Novomatic Stasi-Agentin Sazka

Im Jahr 2015 setze Novomatic eine ehemalige Stasi-Agentin zur Informationsbeschaffung gegen die konkurrierende tschechische Sazka Gruppe ein. (Bildquelle: Pixabay by Sammy-Williams)

In Österreich jagt ein Skandal den nächsten und das Land gleicht immer mehr einer echten Bananenrepublik. Wäre die Causa rund um Novomatic, CASAG, FPÖ und ÖVP mit Untersuchungsausschuss und immer wieder neuen Enthüllungen nicht schon genug, folgt nun der nächste Paukenschlag. Im Zuge der Ermittlungen gegen frühere Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung in Zusammenhang mit Wirecard rückt nun erneut das Gebaren des österreichischen Herstellers der bekannten Novoline Spielautomaten in den Fokus. Hierbei geht es um ein mysteriöse „Projekt Omega“, bei dem eine ehemalige Stasi-Agentin für Novomatic arbeitete, um womöglich den Einsteig der tschechischen Sazka Gruppe in die Casinos Austria AG zu torpedieren.

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Über dem österreichischen Spielautomatenhersteller ziehen sich wieder einmal dunkle Wolken zusammen, die sich durchaus im Laufe der Zeit womöglich noch zu einem richtigen Gewitter entwickeln könnten. Seit 2017 steht das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung schwer unter Beschuss. Die Razzien in der Behörde in 2018 waren bislang der traurige Höhepunkt, die nach einem eingeleiteten Ermittlungsverfahren der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft durchgeführt wurden. Damals ging es um dubiose Vorgänge in der Behörde sowie die Weiterleitung von nordkoreanischen Blanko-Reisepässen an den südkoreanischen Geheimdienst. Seit diesen Tagen scheint sich im BVT nicht wirklich viel zum Guten geändert zu haben, denn erneut stehen ehemalige Mitarbeiter im Rampenlicht. So sollen ein Abteilungsleiter, ein Mitarbeiter sowie ein ehemaliger FPÖ-Nationalratsabgeordneter dem Ex-Manager Jan Marsalek bei der Flucht nach Weißrussland geholfen haben. Alle drei wurden mittlerweile verhaftet.

Im Zuge dieser Vorgänge beim BVT lenkt nun der „Standard“ den Fokus wieder auf Novomatic, Sazka sowie eine ehemalige Stasi-Agentin mit ausgezeichneten Kontakten zu Politikern, Wirtschaft und Behörden wie das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Nach der Wiedervereinigung soll die ehemalige Spionin in Europa ein regelrechtes Netzwerk zur Informationsbeschaffung aufgebaut haben. Bekannt ist sie in den Medien nur unter dem Pseudonym Nina W. Zu ihren Kontakten gehörte beispielsweise auch ein Mitarbeiter des BVT, der für sie Informationen einholte und gegen den Ermittlungen laufen. Genau zu dieser ehemaligen Stasi-Agentin hatte Novomatic im Jahr 2015 nachweislich Kontakt und dies auf höchster Ebene. Dies geht aus einem BAK-Abschlussbericht hervor, der dem Standard vorliegt und jede Menge brisante Details beinhaltet.

Noch immer läuft der Ibiza-Untersuchungsausschuss in Österreich, bei dem Novomatic eine gewisse Hauptrolle spielt. Bis heute sind die Ermittlungen gegen den Glücksspielkonzern nicht beendet. Weiterhin glaubt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, dass es einen schmutzigen Deal zwischen Novomatic und der FPÖ gab und die Bestellung von Peter Sidlo in den Vorstand der CASAG ein Teil davon war. Der angebliche Deal soll Hilfe vonseiten der FPÖ bei der Erlangung einer Online Casino Lizenz für Novomatic im Gegenzug für einige Gefälligkeiten gewesen sein.

Novomatic wollte wohl mit Stasi-Agentin Einsteig von Sazka verhindern

Laut dem Standard und dem BAK-Abschlussbericht soll es im Jahr 2015 eine enge Verbindung zwischen der Stasi-Agentin und der obersten Ebene von Novomatic wegen der tschechischen Sazka Gruppe gegeben haben. Unter der Bezeichnung „Projekt Omega“ soll Nina W. gegen Sazka spioniert haben. Ziel war es, den Einsteig der Tschechen in die CASAG zu verhindern. Um dies zu erreichen suchte die ehemalige Stasi-Agentin nach dunklen Flecken auf der West von Sazka und diese dann aufbereitet ins Finanzministerium unter dem damaligen Minister Hansjörg Schelling einschleusen. Laut dem Standard soll ein solches Dossier tatsächlich über einen nicht näher benannten ÖVP-Politker aus Kärnten, der zugleich im BVT arbeitete, beim Finanzminister auf dem Schreibtisch gelandet sein. Nur wenig später zelebrierten die damalige staatliche Beteiligungsgesellschaft Öbib, heute OBAG und Novomatic eine Art Schulterschluss. Allerdings macht später wiederum das Oberste Kartellgericht der Übernahme der CASAG durch Novomatic einen Strich durch die Rechnung und die Sazka bekam trotz aller Widerstände den Fuß in die Tür.

All diese Informationen entstammen dem BKA-Bericht und beziehen sich hauptsächlich auf Chatverläufe und E-Mails von Nina W., anhand derer sich ein gewisser zeitlicher Ablauf der Geschehnisse nachvollziehen lässt. Einige dieser Nachrichten hatten als Empfänger niemanden Geringeres als Ziel als Harald Neumann, den damaligen CEO des Novoline Spielautomatenherstellers. In einer SMS an den Chef von Novomatic schreibt die Stasi-Agentin beispielsweise von einem Treffen und erklärt, den Namen eines Vertrauten beim BVT nicht preisgeben zu können, ohne hierbei jedoch auf Sazka einzugehen. Ein einer E-Mail wiederum informiert sie darüber, dass das ominöse Dossier im Finanzministerium angekommen sei. All dies geschah in einer Zeit, als sich Novomatic und Sazka öffentlich erbittert um Anteile an der CASAG stritten. Später stiegen beide Glücksspielkonzern groß ein, bis der Skandal um die Bestellung von Peter Sidlo in den Vorstand und das Ibiza-Video hochkochten. Danach zog sich der Novoline Spielautomatenhersteller komplett aus der Casinos Austria AG zurück und machte so die Tschechen zum Mehrheitseigentümer. Rückblickend zeigt sich, dass die Zusammenarbeit mit einer Stasi-Agentin und die Personalie Peter Sidlo Novomatic enorm geschadet haben und hierdurch am Ende Sazka die Beute auf dem Silbertablett serviert bekam.

Wie bereits bei vielen Skandalen zuvor greift auch dieses Mal Novomatic in Bezug auf die Stasi-Agentin und Sazka zur bewährten Salamitaktik. Zugegeben wird nur, was sich ohnehin nicht leugnen lässt. So erklärte ein Anwalt des Spielautomatenherstellers gegenüber dem Standard, dass nur eine Zusammenarbeit mit Nina W. gegeben habe. Diese hätte jedoch keine tiefer gehenden Informationen geliefert. Zugleich bezeichnete er den Auftrag an die ehemalige Stasi-Agentin als einfach Informationsbeschaffung über einen möglichen Miteigentümer zum Zwecke der Risikoprüfung.