Virtuelle Automatensteuer

Die hoch umstrittene virtuelle Automatensteuer in der Bundesrepublik entwickelt sich immer mehr zur großen Cashcow für den deutschen Staat. (Bildquelle: pixabay by stevepb / Mediamodifier)

Trotz einer weiterhin anhängigen Beschwerde bei der Europäischen Kommission durch den Deutschen Sportwettenverband zieht das deutsche Finanzamt immer noch fleißig die hoch umstrittene virtuelle Automatensteuer ein. Diese zahlen Online Casino Betreiber, die sich den neuen Regeln des Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrags unterworfen haben und wird sowohl auf Slots wie auch auf Poker im Internet fällig. Anders als fast bei allen anderen Glücksspielen in der Bundesrepublik werden hier jedoch nicht Bruttospielerträge besteuert, die sich aus dem Verhältnis zwischen den Verlusten und Gewinnen der Kunden ergäben. Vielmehr werden bereits 5,3 Prozent des Einsatzes eines jeden Spins an einem Automatenspiel im Internet eingezogen, was bekanntlich zu einer deutlichen Verschlechterung bei den Auszahlungsquoten führt. Einzig und allein der Staat selbst profitiert von solch einem absurden Konstrukt, nimmt er doch deutlich mehr Steuern ein, was immer ein wichtiger Anreiz der Politik ist, um den ewig klammen Staatshaushalt ein wenig aufzubessern. Wie eine Analyse der Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel zeigt, liegt schon jetzt in 2022 nach nur vier Monaten die Höhe der virtuellen Automatensteuer auf dem Niveau des gesamten Vorjahrs.

Virtuelle Automatensteuer schon jetzt bei rund 184 Millionen Euro

Im Erfinden immer neuer Steuern und Abgaben ist die Politik gerade in Deutschland äußerst kreativ und fasst immer wird als Begründung die sogenannte Lenkungswirkung angebracht. Anders ausgedrückt soll die Bevölkerung erzogen werden, möglichst gewisse Dinge weniger oder gar mehr zu konsumieren. In Sachen Glücksspiel ist immer von Spielerschutz die Rede, auch wenn wohl tatsächlich eher rein fiskalische Gründe die Hauptrolle spielen. Die neue virtuelle Automatensteuer, die mit Inkrafttreten des Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrags parallel im geänderten Rennwett- und Lotteriegesetz festgezurrt wurde, ist eine solche Ausgeburt der zuvor geschilderten Problematik. Sie bringt weder den Online Casino Betreibern noch den Kunden wirkliche Vorteile, sondern befeuert vor allem wegen den deutlich reduzierten Auszahlungsquoten den Schwarzmarkt, der keinerlei Regeln einhält. Einziger Profiteur dieser Einsatzsteuer auf jeden Spin im Internet ist der Staat und der darf sich schon jetzt auf satte Mehreinnahmen freuen.

Allein im April dieses Jahres überwiesen die virtuellen Spielhallen, die sich an die neuen Regeln halten, rund 41,4 Millionen Euro virtuelle Automatensteuer und rund 2,9 Millionen Euro aus dem Online-Poker. Da diese neuen Glücksspielsteuern erst seit dem 1. Juli 2021 erhoben werden, funktioniert hier ein Jahresvergleich nicht wirklich. Allerdings gibt es ausreichend Daten für das letzte halbe Jahr in 2021 und hier konnte der Fiskus insgesamt 189,6 Millionen Euro aus den Spielautomaten im Internet einziehen. Interessant hieran ist, dass bereits jetzt nach nur vier Monaten der Wert aus 2021 fast genauso hoch ausfällt. So zahlten bislang alle regulierten Glücksspielbetreiber für ihr virtuelles Automatenspiel bis Ende April stolze 182,1 Millionen Euro an das Finanzamt. Für Online-Poker wiederum wurden in Deutschland bislang 10,7 Millionen Euro eingezogen. Im Vergleich lag der Wert für dieses Glücksspielgenre im zweiten Halbjahr 2021 bei insgesamt 13,7 Millionen Euro.

Die Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel zwischen Januar und April 2022:

  • Rennwett- und Lotteriesteuer (Gesamt): 931,8 Millionen Euro
  • Lotteriesteuer: 587,3 Millionen Euro
  • virtuelle Automatensteuer: 182,1 Millionen Euro
  • Sportwettensteuer: 149,9 Millionen Euro
  • Online-Pokersteuer: 10,7 Millionen Euro
  • Totalisatorsteuer: 1,4 Millionen Euro
  • Andere Rennwettsteuer: 0,2 Millionen Euro

Prall gefüllt ins neue Jahr

Dass der Staat von den neu geschaffenen Steuern massiv profitiert, zeigt sich nicht nur allein an den Zahlen zur virtuellen Automatensteuer oder zum Poker im Internet, sondern ebenso bei den Gesamteinnahmen. Alle Glücksspielsteuern des Bundes zusammen, ausgenommen die Vergnügungsteuer der Gemeinden sowie die Umsatzsteuer auf das stationäre Automatenspiel, fallen unter die sogenannte Rennwett- und Lotteriesteuer. Diese lag im Jahresvergleich im April um gut 26,5 Prozent höher und beläuft sich nun auf 230,4 Millionen Euro. Die Hauptverantwortlichen für diesen Zuwachs waren die virtuelle Automatensteuer sowie die Steuer auf Online-Poker, die zusammen rund 44,3 Millionen Euro ausmachen. Dies entspricht nahezu dem kompletten Zuwachs in Höhe von 48,3 Millionen Euro innerhalb eines Jahres.

Beim Vergleich der Zahlen zwischen Januar und April 2021 und 2022 fällt zudem auf, dass es wohl ohne die beiden neuen Steuern zu einem Rückgang der Einnahmen für den Staat gekommen wäre. Virtuelle Automatensteuer und Online-Pokersteuer beliefen sich in den ersten vier Monaten dieses Jahres auf zusammen 192,8 Millionen Euro und damit deutlich höher als der komplette Zuwachs innerhalb eines Jahres der gesamten Rennwett- und Lotteriesteuer. Diese kletterte nämlich innerhalb eines Jahrs nur um rund 171,7 Millionen Euro. Gegenüber noch 2021 war dies ein Anstieg in Höhe von 22,6 Prozent von zuvor noch 760,1 Millionen Euro auf nun 931,8 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund wird ersichtlich, dass die beiden neuen Steuern wohl vor allem in erster Linie der Erhöhung der Steuereinnahmen dienen.

Hier finden Sie sämtliche Steuereinnahmen und Schätzungen aller Monate bis zurück ins Jahr 2013 im Downloadcenter des Bundesfinanzministeriums!

Der prozentuale Anstieg der Rennwett- und Lotteriesteuer im Jahresvergleich:

  • Januar 2022: +28,8 Prozent
  • Februar 2022: +30,1 Prozent
  • März 2022: +6,2 Prozent
  • April 2022: +26,5 Prozent