NetEnt AktieNetEnt, der schwedische Hersteller von Spielautomaten für Online Casinos, galt lange Zeit als der Branchenprimus schlechthin. Nun jedoch schwächt sich das Wachstum in allen Bereichen zusehends ab, wie die nun veröffentlichten Zahlen für das 2. Quartal und 1. Halbjahr aufzeigen. Diese nicht gerade positive Entwicklung für NetEnt könnte sich im Laufe des Jahres sogar noch weiter negativ verstärken. Die Börsen haben darauf schon reagiert und die Aktie mit Bekanntgabe der Zahlen in den Keller geschickt.

Das Wachstum von NetEnt schwächt sich immer weiter ab

Über viele Jahre hinweg kannten sowohl die Bilanzzahlen wie auch der Aktienkurs von NetEnt nur eine Richtung, immer steil nach oben. Nun jedoch zeigen die Werte für das 2. Quartal und für das 1. Halbjahr, dass sich das Wachstum in allen Bereichen beim Spielautomatenhersteller immer weiter abschwächt. Zwar konnte der operative Umsatz zwischen Anfang April und Ende Juni um fast 6 Prozent von vormals 413 Millionen SEK auf jetzt rund 437 Millionen SEK gesteigert werden. Doch ist dieser Wert in der Branche alles andere als rosig, da vor allem die Konkurrenz deutlich stärkere Zahlen präsentieren konnte. Beim EBIT, mit einer Entwicklung von 147 Millionen SEK auf jetzt 149 Millionen SEK und beim Gewinn von 136 Millionen SEK auf nun 139 Millionen SEK, gab es sogar fast ein Stagnation. Zudem verringerte sich beim EBIT die Marge von 35,6 auf nur noch 34 Prozent. Ein deutliches Zeichen dafür, dass bei NetEnt zunehmend die Kosten stärker steigen, als der Umsatz aus Spielautomaten und Live Casino. Ein weiteres Alarmzeichen ist der Umstand, dass wenn die Währungsschwankungen herausgerechnet werden und der Euro als Grundlage genommen wird, der Umsatz im 2. Quartal sogar um rund 0,8 Prozent rückläufig war.

Zusammen mit den Quartalszahlen der letzten drei Monate stellte NetEnt ebenfalls die Bilanz für das 1. Halbjahr vor, die ein klein wenig besser ausfiel. Hier gab es beim operativen Umsatz einen Anstieg von rund 7,6 Prozent von vormals 806 Millionen SEK auf jetzt 867 Millionen SEK zu verzeichnen. Das EBIT kletterte von 274 Millionen SEK auf 283 Millionen SEK und der Gewinn nach Steuern von 251 Millionen SEK auf 285 Millionen SEK. Während in anderen Wirtschaftszweigen solche Zahlen durchaus positiv zu bewerten wären, sieht dies jedoch im Falle der Online Casino Branche anders aus. Das gesamte Wachstum ist immer noch sehr hoch und Konkurrenten von NetEnt weisen hier Zahlen auf, die deutlich im mittleren zweistelligen Bereich liegen. Zudem zeigt ein Blick in die Entwicklung der letzten beiden Jahre, dass sowohl der Umsatz, als auch das EBIT und der Gewinn sich langfristig immer langsamer verbessern. Sollte dieser Trend weiter anhalten und die geplanten Maßnahmen des Unternehmens, die Situation wieder verbessern zu wollen, in den nächsten Monaten nicht greifen, könnte NetEnt sogar in eine Abwärtsspirale geraten. Dies dürfte auch den Investoren und Aktienbesitzern nicht verborgenen geblieben sein, denn nach der Bekanntgabe der Zahlen am Freitag rauscht das Wertpapier des Spielautomatenhersteller gleich um 17 Prozent in die Tiefe. Damit erreichte die NetEnt Aktie auf 52-Wochen-Basis ein neues Tief.

Die sich immer weiter abschwächende Entwicklung bei NetEnt, hatte bereits vor wenigen Wochen mit Per Eriksson das erste Opfer gefordert. Der über viele Jahre tätige CEO des Unternehmens, der NetEnt zu einem führenden Entwickler der Online Casino Branche formte, musste seinen Hut nehmen. Nun soll die ehemalige CFO Therese Hillman als neuer CEO die Schweden wieder in altes Fahrwasser führen. Ebenfalls wurde mit Frederik Erbing ein neuer Vorsitzender des Verwaltungsrats bestellt.

Marktsättigung und zunehmende Konkurrenz machen NetEnt das Leben schwer

Die zunehmende Schwäche des Branchenprimus NetEnt ist auf vielerlei Faktoren zurückzuführen. Im heimischen Skandinavien ist der Markt gesättigt. Zwar betreten hier immer noch neue Online Casinos das Feld, doch zumeist auf Kosten der etablierten Anbieter. Dies erhöht zwar die Einnahmen für das Unternehmen bei den Lizenzen, wenn diese ebenfalls beschließen NetEnt Casinos sein zu wollen, doch wirkt sich dies nicht zwangsläufig positiv auf die Einnahmen aus den Spielautomaten aus. Die Lizenzen machen nämlich mit rund 2,6 Prozent nur einen äußert geringen Anteil am Gesamtumsatz aus. Zudem halbierte sich dieser Wert fast. Im Vergleichszeitraum im Vorjahr steuerten die Einnahmen aus den Lizenzen immerhin noch 4,7 Prozent bei. Den Löwenanteil am Umsatz mit 97,3 Prozent machen die Schweden jedoch über ihre Spielautomaten und dem Live Casino, bei dem bei jedem Verlust des Spielers ein kleiner Anteil auch beim Entwickler landet. Und genau hier läuft es überhaupt nicht rund, denn die Skandinavier spielen zwar mittlerweile deutlich mehr, aber dafür mit geringeren Einsätzen, sodass die Zunahme der NetEnt Casino nicht positiv ins Gewicht fällt. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich im nächsten, wichtigen Markt für die Schweden, in Großbritannien. Hier kommt ebenfalls noch erschwerend hinzu, dass die Konkurrenz aus aufstrebenden Entwicklern wie Yggdrasil Gaming, Play’n GO oder Quickspin, dem Unternehmen so richtig zusetzt. Die Zeiten in denen NetEnt mit qualitativ hochwertigen Slots nahezu ein Alleinstellungsmerkmal hatte, sind längst vorbei und dies wird immer deutlicher ersichtlich. Viele von den jungen Wilden wachsen deutlich stärker, auch auf Kosten der Schweden.

Trotz des abschwächenden Wachstums, muss diese Entwicklung bei NetEnt jedoch nicht zwangsläufig so weiter gehen. Hier hat das Unternehmen bereits Märkte im Visier, die anders als Großbritannien und Nordeuropa, noch lange nicht gesättigt sind. Vor allem Süd- und Osteuropa sowie die USA stehen hier ganz oben auf der Agenda von NetEnt. Mit der Legalisierung der Sportwetten in den Vereinigten Staaten von Amerika, können nämlich in Zukunft die Bundesstaaten ebenfalls sich dazu entschließen Online Casinos zu erlauben. Hier haben die Schweden mit der vereinbarten Zusammenarbeit mit dem Hard Rock Casino in New Jersey bereits einen Fuß in der Tür. Weitere Chancen ergeben sich für NetEnt mit neuen Produkten. Allerdings wird sich zeigen müssen, ob die Hereinnahme von Sportwetten in das Live Casino auch nach der WM ein Erfolg wird oder nicht. Hier sind nämlich mit Evolution Gaming und Playtech bereits zwei weitere große Konkurrenten in diesem Bereich ebenfalls auf den Zug aufgesprungen. Des weiteren wollen die Schweden das Feld der Social Casinos beackern und über Facebook und andere Plattformen neue Kunden für die eigenen NetEnt Spielautomaten begeistern. Ob jedoch tatsächlich in diesem Bereich für das Unternehmen so viel zu holen ist, bleibt ebenso fraglich, schließlich gilt gerade der Markt der Social Casino ebenfalls als nahezu gesättigt.

Zu der Entwicklung und einer erhofften Kehrtwende äußerte sich die neue CEO Therese Hillman wie folgt: “Im Laufe des Quartals haben wir einen Plan entwickelt und in mehreren Bereichen Maßnahmen ergriffen, um unser Kundenangebot zu stärken. Ebenso wollen wir die Lieferzeiten verkürzen und Ressourcen für neue kommerzielle Projekte freizumachen. Diese Änderungen sind notwendig, um unsere starke Marktposition im Bereich der Online Casinos zu bestätigen. Ich freue mich auf einen ereignisreichen Herbst, der sich auf den Turnaround von NetEnt konzentrieren wird Mit verbesserter Effizienz, vielen neuen Produkten und Wachstumsinitiativen werden vor allem Spieler und Kunden im Fokus stehen.”