Bettina Glatz-Kremsner

Der Vorstand der CASAG Alexander Labak, Bettina Glatz-Kremsner und Dietmar Hoscher. Foto: Casinos Austria

Im Finanzministerium in Österreich herrscht momentan geschäftiges Treiben. Nach den Plänen der Regierung soll die ÖBIB, die Österreichisches Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft komplett umgebaut und somit auch umbenannt werden. In Zukunft wird diese zur ÖBAG, zur Österreichischen Beteiligungs AG und soll ab nächstem Jahr deutlich stärkeren Einfluss auf alle Unternehmen des Landes ausüben, an denen der Staat Anteile hält. Dies betrifft vor allem die CASAG, bei der nun Bettina Glatz-Kremsner im Gespräch als neue Chefin des österreichischen Glücksspielmonopolisten bei den Casinos ist.

Beerbt Bettina Glatz-Kremsner den scheidenden Alexander Labak als Generaldirektor?

Verläuft alles nach Plan und innerhalb der CASAG eskaliert der Konflikt zwischen dem noch amtierenden Generaldirektor Alexander Laback und dem Betriebsrat nicht weiter, wird der Chef Ende nächsten Jahres seinen Posten verlassen. So langsam kristallisierte sich dabei heraus, wer den ständig in der Kritik stehenden Geschäftsführer innerhalb der Casinos Austria AG beerben könnte. Absoluter Wunschkandidat scheint hier klar Bettina Glatz-Kremsner zu sein, zumindest wenn es nach dem Staat Österreich und seiner neuen ÖBAG geht. Wie das Nachrichtenmagazin Trend berichtet, war die Top-Managerin zuvor für den möglichen Posten als Präsidentin des zukünftigen Aufsichtsrats der neu zu schaffenden Österreichischen Beteiligungs AG im Gespräch. Diesen soll jedoch nun Thomas Schmid, der amtierende Generalsekretär des Finanzministeriums übernehmen.

In den Augen der neuen ÖBAG wäre Bettina Glatz-Kremsner als neue Generaldirektorin sicherlich die momentan beste Option für den Posten, immerhin ist die Top-Managerin seit mehr als zwei Jahrzehnten bereits bei der CASAG. In diversen Führungspositionen sowie als Vorstandsdirektorin der Österreichischen Lotterien und der Casinos Austria AG, konnte sie bereits überzeugen. Zudem wäre die Wahl einer Frau ihres Formats zur neuen Generaldirektorin und zur obersten Geschäftsführerin ein wichtiges Signal gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen würde erstmals eine Frau einen Glücksspielkonzern führen, an dem der Staat beteiligt ist und die sonst eher von Männern dominierte Branche ein wenig aufbrechen. Zum anderen jedoch, dies dürfte noch viel wichtiger sein, würde Glatz-Kremsner vor allem die Interessen der neuen ÖBAG innerhalb der CASAG deutlich stärker vertreten. Allerdings wird sich zeigen müssen, wie sich die tschechische Sazka Gruppe, die erst vor Monaten auf vollen Konfrontationskurs mit dem Staat Österreich gegangen ist, als Mehrheitseigentümer reagieren wird. Ebenfalls ist noch unklar, ob Novomatic als dritter großer Spieler innerhalb der Casinos Austria AG, bei diesen Plänen sich wieder auf die Seite des Staates und somit auch gegen die Interessen der Tschechien stellen wird.

Bettina Glatz-Kremsner gilt in Österreich als die mächtigste Managerin, die sowohl zur Wirtschaft, als auch zur Politik beste Kontakte besitzt. Erst vor wenigen Tagen wurde sie vom Industriemagazin auf Platz 7 der einflussreichsten Manager des Landes eingeordnet. Als einzige Frau in den TOP10 kommt sie vor allem in den Bewertungsgrundlagen Vernetzung und Variabilität auf sehr beeindruckenden Werte.

ÖBAG: Schluss mit Verwalten, ab jetzt soll geführt werden

Die geplanten Änderungen innerhalb der ÖBIB und zukünftig ÖBAG genannten Beteiligungsgesellschaft werden vor allem für die österreichischen Konzerne, an den der Staat Anteile hält, einige gravierende Neuerungen schaffen. Denn das neue Staatsunternehmen wird sich von seiner über lange Zeit bewährten Strategie verabschieden, möglichst nicht in die Geschäftsführung hineinzureden und nur zu verwalten. Vielmehr soll es in Zukunft die oberste Aufgabe der ÖBAG sein zu führen und wenn immer möglich, dies auch von der Spitze innerhalb des betreffenden Konzerns aus. Bei Konzernen wie der Post oder der Telekom Austria, an denen Österreich beispielsweise 52,85 Prozent, beziehungsweise 28,42 Prozent der Anteile hält, ist dies bereits der Fall. Hier hält Edith Hlawati, als Vertraute von Kanzler Kurz, bereits in beiden Unternehmen die Fäden fest in der Hand. Mit Glatz-Kremsner käme, sofern es tatsächlich gelingt die Top-Managerin gegen die Interessen der Sazka Gruppe durchzusetzen, eine weitere Vertreterin der neuen Österreich-Connection ans Ruder.

Neben den Fragen um das richtige Personal in den Konzernen mit Staatsbeteiligung und dem Willen zu führen, sehen die Pläne des Finanzministeriums zur ÖBAG noch weitere Änderungen vor. Die umgebaute Beteiligungsgesellschaft wird zu einer Aktiengesellschaft, der es in Zukunft möglich sein soll, weitere Anteile an Konzernen zu erwerben, die von vitalem Interesse für den Staat Österreich sind. Hierbei kann die ÖBAG relativ frei entscheiden, muss jedoch beim Erreichen von bestimmten, vorgegeben Schwellen bei den Beteiligungen die Regierung konsultieren und deren Einverständnis einholen. Bei der Auswahl, bei welcher Firma sich der Staat in Zukunft engagieren will, soll der Fokus klar auf Konzernen liegen, die standortrelevant sind und aus strategischen Gründen nicht in ausländische Hände fallen sollen. Ebenfalls wird der Fokus weniger auf die Einnahmen durch Dividenden wie bislang üblich gesetzt werden, sondern mehr auf die strategische Entwicklung und den Ausbau der Geschäftstätigkeit. Die neue ÖBAG mit Gründung zum 1. Januar 2019 wird dann ein geschätztes Vermögen an Beteiligungen in Höhe von rund 23,6 Milliarden Euro verwalten und managen.

Die Pläne zur neuen ÖBAG sollen am 21. November dem Nationalrat vorgelegt werden und am 29. November Grundlage für die Tagung des Finanzausschuss sein. Sind keine groben Änderungen notwendig, könnte das neue Gesetz bereits Mitte Dezember durch den Nationalrat und Ende Dezember durch den Bundesrat angenommen werden. Bevor jedoch die neue ÖBAG richtig ihre Arbeit aufnehmen kann, wird es wohl noch bis Anfang März dauern, wenn der Vorstand, der Aufsichtsrat und das neue Beteiligungskomitee feststehen.