Manipulierte SpielautomatenFast wöchentlich machen Schlagzeilen über manipulierte Spielautomaten in den Medien die Runde, doch selten plauderte ein Insider so ausführlich über die Methoden die dahinterstehen wie jetzt vor Gericht. Denn nun packte ein 42-jähriger Angeklagter vor der Justiz aus und erklärte dem Richter und den anwesenden Prozessbeobachtern mit welchen Mitteln sich Spielautomaten manipulieren lassen. So setzte er selbst sogenannte „Bremser“ und „Bucher“ in den Geldspielgeräten ein, um die Gewinnchancen für die Spieler deutlich zu reduzieren. Allerdings tat der Angeklagte dies nicht nur bei seinen eigenen Spielautomaten, sondern lieferte auf Bestellung ebenfalls die „Bremser“ und „Bucher“ an andere Betreiber von Glücksspieltempeln. Doch was genau verbirgt sich eigentlich hinter diesen beiden Begriffen?

Die hohe Nachfrage nach Manipulationsmöglichkeiten für Spielautomaten ließen ihn die Seiten wechseln

Mit Spielautomaten kannte sich der 42-jährige Angeklagte aus, schließlich betrieb er nicht nur selbst einen eigenen Glücksspieltempel in Bergheim, er war zudem ein waschechter Tüftler. Um seine eigenen Geldspielgeräte vor Manipulationen von kriminellen Kunden zu schützen, lies er sich so einiges Einfallen. Jeder Trick der auftauchte und jede neue Form der Manipulation wurde von ihm analysiert und Gegenmaßnamen oder gar ein Schutz davor entwickelt. Schon recht schnell wurde in der Umgebung von Köln andere Betreiber von Glücksspieltempeln auf ihn aufmerksam und das allgemeine Interesse an seinen Sicherheitssystemen wuchs kontinuierlich. Große Spielautomatenhersteller sind meist recht schwerfällig beim Beheben von Sicherheitsproblemen und bevor diese geschlossen werden, kann gut und gerne durchaus mal ein halbes Jahr vergehen. Genau hier setzte seine legale Geschäftsidee an – nämlich andere Betreiber vor Manipulationen der Spielautomaten zu schützen und dies möglichst schnell. Und so liefen seine Geschäfte seit 2015 hervorragend, bis jedoch die Betreiber genau das Gegenteil von ihm erbaten, nämlich in ihrem Sinne die Slots zu frisieren. So sagte er vor Gericht aus, wie es zu seiner neuen, illegalen Geschäftsidee kam: „Die haben mir gesagt: Du weißt wie man vor Manipulation schützt, dann weißt du auch, wie man manipuliert.“

Angeklagt ist der 42-jährige Man aus dem Raum Köln wegen geschätzten Steuervergehen in Höhe von insgesamt 200.000 Euro. Dieser volkswirtschaftliche Schaden, so die Staatsanwaltschaft, entstand durch die manipulierten Spielautomaten seiner Kundschaft, die die tatsächlichen Umsätze und Gewinne falsch verbuchten.

Was sind eigentlich „Bremser“ und „Bucher“ bei den manipulierten Spielautomaten?

Bevor ihn sein eigener Anwalt stoppen konnte, gab der Angeklagte zuvor dem Gericht einen intensive Einblick in die Welt der manipulierten Spielautomaten. So sei das Wissen in der Branche bei den Betreibern von Glücksspieltempeln weit verbreitet, wie die Slots mit Computerchips frisiert werden können. Dabei kommen zum einen die sogenannten „Bremser“ zum Einsatz. Sie haben die Aufgabe in den manipulierten Spielautomaten die tatsächliche Gewinnchance für den Spieler zu verringern und logischerweise die Einnahmen des Geldspielgeräts zu steigern. Zum anderen gibt es dann noch die „Bucher“, die wiederum Gewinn auf der Abrechnung simulieren, die es jedoch in Wirklichkeit nie gegeben hat. Dadurch wird am Ende für das Finanzamt ein deutlich geringerer Betrag ausgewiesen und somit die Steuerlast reduziert. Und genau darum dreht sich der gesamt Prozess, bei dem die Staatsanwaltschaft von bis zu 200.000 Euro an entgangenen Steuern durch die manipulierten Spielautomaten ausgeht. Wie hoch die Strafe für den 42-jähigen Tüftler ausfallen wird, ist jedoch noch offen. Allerdings dürfte das umfassende Geständnis und der tiefe Einblick in die Machenschaften zu einer deutlichen Strafminderung beitragen.

Die in der Szene als Russenchips bezeichneten „Bremser“ und „Bucher“ stammen laut dem Angeklagten aus der Ukraine von einem Kontaktmann, der diese bei späteren Treffen an ihn verkaufte. Für einen „Bremser“ belief sich der Preis auf rund 300 Euro und für einen „Bucher“ auf 1.000 Euro. Der Angeklagte wiederum verkaufte diese Chips zur Manipulation von Spielautomaten natürlich zu einem deutlich höheren Preis und setze dabei nach Schätzungen der Staatsanwaltschaft circa 153.000 Euro um.