Playtech nach Selbstmord

Nach dem Selbstmord eines 25-jährigen VIP-Kunden und dem Umgang mit der eigenen Verantwortung steht nun Playtech in Großbritannien heftig unter Feuer. (Bildquelle: Free-Photos)

Der auf der Isle of Man ansässige Glücksspielkonzern Playtech sieht sich momentan auf der britischen Insel nach einem Selbstmord eines Kunden einem wahren Sturm der Entrüstung ausgesetzt. Ein 25 Jahre alter Mann hatte sich 5 Tage nachdem er in einem Playtech Casino über 100.000 Pfund verloren hatte, das Leben genommen. Eigentlich sollte für die mangelnde soziale Kontrolle der Konzerntochter PT Entertainment Services eine millionenschwere Geldstrafe gegen den Spielautomatenhersteller und Online Casinos Betreiber ausgesprochen werden. Dieser entzog sich jedoch der Glücksspielkonzern durch eine Gesetzeslücke und muss deshalb nun mit heftiger Kritik vonseiten der britischen Politik fertig werden.

Nach dem Selbstmord eines VIP-Kunden entzieht sich Playtech der Verantwortung

In Großbritannien hagelt es heftige Kritik gegen den Glücksspielkonzern. Viele Abgeordnete des britischen Parlaments sind der Meinung, dass sich Playtech nach dem Selbstmord eines VIP-Kunden aus der Verantwortung stehlen will. Einige gingen sogar soweit zu behaupten, das dieser Fall rund um den Spielautomatenhersteller symptomatisch wäre, für alles, was in der Glücksspielbranche schieflaufen würde. Noch bevor die UKGC, die britische Glücksspielaufsichtsbehörde, ihren Abschlussbericht rund um den Fall des Selbstmords vorlegen und somit auch ein Strafmaß festlegen konnte, schloss Playtech kurzerhand sein Tochterunternehmen. Zusätzlich wurde die Online Casinos Lizenz aus Großbritannien zurückgegeben. Hierdurch war der UKGC nicht möglich die geplante Strafe in Höhe von 3,5 Millionen Pfund für die Vergehen von PT Entertainment Services auszusprechen. Diese Gesetzeslücke ermöglicht es also, so sehen es viele Politiker der Torries, dass sich Playtech nach dem Selbstmord eines ihrer VIP-Kunden damit aus der Verantwortung ziehen kann.

Fünf Tage vor seinem Selbstmord und Monate nach seiner Anmeldung im Winner Casino in Großbritannien verlor der VIP-Kunde rund 119.000 Pfund. Anstatt ihn nun zu kontaktieren und zu befragen, ob dieser sich solche hohen Verluste überhaupt leisten könne, bekam der 25-jährige noch vier Stunden vor seinem Tod, einen Casino Bonus von 400 Pfund angeboten.

Fast 18 Monate recherchierte die UKGC in diesem Fall

Aufmerksam wurde die UKGC auf diesen Fall, nachdem die Familie des Verstorbenen die Glücksspielaufsichtsbehörde kontaktierte. Daraufhin wurden über 18 Monaten hinweg sämtlicher Informationen und Daten des betreffenden Online Casinos sowie der Konzerntochter PTES ausgewertet. Die UKGC kam nach dem Selbstmord zu dem Schluss, dass systematische Mängel bei der Tochtergesellschaft von Playtech vorhanden waren. Hierfür wurden im Abschlussbericht einige Beispiele genannt. So fiel der 25-jährige bei der Überprüfung auf sein Spielverhalten und ob er sich die Verluste überhaupt leisten können, mehrfach durchs Raster. Schon bei der Anmeldung am 26. Dezember 2016 hätte das Winner Casinos eigentlich stärker nachhaken müssen, immerhin zahlte der Verstorbene mehr als 10.000 Pfund am ersten Tag ein und mehrfach funktionierten Transaktionen mit seiner Debitkarte nicht. Anstatt ihn jedoch einer Prüfung zu unterziehen, erhielt er die Einladung in den VIP-Bereich.

Abseits dessen soll auch der zuständige VIP-Manager nicht die richtige Sorgfalt gegenüber dem Kunden angewandt haben. Anstatt ihn einmal über seine hohen Verluste einmal zu befragen, animierte dieser ihn lieber noch drei Tage vor seinem Tod zum Weitermachen. Im Allgemeinen zeigte zudem die Untersuchung der UKGC, dass gerade einmal nur rund 0,26 Prozent der Kunden im Winner Casino überhaupt einmal eine E-Mail zum eigenen Spielverhalten erhielten. Für all diese sollte eigentlich die Playtech-Tochter PTES geradestehen, doch wegen der Schließung der Firma muss der Spielautomatenhersteller keinen Cent bezahlen. Zwar spendete mittlerweile der Spielautomatenhersteller mehr als 600.000 Pfund an eine gemeinnützige Organisation, doch liegt die Summe deutlich unter den 3,5 Millionen Pfund, die eigentlich als Strafe fällig gewesen wären.

Obwohl das Ausnutzen solcher Schlupflöcher in Gesetzen legal ist, erweist Playtech mit diesem Verhalten nach dem Selbstmord der gesamten Glücksspielindustrie einen Bärendienst. Dieser Fall dürfte vor allem die Kritiker bestärken, das Glücksspiel sowie die privaten Anbieter und Firmen noch stärker zu regulieren. Womöglich wird es dann auf lange Sicht für Playtech deutlich teurer, als wenn der Spielautomatenhersteller die Verantwortung übernommen und einfach gezahlt hätte. Bei einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Pfund, wäre dies sicherlich aus der berühmten Portokasse möglich gewesen.