kürzung bei den CASAG-Pensionen ausgenommen ist, wird schnell der Ruf nach einer Zweiklassengesellschaft laut. Die einen sollen Verzicht üben, weil die Wertmaximierung der Pensionskasse an der Börse nicht mehr rundläuft und schon immer ein Teil des Trinkgeldes in den Casinos zur Finanzierung der freiwilligen Altersbezüge verwendet wurde. Die anderen hingegen leben genauso weiter wie zuvor und kassieren oftmals hohe sechsstellige Summen im Jahr. Natürlich haben es ranghohe Manager einfacher, sich mit bestimmten Klauseln in den Verträgen gegen jede Eventualität abzusichern, doch der einfache Mitarbeiter am Roulettetisch oder im Service hat dies nicht. Es dürfte weniger der Fakt sein, dass gespart werden soll bei den CASAG-Pensionen, der hier sauer aufstößt, sondern die nun tatsächlich offen zutage tretende Zweiklassengesellschaft innerhalb der Casinos Austria.

Für die notwendigen Kürzungen bei den CASAG-Pensionen machte der Konzern die schlecht laufenden Börsen verantwortlich, da die Pensionskasse hier Rendite erzielen muss. Zugleich fehlt ein großer Teil der freiwilligen Altersbezüge durch den Wegfall der einbehaltenen Trinkgelder. Die eigentlich vom Personal selbst erwirtschaftenden Trinkgelder werden hier als Erklärung für die Kürzung der CASAG-Pensionen und Etablierung einer Zweiklassengesellschaft verwendet. Dies dürfte sicherlich nicht jedem ehemaligen Mitarbeiter schmecken.

Warum nicht einmal die Vorstandsgehälter kürzen

Mit etwas mehr als 33 Prozent ist der Staat Österreich selbst innerhalb der CASAG engagiert und agiert zugleich als einer der Besitzer wie ein rein privatwirtschaftlicher Vertreter. Zum einen hatte die ÖBAG kein Problem, Tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Zum anderen ebenfalls keine Gewissensbisse, die Zweiklassengesellschaft bei den CASAG-Pensionen für die meisten Mitarbeiter einzuführen. Während die Arbeit der Vorstände normal fortgesetzt werden konnte und deren Gehälter weiter flossen, so fließen nun auch die Altersbezüge in vollem Umfang für die ohnehin schon gutbetuchten Ex-Führungskräfte. Vielleicht wäre es einfacher gewesen den Unmut der ehemaligen und jetzigen Angestellten im Zaum zu halten, wenn die Führungsspitze einmal vorangegangen wäre. So ein freiwilliges Streichen der eigenen Boni während der Krise oder ein teilweiser Gehaltsverzicht hätten sicherlich eher ein Gefühl der Gemeinschaft beschworen.

Interessanterweise wird dieser Ansatz einer Zweiklassengesellschaft bei den CASAG-Pensionen nicht nur allein vom Vorstand aus Bettina Glatz-Kremsner und Martin Skopek als sinnvoll betrachtet. Der Betriebsrat in Form des obersten Vertreters vor Ort, der Zentralbetriebsratsobmann Manfred Schönbauer, setze ebenfalls seinen Segen unter das Schreiben. Kein Widerwort der Arbeitnehmervertretung zur Ungleichbehandlung. Diese kam auch nicht vom Staat in Form der ÖBAG, der all dies egal zu sein scheint, seitdem der „Ehevertrag“ mit der Sazka Group abgeschlossen wurde. In solch einer extremen Krise, die jede Faser der Wirtschaft erreicht sollte jedoch gerade der Staat als Arbeitgeber als positives Beispiel vorangehen. Die Aufteilung der Lasten sollte doch beim einem staatsnahen Glücksspielunternehmen nicht ganz so offensichtlich aus dem Lot geraten erscheinen, wie dies hier allzu offen zutage tritt.

Bis 2022 will sich womöglich der Vorstand theoretisch Zeit lassen, um herausfinden zu wollen, ob die nun getroffene Maßnahme mit der Kürzung der CASAG-Pensionen eine Zweiklassengesellschaft befördert oder finanziell unvermeidlich war. Bettina Glatz-Kremsner verwies in dem Schreiben nebenbei darauf, dass der Konzern allein im letzten Jahr 12 Millionen Euro für die Altersbezüge ehemaliger Mitarbeiter aufbrachte.