Online Casino Betreiber

Das Trikot eines bekannten Fußballvereins gehört wohl zu den lukrativsten Werbeflächen. Doch genau darauf wollen nun einige Online Casino Betreiber verzichten. (Screenshot: Paddy Power – Save Our Shirt – YouTube Video)

Sponsoren sind für einige Fans manchmal ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite bringen diese hohe finanzielle Mittel mit, die den Kader einer Fußballmannschaft konkurrenzfähig machen können. Auf der anderen Seite wiederum verschandeln sie jedoch ab und an das heiß geliebte Trikot des Lieblingsvereins und degradieren Fans zur laufenden Werbeplattform. Damit soll nun jedoch endgültig Schluss sein, zumindest was die Online Casino Betreiber und Buchmacher in Großbritannien betrifft. Sowohl die GVC Holdings, Besitzer vom CasinoClub und von Ladbrokes, als auch Flutter Entertainment, ehemals Paddy Power Betfair, haben sich dazu entschlossen, ihre eigenen Namen von den Trikots ihrer Partner zu entfernen. Außerdem wollen die fünf größten Glücksspielunternehmen auf der Insel ihren Kampf gegen die Wett- und Spielsucht mit einem geplanten Finanzierungsausschuss weiter verstärken.

Freiwillige Selbstkontrolle ist besser als politische Knebel

Seit der im vergangenen Sommer ausgetragenen Fußballweltmeisterschaft in Frankreich ist in Großbritannien eine heftige Diskussion um die Glücksspielwerbung entstanden. Für viele Politiker und einen Großteil der Bürger hatten es die Online Casino Betreiber und Buchmacher während des Turniers mit der eigenen Werbung eindeutig übertrieben. Schnell wurden deshalb die Stimmen lauter, die sich für ein generelles Verbot von Glücksspielwerbung schon lange starkmachen. Nach den negativen Erfahrungen, als die Politik wie bei den FOBT’s die Daumenschrauben mit der Reduzierung der Maximaleinsätze von selbst angezogen hat, entschieden sich die Betreiber dieses Mal den Politikern lieber zuvorzukommen. Das Motto lautete dabei sinnbildlich, lieber auf freiwillige Selbstkontrolle zu setzen, als sich politische Knebel anlegen zu lassen. Denn mit eigenen Initiativen lassen sich gewisse Geschäftsbereiche eher schützen, die womöglich bei einer gesetzlichen, neuen Regelung als Kollateralschaden mit wegrasiert würden.

Im vergangenen Jahr preschte vor allem die GVC Holdings als erster großer Online Casino Betreiber und Buchmacher beim Thema Glücksspielwerbung vor und verkündete allerlei zukünftige Pläne für den Kampf gegen die Spielsucht. Dabei stachen besonders zwei Punkte hervor. Zum einen wollte die GVC Holdings sich dafür einsetzen, dass Glücksspielwerbung im Fernsehen deutlich eingedämmt wird und zum anderen wurde ein undenkbarer Vorschlag an die Konkurrenten um Paddy Power Betfair, William Hill und bet365 gerichtet. Dieser sah nämlich vor, in Zukunft auf freiwilliger Basis das Sponsoring im Fußball aufzugeben, dem wohl wichtigsten Bereich im globalen Marketing für die Glücksspielfirmen. Wie es dabei scheint, haben wohl auch die anderen großen Player die Zeichen der Zeit erkannt. Denn tatsächlich schloss sich mit Paddy Power Betfair, jetzt Flutter Entertainment, mittlerweile der erste Konkurrent der GVC Holdings und ihrer revolutionären Idee an.

GVC Holdings verschenkt seinen Platz auf den Trikots an GambleAware

Aufmerksamkeit zu generieren, ohne dabei mit dem eigenen Schriftzug selbst in Erscheinung zu treten, klingt wie der Heilige Gral des Marketings. Die GVC Holdings sowie Paddy Power von Flutter Entertainment scheinen diesen tatsächlich sogar gefunden zu haben. Denn in einer Welt, in der in Großbritannien und im restlichen Europa fast jeder Profiverein im Fußball einen Glücksspielanbieter als Sponsor hat, fällt eher der auf, der sich medienwirksam zurückzieht.

Wie die GVC Holdings nun bekannt gab, hat sich der größte Online Casino Betreiber der Welt dazu entschlossen, seine gesamten Rechte am Sponsoring im Fußball in Großbritannien an die Organisation GambleAware abzutreten. Dies umfasst nicht nur sämtliche Schriftzüge auf den diversen Trikots zahlreicher Clubs, bei denen der Konzern in der Vergangenheit für seine Spielautomaten und Sportwetten warb, sondern geht weit darüber hinaus. Von der Entscheidung ebenfalls betroffen sind nämlich ebenso sämtliche Werbeplätze auf den LED-Wänden sowie auf den Tafeln im Bereich hinter den Interviews. Aufgrund dieser Entscheidung der GVC Holdings wird schon ab dieser Saison anstatt Ladbrokes der Schriftzug „Bet Regret“ auf den Trikots zu sehen sein und die neue Kampagne gegen die Spielsucht von GambleAware promoten. Die Aktion richtet sich in Großbritannien an rund 2,4 Millionen junger Männer zwischen 16 und 34 Jahren, die regelmäßig Fußball schauen und besonders gefährdet sind.

Insgesamt sponsert die GVC Holdings für ihre Marken wie Ladbrokes 42 Vereine, darunter bekannte Namen wie Sunderland, West Bromwich Albion, Burnley, Sheffield Wednesday oder Sheffield United. Überall hier wird in Zukunft der Schriftzug von „Bet Regret“ von GambleAware prangen. Was das Unternehmen dazu bewog, diesen Schritt einzugehen, erläuterte noch einmal Patrick Kerr, der Direktor von Safer Gambling bei der GVC Holdings. Er teilte mit: „Wir möchten, dass Fußballfans eine Wette genießen können, aber wir wissen auch, wie wichtig es ist, dies auf sichere und verantwortungsvolle Weise zu tun. Die Übergabe unseres wertvollen Inventars an GambleAware ist ein Beweis dafür, dass wir unseren Kunden dabei helfen wollen, auf sichere und verantwortungsvolle Weise zu wetten. Wir freuen uns darauf, die Bet Regret-Kampagne auch in Zukunft zu fördern, um das Bewusstsein für sichereres Spielen zu stärken.“

Paddy Power von Flutter Entertainment will den Fans die Trikots zurückgeben

Während die GVC Holdings gleich alle seine Werbeplätze bei den Fußballvereinen in Großbritannien im Paket an die Organisation GambleAware vermachte, geht Flutter Entertainment mit seiner Marke Paddy Power einen anderen Weg. Alles begann mit einem definitiv sehr gelungenen Marketinggag. Noch vor Beginn der neuen Saison stellte das Unternehmen die neuen Triktos von Huddersfield Town vor, die erst in der vorangegangenen Spielzeit aus der Premier League abgestiegen waren. Ein übergroßer Querbalken als Schärpe geformt mit dem Schriftzug Paddy Power über die hochkantigen Streifen gelegen verschandelte das neue Trikot so sehr, dass nicht nur Fans dagegen ihren Unmut vorbrachten. Der britische Fußballverband, die FA, gab sogar an, das neue Shirt von Huddersfield Town unter die Lupe nehmen zu wollen. Dies jedoch nicht weil es so abscheulich hässlich war, sondern weil die Größe des Schriftzugs Paddy Power wohl die erlaubte Gesamtgröße überschreiten würde.

Der Fall sorgte für viel mediale Aufmerksamkeit, was dem Online Casino Betreiber und Buchmacher nur recht sein konnte. Denn sowohl die Fans wie auch die FA waren einem genialen Fake aufgesessen, den Paddy Power als Startschuss für seine ungewöhnliche „Save our Shirts“ Kampagne vorbereitet hatte. Mit dieser Aktion möchte der Glücksspielanbieter, wie er selbst formuliert, den Vereinsanhängern ihre Trikots wiedergeben, die in Zukunft nicht mehr durch einen Sponsor verschandelt werden sollen. Deshalb wird in der neuen Saison bei Huddersfield Town der Schriftzug von Paddy Power komplett entfallen. Neben dem Absteiger aus der Premier League haben sich der Kampagne „Save our Shirts“ mit Newport County, Motherwell FC, Southend United und Macclesfield Town noch vier weitere Clubs angeschlossen. Es dürfte zu Beginn der neuen Saison spannend werden, welcher Profiverein auf der Insel überhaupt noch mit einem Online Casino Betreiber oder Buchmacher auf der Brust zu sehen sein wird.

Die derzeitige Entwicklung in Großbritannien im Bereich Sponsoring im Fußball könnte wegweisend für ganz Europa werden. Zum einen gehören Unternehmen wie die GVC Holdings und Flutter Entertainment zu den größten Online Casino Betreibern und Buchmachern, deren Entscheidungen große Signalwirkung entfalten können. Zum anderen haben Länder wie Italien gezeigt, dass die Politik durchaus dazu bereit sein kann, sämtliche Glücksspielwerbung zu verbieten, sofern sich die Glücksspielunternehmen nicht freiwillig selbst regulieren. Insgesamt nehmen alle Profivereine zusammen in England in dieser Saison durch das Trikot-Sponsoring enorme 349,1 Millionen Pfund ein, was einem Anstieg von rund 33,5 Millionen Pfund gegenüber dem Vorjahr darstellt. Ob sich die und getroffenen Entscheidungen der GVC Holdings und von Flutter Entertainment auf diese Entwicklung in den nächsten Jahren negativ auswirken könnten ist bislang noch nicht abzusehen.

Die größten Online Casino Betreiber und Buchmacher gründen eigenen Finanzierungsausschuss

Neben dem Verzicht auf die Werbeflächen auf den Trikots der Fußballmannschaften in Großbritannien durch die GVC Holdings sowie Paddy Power, gibt es noch eine weitere Initiative der Industrie im Kampf gegen die Spielsucht. Wie jetzt bekannt wurde haben sich gleich fünf der größten Online Casino Betreiber und Buchmacher auf der Insel zusammengeschlossen, um einen ganz besonderen Finanzierungsausschuss zu gründen. Dieser soll in Zukunft durch die GVC Holdings, Flutter Entertainment, bet365, William Hill und Sky Betting and Gaming finanziert werden und unabhängig von den Unternehmen Entscheidungen treffen. So wird das neugegründete Komitee zum Beispiel schlussendlich festlegen, welche Kampagnen gegen Spielsucht oder Präventionsmaßnahmen von den üppigen Geldzahlungen der fünf großen Anbieter profitieren werden. Die dabei zusammenkommenden Gelder spielen in einer Größenordnung, die selbst einigen Glücksspielfirmen als Jahresergebnis nicht schlecht zu Gesicht stehen würden. Denn die GVC Holdings, bet365, William Hill sowie Flutter Entertainment und Sky Betting and Gaming haben sich dazu bereit erklärt, in Zukunft einen weitaus größeren Teil der eigenen Einnahmen in den Spielerschutz zu investieren. Gegenüber den noch freiwillig zu leistenden 0,1 Prozent Abgabe auf die eigenen Bruttospielerträge haben sich die Unternehmen dazu verpflichtet, bis 2023 den Betrag zu verzehnfachen. Die dann insgesamt 1 Prozent der Bruttospielerträge fließen dann in einen gemeinsamen Topf, aus dem der Finanzierungsausschuss schlussendlich die Verteilung organisiert. Der daraus hervorgehende dreistellige Millionenbetrag soll dabei helfen, die schädlichen Auswirkungen der Spielsucht in Großbritannien zu minimieren und neuen Wege im Kampf gegen diese in der Forschung zu finden.

Mit Peter Selwyn Gummer, auch Baron Chadlington, wurde bereits die passende Personalie für den Vorsitz des neuen Finanzierungsausschusses gefunden. Er wird das neue Amt ab September übernehmen und machte noch einmal auf die Unabhängigkeit des Komitees deutlich. Obwohl die fünf Online Casino Betreiber die Kosten tragen, haben sie sich dazu freiwillig verpflichtet, die Beschlüsse des Finanzierungsausschusses zu akzeptieren und umzusetzen.