SpielsuchtTrotz dessen in Deutschland die Zahl der Zocker unter uns, die leider der Spielsucht anheimfallen, stetig zurückgeht, kann der Kontrollverlust doch zu einer enorm belastenden Lebenserfahrung werden. In Belgien hat dieser Umstand erst jetzt zur Aufdeckung eines schwerwiegenden Problems bei einigen Polizeibeamten geführt. Denn diese haben, um an den Spielautomaten ihre Glücksspielsucht zu befriedigen, einfach einmal die Identitäten andere Personen gestohlen und angenommen. Nicht selten ist der Drang zum Glücksspiel so stark, dass trotz horrender Verluste und Schulden diesem nicht entkommen werden kann. Obwohl nur wenige unter uns Spielern an dieser Form der Sucht erkranken, hat dies zumeist für den betreffenden Zocker und dessen Umfeld massive Konsequenzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Spielsüchtige sich ihren Kick im Online Casino oder dem nächsten Glücksspieltempel um die Ecke holen. Wie weit dabei das Ganze Problem gehen kann, zeigt der Fall der Polizisten in Antwerpen.

Belgischen Polizisten ist das Zocken in Online Casinos verboten

Glücksspielsucht kann manchmal wirklich verrückte Blüten hervorbringen, wie der nun sich anbahnende Skandal in Belgien zeigt. Denn seit einiger Zeit hagelt es zahlreiche Beschwerden und Anzeigen gegen Polizisten in der Stadt Antwerpen, die in diversen Zockerbuden und in Online Casinos kräftig an den Spielautomaten ihre Runden gedreht haben. An sich kein großes Problem, wenn nicht nach belgischem Glücksspielgesetz, allen Mitgliedern der Strafverfolgungsbehörden das Zocken an Glücksspielen generell verboten wäre. Und da sämtliche Polizisten und anderweitige Beamte dieser Behörden mit einer nationalen Registrierungsnummer in einer Datenbank gespeichert sind, können die Spielsüchtigen nicht ohne weiteres spielen. Doch da bekanntlich immer irgendwo eine Hintertür existiert, haben sich die Polizisten kurzer Hand die Identitäten unbescholtener Bürger geklaut, um hierüber der eigenen Spielsucht nachzugeben.

Die angezeigten Beamten der Antwerpener Polizei sollen nicht nur in den Online Casinos und Zockerbuden mit falschen Identitäten, sondern zudem auch noch während der Dienstzeit gezockt haben.

Die belgische Glücksspielkommission hat nun jedoch ein gewaltiges Problem, denn die eigenen Beamten, die schon mit der Beweisaufnahme begonnen haben, sind zahlenmäßig zu gering ausgestattet. Was als kleines Problem in Antwerpen anfing, entwickelt sich durch die Recherchen der Behörde zu einem immer größeren Skandal über das ganze Land hinweg. Das gesamte Ausmaß innerhalb der belgischen Polizei ist laut Peter Naessens, Direktor der Regulierungsbehörde für Glücksspiele, so groß, dass die Behörde einfach nicht die Kapazitäten hat, das gesamte Polizeisystem des Landes zu untersuchen. Gleichzeitig berichtet der Direktor gegenüber lokalen Medien davon, dass ebenfalls einige Beamte mit Summen in Online Casinos gespielt haben, die in keinem Verhältnis zu ihrer finanziellen Situation stehen. Dadurch ergibt eich eine weitere Frage, nämlich wo das ganze Geld für die Spielsucht bei den Beamten überhaupt herkommt.

Es kann bereits jetzt davon ausgegangen werden, dass der Umfang der Untersuchungen bei der belgischen Polizei so groß sein wird, dass hier nur die Staatsanwaltschaft am Ende Licht ins Dunkel bringen kann.

Beamter des Ordnungsamtes Hilden erfand Gebühren zur Finanzierung der eigenen Spielsucht

Ein weiterer pikanter Fall von Spielsucht mit ernsthaften Konsequenzen ereignete sich nicht in Belgien, sondern direkt in Deutschland, genauer im Ort Hilden. Denn hier verzockte ein 58-jähriger Beamter des Ordnungsamtes in 5 Jahren rund 1,3 Millionen Euro an Spielautomaten. Aufgrund des Kontrollverlustes über sein Glücksspiel und den immer höher steigenden Einsätzen, musst sich der Beamte über die Jahre so einiges einfallen lassen, um an soviel Kohle heranzukommen. Da das eigene Gehalt bei weitem nicht ausreichte, um die Spielsucht zu finanzieren, lies sich der 58-jährige eigens selbsterfundene Gebühren einfallen, die dann in die eigenen Taschen und später in den Spielautomaten landeten. Für diese Betrugsfälle und Veruntreuungen muss sich der Beamte nun vor dem Landgericht Ratingen verantworten.

Vor Gericht gab der Angeklagte bereitwillig Auskunft darüber, wie er über die Jahre immer weiter in die Spielsucht geriet. Als Hauptereignis gab er die zurückliegende Vergewaltigung seiner Tochter an. Um die Anwaltskosten zu bezahlen, versuchte der 58-jährige mit Sportwetten und anderen Glücksspielen Gewinne zu erwirtschaften, mit denen er die Prozesskosten finanzieren wollte. Dafür zockte er fasst täglich bis zu drei Stunden am Rechner in Online Casinos und bei Sportwetten.

Um an das Geld für die Prozesskosten heranzukommen und später seine Spielsucht zu finanzieren, kam der Angeklagte auf äußert kreative Ideen. Nicht nur, dass er als Beamter des Bereichs „ Gewerbe und Gaststätten“ eingezogene Gebühren entweder gar nicht oder nur teilweise der Behörde übergab, erfand er zudem noch welche selbst. Die eigene Spielsucht und die damit verbundenen Kenntnissen über Gaststätten mit Spielautomaten, verhalfen ihm dabei, von ahnungslosen Betreiber Unsummen abzukassieren. So erfand er neue Gebühren oder erhöhte einfach tatsächlich zu entrichtende Geldbeträge um das vielfache. So konnten Betreiber, die an diesen spielsüchtigen Beamten gerieten, gut und gerne einmal 2.500 Euro für einen Stand hinblättern, obwohl die Gebühr nur 20 Euro betrug. Der gravierendste Fall jedoch betraf ein Ehepaar, welches eine einfache Gaststätte eröffnen wollte. Ihnen riet der spielsüchtige Beamte, doch kurzer Hand eine Zockerbude zu eröffnen, da diese doch viel ertragreicher wäre. Diesen Service lies er sich dann noch in Höhe von rund 130.000 Euro durch das Ehepaar bezahlen, die glaubten nun einen gesetzlich anerkannten Glücksspieltempel ihr eigen nennen zu dürfen. Doch tatsächlich wurde eine echte Konzession niemals erteilt.

Trotz des umfangreichen Geständnisses, einer Entschuldigung und der Zurückzahlung der meisten unterschlagenen oder durch Betrug erhaltenen Beträge, muss der Spielsüchtige mit eine Freiheitsstrafe rechnen. Hier haben ihm die zuständigen Richter bereits ein Strafmaß von bis zu 4 Jahren in Aussicht gestellt. Ohne Geständnis würde die Freiheitsstrafe zwischen 5 und 6 Jahren liegen.

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