Online Casino Werbeverbot

Das geforderte Werbeverbot für Echtgeld Casinos in Deutschland zieht Kreise. Droht den Fußballfans nun ein Ende der Fußballübertragungen Nationalmannschaft?

Es ist die Fußballeuropameisterschaft 2020 in Deutschland und kein einziger Bundesbürger kann live die Spiele der deutschen Nationalmannschaft im Jubiläumsturnier verfolgen. Weder im Fernsehen bei ARD und ZDF noch bei irgendeinem anderen Sender dürfen die spannenden Matches zwischen den Nationalmannschaften übertragen werden. Selbst als die „Mannschaft“ den Pokal zum vierten Mal nach 1996 im Stadion von Wembley in den Nachthimmel reckt, haben dies die Bürger in Deutschland nur via Radio mitbekommen. Was sich wie eine absurde Satire über die digitale Landschaft in Deutschland anhört, könnte jedoch tatsächlich bittere Realität werden. Schuld daran sind die lukrativen Sponsorenverträge des DFB und der DFL mit bwin und Tipico, die neben den geduldeten Sportwetten auch eigene Online Casinos mit Echtgeld Spielautomaten betreiben.

Nach den Fernseh- und Radiosender stehen nun DFB, DFL und der gesamte deutsche Fußball im Fokus

Erst vor wenigen Tagen berichteten wir über ein gemeinsames Schreiben der Medienaufsichten der Bundesländer an sämtliche privaten Fernseh- und Radiosender. Hierin wurden diese aufgefordert, in Zukunft keine Werbung von Glücksspielunternehmen mehr auszustrahlen, die in eigenen Echtgeld Casinos Automatenspiele anbieten. Dies betrifft zum einen reine Online Casinos wie beispielsweise DrückGlück, die sogar auf SPORT1 mit einer eigenen Casino-Show präsent sind. Zum anderen unterliegen dieser Aufforderung jedoch auch typische Buchmacher wie eben bwin und Tipico, wenn diese abseits der Sportwettten zusätzlich andere Glücksspiele anbieten. Gerade auf letztere Firmen könnten in Deutschland schon bald äußerst unruhig Zeiten zukommen, denn nun haben Glücksspielaufsichten der Länder den DFB und die DFL ins Visier genommen.

Wie die Tagesschau berichtet, liegen sowohl dem NDR wie auch der Süddeutschen Zeitung ein Schreiben des Innenministeriums von Baden-Württemberg an den DFB vor. Dieses ist hochbrisant und könnte nachhaltig den gesamten deutschen Fußball verändern sowie enormen Einfluss auf das Angebot an Echtgeld Spielautomaten in einigen der beliebtesten Online Casinos in der Bundesrepublik haben. In diesem Schreiben fordert nämlich das Innenministerium in Abstimmung mit den anderen Bundesländern den Deutschen Fußballbund dazu auf, sich an die geltende deutsche Rechtsprechung zu halten. Die im Glücksspielstaatsvertrag festgelegten Regeln verbieten zum einen Echtgeld Spielautomaten und Live Casinos Spiele im Internet und zum anderen ebenso die Werbung. Da bwin als neuer Sponsor des DFB jedoch nur mit seinem Schriftzug wirbt und nicht mit seinem Angebot an Sportwetten, sehen einige Experten dies als Werbung für die gesamte Dachmarke. Somit würden hierüber auch die nach deutschem Recht illegalen Angebote im Echteld Casino von bwin beworben und nicht nur die geduldeten Sportwetten.

Erst Anfang Februar stieg bwin groß in das Sponsoring beim DFB ein. Die zwei abgeschlossenen Verträge besitzen ein Gesamtvolumen von 12 bis 13 Millionen Euro pro Jahr. Hierfür darf bwin bei sämtlichen Länderspielen der Nationalmannschaft werbewirksam präsent sein und zudem die Nationalspieler fürs eigene Marketing einsetzen. Des Weiteren tritt bwin noch als Sponsor der 3. Bundesliga, im DFB-Pokal sowie bei der Allianz Frauen-Fußballbundesliga auf. Abschließend ist die Marke der GVC Holdings noch zusätzlich bei Borussia Dortmund als Sponsor aktiv.

Es “besteht die Gefahr, dass die Werbung von Bwin insgesamt untersagt wird”

Das nun zugestellte Schreiben an den DFB könnte tatsächlich ernste Konsequenzen mit sich bringen, denn nach geltendem deutschen Recht, dürfte keine Werbung für Online Casinos in Deutschland ausgestrahlt werden. Dies würde im Falle des DFB, der deutschen Nationalmannschaft und bwin nicht anderes bedeuten, als dass sämtliche Spiele nicht mehr übertragen werden dürften, da hier der Schriftzug des Anbieters als Werbung zu sehen sein wird. Dies könnte sogar so weit gehen, dass ebenso Fotos unter dieses Verbot fallen würden, sofern auch hier der Markenname auf dem Trikot oder im Hintergrund sichtbar wird. Dass es sich hierbei um keinen schlechten Karnevalsscherz handelt, wird aus dem Ton des Schreibens an den DFB ersichtlich. Darin heißt es laut Tagesschau: “Die einschlägige Rechtsprechung lässt keinen Raum für Zweifel an der Rechtswidrigkeit entsprechender Angebote. Werbung für unerlaubte Glücksspiele ist verboten (…). Die Glücksspielaufsichtsbehörden haben darauf hinzuwirken, dass unerlaubtes Glücksspiel und die Werbung hierfür unterbleibt.” Weiterhin wird ausgeführt, was im Falle einer Zuwiderhandlung drohen könnte. Denn dann “besteht die Gefahr, dass die Werbung von Bwin insgesamt untersagt wird”.

Doch nicht nur bwin dürfte mit seinem millionenschweren Engagement beim DFB möglicherweise nun in Schwierigkeiten geraten, denn bei Tipico ist der Fall ähnlich gelagert. Auch hier können Kunden neben den Sportwetten an Automatenspielen im eigenen Echtgeld Casino Einsätze tätigen. Tipico ist beispielsweise nicht nur ein wichtiger Sponsor vom FC Bayern München, sondern spült per Vertrag ebenso Geld in die Kassen der DFL. Noch schlimmer dürfte es zudem noch für die reinen Online Casinos aussehen, die im deutschen Fußball aktiv sind. Das bekannte Sunmaker Casino beispielsweise ist Sponsor beim 1. FC Magdeburg, beim FC Paderborn, dem FC Hansa Rostock sowie dem Vfl Osnabrück und dem FC Carl Zeiss Jena. Sämtliche Schriftzüge müssten bei konsequenter Anwendung des Werbeverbots bei Übertragungen oder Zusammenfassungen aus dem Stadion oder von den Trikots entfernt werden. Für das DrückGlück Casinos bei Holstein Kiel würde dies ebenfalls gelten.

Momentan besitzt fast jeder Club im deutschen Profifußball mindestens ein Glücksspielunternehmen als Sponsor. Insgesamt gibt es zurzeit rund 54 Verträge in den ersten drei Ligen mit einem Gesamtvolumen rund 43 Millionen Euro. Dabei bieten fast alle Buchmacher ebenfalls Echtgeld Spielautomaten in ihren angegliederten Online Casinos an und würden bei momentaner Auslegung ebenfalls unter das Werbeverbot fallen.

Schleswig-Holstein oder eine Trennung von Sportwetten und Echtgeld Casinos könnten die Lösung sein

Mögliche Lösungen für das Problem, die weder den deutschen Fußball noch die Konsumenten nachhaltig schädigen, zeichnen sich momentan gleich von zwei unterschiedlichen Seiten ab. Eine davon wären die Anbieter von Sportwetten selbst. Sie könnten dem Werbeverbot für ihre Marken entgehen, wenn sie in Zukunft in Deutschland ihre Echtgeld Casinos mit Spielautomaten und Live Casinos Spielen schließen würden. Dadurch würden diese wieder als reine Buchmacher auftreten und dürften wegen der gültigen Duldung in diesem Bereich weiterhin problemlos werben. Allerdings belegen beispielsweise die Bilanzzahlen der GVC Holdings, dass mittlerweile fast 40 Prozent der Gelder auch bei den Sportwettenmarken über das Angebot aus den Echtgeld Casinos kommt. Ob hier die Anbieter tatsächlich auf einen großen Anteil ihrer Einnahmen freiwillig verzichten, ist eher nicht für jedes Glücksspielunternehmen anzunehmen. Während sich die GVC Holdings eine Trennung von Sportwetten und Echtgeld Spielautomaten durch unterschiedliche Marken in diesen Bereich wie CasinoClub und bwin leisten könnte, sieht dies bei Tipico schon anders aus. Letzterer Buchmacher besitzt nämlich keine eigene Marke für Online Casinos Spiele in Deutschland und dürfte bei einem Wegfall der Einnahmen aus diesem Bereich Schwierigkeiten bekommen.

Eine andere Lösung, und wahrscheinlich die eleganteste, könnte jedoch aus Schleswig-Holstein kommen. Hier arbeitet die Landesregierung unter Hochdruck an einer Verlängerung oder Wiedererteilung der ausgelaufenen Online Casino Lizenzen. Laut dem Magazin „Die Welt“ sollen bereits 19 der ehemaligen Lizenzhalter eine Verlängerung beantragt haben. Bereits am 21. Februar hat der Chef der Staatskanzlei von Schleswig-Holstein, Dirk Schrödter, beim Treffen mit den anderen Vertretern der Staatskanzleien angekündigt, ein entsprechendes Gesetz auf den Weg bringen zu wollen. Dieses soll bereits im Mai durch den Landtag gebracht werden, bei dem eine Zustimmung von CDU, Grünen, FDP, AfD und SWW bereits als sicher gilt. Mit diesem Schritt würde der alte Zustand mit den Online Casino Lizenzen wiederhergestellt werden und damit auch die Möglichkeit der Werbung. Um jedoch die Gestaltung des zukünftigen Glücksspielstaatsvertrags nicht zu gefährden, dieser muss bis Mitte 2021 beschlossen werden, soll die Verlängerung ebenfalls nur bis Ende Juni 2021 gelten. Bis dahin müssten sich die Bundesländer ohnehin auf ein neues Gesetz und damit auch auf einen neuen Regulierungsstandard einigen, da der jetzige zu diesem Zeitpunkt ausläuft. Für den Fall jedoch, dass bis dahin kein EU-konforme Lösung für die Echtgeld Casinos gefunden wird, hält sich Schleswig-Holstein weiterhin das Recht vor, notfalls mit anderen Bundesländern einen eigenen Weg zu bestreiten.