KW 8-2020 Grosse Bandbreiten bei Echtgeld-Casino-Aktien

Wochensieger ist eindeutig Betsson, Evolution Gaming goes Schweiz und die Gaming Innovation Group hat das schlechte Ende für sich…. Bild: Free-Photos von Pixabay

In der Vorwoche trieben die guten Geschäftszahlen die Aktienkurse auf unserer Watchlist in neue Höhen. In dieser Woche drifteten die Unternehmen allerdings wieder stark auseinander. Die einen konnten weiterhin mit guten Kursgewinnen begeistern, während die anderen ziemlich das Nachsehen hatten. Die Bandbreite zwischen dem besten und dem schlechtesten Wert lag in dieser Woche bei 23 % – zu viel für risikoscheue Anleger und gerade richtig für Echtgeld-Casino-Aktionäre.

Erneut spitze: Betsson

Letzte Woche legte Betsson seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Diese fielen zwar mau aus, sorgten aber dennoch für helle Begeisterung auf dem Börsenparkett. Denn wichtiger als die blanken Kennziffern war den Anlegern der Deal, den Betsson mit der Gaming Innovation Group besiegelte: Der schwedische Wettspezialist kaufte der Spieleschmiede sein gesamtes Markenportfolio ab. Da die Lizenzen der Plattformen gleich mit dabei sind, steht dem weiteren weltweiten Wachstum nichts mehr im Wege.

In dieser Woche legte die Betsson-Aktie um weitere 17 % zu und ist damit unser Wochensieger. Das Papier ist nun 5,40 Euro wert. Dabei gab es in der aktuellen Handelswoche keine weiteren News von dem Unternehmen. Vielmehr handelt es sich um die Nachwehen der Vorwoche.

Gewinnt eine Aktie stark an wert, kann das zu weiteren Kurssteigerungen führen. Das Phänomen hat sowohl einen psychologischen als auch einen technischen Grund: Einerseits fassen Anleger Mut und wollen auch ein Stück vom “Kursgewinn-Kuchen” abhaben. Andererseits werden Kauflimite aktiviert, sobald eine Aktie einen bestimmten Kurs erreicht hat. Diese hinterlegen Investoren um den, ihrer Meinung nach, geeignetsten Kaufzeitpunkt zu treffen. Eine Rolle bei dieser Entscheidung können charttechnische Signale spielen. Dazu gehört beispielsweise das Überschreiten einer 200- oder 90-Tage-Kurslinie.

Evolution Gaming glänzt mit neuen Nachrichten

In der Vorwoche erreichte der Marktführer für Live-Casino-Spiele (bekannte Marke, die Evolution Gaming verwendet z. B. Wunderino) die Spitze unserer Watchlist. Gründe dafür waren herausragende Geschäftszahlen und deutlich übertroffene Gewinn- und Umsatzerwartungen. In dieser Woche lieferten die Malteser eine weitere gute Schlagzeile: Evolution Gaming sicherte sich eine Kooperation mit dem schweizerischen mycasino.ch, das von der Grand Casino Luzern-Gruppe betrieben wird. Die beiden Besten auf ihrem Gebiet haben sich darauf geeinigt, dass Evolution Gaming in Zukunft die Live-Casino-Inhalte für die Onlineplattform liefern wird. Damit sichert sich das Unternehmen ein Standbein im regulierten Schweizer Glücksspielmarkt. Der Lieferumfang beinhaltet unter anderem exklusive Spiele wie Lightning Dice, Dream Catcher und das Fußball-Studio – und ebenso Spieleklassiker wie Baccarad und Roulette. Alle Spiele sind auf allen gängigen mobilen Endgeräten verfügbar.

Sebastian Johannisson, CCO bei Evolution Gaming, kommentiert den neusten Coup: “Wir fühlen uns geehrt, mit einem solchen besonderen und historischen Casino zusammen zu arbeiten. Mycasino.ch ist eines der ersten Online-Casinos, das mit einer vollen schweizerischen Konzession arbeitet. Es bietet seinen Kunden ein rechtssicheres Spieleangebot auf hohem, weltweitem Niveau. Wir sind zuversichtlich, dass unsere große Auswahl an hochwertigen Live-Casino-Spielen die perfekte Ergänzung für das Angebot von mycasino.ch ist.”

Dieser Aussage stimmten die Anleger zu. Die Evolution Gaming-Aktie gewann 7 % und notiert nun bei 39,45 Euro. Auf Monatssicht ergibt sich ein stattliches Plus in Höhe von 35 %.

Die Gaming Innovation Group liefert schlechte Zahlen

Der skandinavische Spieleentwickler präsentierte am 18. Februar die Zahlen für das abgelaufene Quartal. Diese sahen alles andere als rosig aus. Im vierten Quartal sank der Umsatz, verglichen mit dem Vorjahr, um 26,2 %. Dabei kamen die Rückgänge sowohl aus dem B2B- als auch aus dem B2C-Geschäft. Das Management ergriff sofort Maßnahmen, um die Kostenseite analog zu der Geschäftsentwicklung zu entlasten. So sank die Mitarbeiterzahl von 706 auf 648. Die Kosteneinsparungen betrugen insgesamt 11 % und konnten damit den weggebrochenen Umsatz nicht ausgleichen. Das EBITDA sank um 4 % von 5 Mio. Euro auf 4,8 Mio. Euro.

Um wieder in den Tritt zu kommen, unternahm die Gaming Innovation Group einige Anstrengungen. Sie eröffnete gemeinsam mit Hardrock International einen Dienst für Sportwetten in Iowa / USA und führte William Hills Mister Green in den litauischen Markt ein. Zusätzlich schloss GiG einen Vertrag mit dem B2B-Dienstleister Swinnt und erstellte das neue Plattform-Flaggschiff GiG Core.

Richard Brown, der 2019 den CEO-Posten übernommen hat, sieht sein Unternehmen deshalb in einer insgesamt guten Verfassung: “Die Dynamik in der Glücksspielindustrie hat sich sowohl unter Gesichtspunkten der Konkurrenz als auch unter jenen der Gesetzgebung dramatisch verändert. Wir passen uns mit gewaltigen Anstrengungen daran an. Wir kommen aus einer strategischen Neuausrichtung im November des vorangegangenen Jahres. Ich bin mir sicher, dass die ergriffenen Maßnahmen das Unternehmen in eine Position versetzen, in der gutes Wachstum möglich ist. Des Weiteren stärken wir unsere finanzielle Situation, indem wir den Schuldenstand abbauen.”

Die Kennzahlen folgen direkt auf die Meldung der Vorwoche, dass die Gaming Innovation Group ihr gesamtes B2C-Geschäft an Betsson verkauft. Das Paket, das einen Gesamtwert von 31 Mio. Euro hat, beinhaltet alle Geschäftsfelder und Marken, die Technik sowie alle Glücksspiellizenzen.

Obwohl die Quartalszahlen schlechter ausfielen als erwartet, reagierten die Anleger vergleichsweise gefasst. Die GiG-Aktie verlor 3,2 % und ist jetzt 0,54 Euro wert.