casagEnde August veröffentlichte die CASAG ihre Zahlen für das Tochterunternehmen Casinos Austria International, welches sämtliche Geschäfte des Konzerns mit Casinos außerhalb von Österreich unter ihrem Dach vereint. Neben dem ganzen Zahlenwerk über Umsätze und Gewinne, sorgte vor allem eine kleiner Satz innerhalb der Bilanz für Aufsehen, den wohl die meisten Medien völlig übersehen hatten, wir jedoch nicht. Denn in der Halbjahresbilanz steht drin, dass die CASAG als Mutterkonzern im Rahmen einer strategischen Bewertung Möglichkeiten für die Casinos Austria International evaluiert. Unter diesen Optionen wurde explizit der teilweise oder sogar komplette Verkauf des Auslandsgeschäfts benannt. Dieser kleine, recht versteckte Sachverhalt wird nun jedoch ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gezogen, denn der Zeitung „Profil“ liegt nun ein Schreiben vor, dass für regelrechten Zündstoff sorgt. Zudem zeigt es ebenfalls, dass durch die neue Eigentümerstruktur innerhalb der CASAG nun deutliche Differenzen über die Zukunft des Konzerns zwischen den Aktionären besteht.

Viele Jahre lang hatte die Casinos Austria International mit zum Teil horrenden Verlusten zu kämpfen. Erst seit rund 2 Jahren konnte der Wildwuchs an Casinos über den ganzen Planeten verteilt Einhalt geboten werden. Mittlerweile betreibt die CAI nur noch knapp die Hälfte aller Casinos, die früher einmal zum Konzern gehört hatten und konnte dadurch endlich wieder Schwarze Zahlen schreiben.

Die CASAG wirbt fleißig um Käufer! – Das passt dem österreichischen Staat überhaupt nicht

Innerhalb der CASAG rangeln drei große Aktionäre um Einfluss. Zum einen der neue große Player auf dem österreichischen Glücksspielmarkt, die tschechische Sazka Gruppe mit ihren 34 Prozent Anteil, die es vor allem auf das lukrative Geschäft mit dem Lotto abgesehen hat. Mit ihr verbunden ist Novomatic, die 17,2 Prozent an der CASAG halten. Der österreichische Glücksspielriese wiederum hätte gern das Geschäft mit Spielbanken und dem äußert profitabel laufenden Online Casino Win2day unter den eigenen Fittichen. Beide zusammen besitzen nicht nur jetzt die Mehrheit innerhalb der Casinos Austria, sondern bestimmen zunehmend wo der Hase langläuft. Ihnen gegenüber sitzt die staatliche ÖBIB, die dem Finanzministerium untersteht, mit 33,2 Prozent der Anteile, die von einem möglichen Verkauf der CAI anscheinend überhaupt nichts hält. In einem dem „Profil“ zugespielten Schreiben vom 22. August diesen Jahres äußert die ÖBIB-Chefin Martha Oberndorfer ihre Bedenken zum möglichen Verkauf gegenüber dem neuen Vorstand der CASAG, Alexander Labak. Darin schreibt sie: „Der Bundesminister für Finanzen als Eigentümervertreter der ÖBIB, sowie die ÖBIB als 33,24% Eigentümerin der CASAG lehnen die Aussendung eines Teasers zum gegebenen Zeitpunkt (…) ausdrücklich ab.“ Mit Teaser ist hierbei die Zurschaustellung der CAI zum Zwecke eines Verkaufs in einem Kurztext an potentielle Interessenten gemeint. Weiter schreibt sie: „Wir fordern Sie daher auf, mit einer Streuung von Informationen und Aussagen jedweder Art betreffend eines potenziellen Verkaufs der CAI (…) bis zum Vorliegen einer Gesamtstrategie und einer entsprechend positiven Entscheidung des Aufsichtsrates abzuwarten.“ Besonders pikant jedoch ist, dass der besagte Teaser bereits am 21. August verschickt wurde und damit der Stein zum Verkauf der Casinos Austria International bereits kräftig zu Rollen beginnt.

Weiterhin äußerte sich die ÖBIB-Chefin Martha Oberndorfer im Brief an Alexander Labak, dem neuen Chef der CASAG, über den Hintergrund, warum das Finanzministerium momentan wenig von einem Verkauf des Auslandsgeschäfts angetan ist. Sie erklärte: „Auch hinsichtlich eines potenziellen späteren Börsenganges ist zu erwarten, dass die Einleitung eines Verkaufsverfahrens der CAI zum jetzigen Zeitpunkt sich negativ auswirken würde, da eine Equity Story ohne internationales Geschäft schwieriger darzustellen wäre.“

Die unterschiedlichen Interessen von Novomatic und dem Staat Österreich

Ohne die Veröffentlichung des Schreibens von Martha Oberndorfer an Alexander Labak, hätten wohl nur eine handvoll Insider über die unterschiedliche Interessenlage der einzelnen Besitzer der CASAG gewusst. Doch lässt sich nun natürlich aufgrund dessen vortrefflich spekulieren. Die Sazka Gruppe, die in Tschechien zudem ein Online Casino betreibt, hat ihr Hauptbetätigungsfeld im Lotto und dürfte wohl keinerlei Probleme mit einem Verkauf der ausländischen Casinos der CAI haben. Immerhin fällt das operative Ergebnis aus dem Geschäft mit den 32 Casinos außerhalb Österreichs, trotz erfolgreicher Trendwende, mit rund 5 Millionen Euro nicht gerade üppig aus. Viel wichtiger in der Betrachtung ist jedoch Novomatic, welches vertreten durch ihren Chef Harald Neumann schon vor länger Zeit anmahnte, dass sich die CASAG auf das Kerngeschäft im heimischen Glücksspielmarkt konzentrieren solle. Bei einem teilweisen oder gar kompletten Verkauf der Casinos Austria International dürfte Novomatic für sein eigenes Portfolio an Spielbanken durchaus Interesse anmelden. Denn die CASAG besitzt über die CAI allein 10 Casinos in Deutschland, einem der lukrativsten Glücksspielmärkte in Europa. Vor dem Hintergrund der nun stattfindenden Ausdünnung an Spielotheken, könnten 10 neue Casinos nicht nur lukrativ betrieben werden, sondern zudem noch die eigene Position von Novomatic in der Bundesrepublik stärken. Die ÖBIB wiederum, wie jetzt aus dem Schreiben deutlich wurde, ist eher an einem Börsengang der CASAG interessiert. Dieser, sofern er denn stattfinden würde, brächte dem Finanzministerium erhebliche Zugewinne in der Bewertung der eigenen Anteile an den Casinos Austria. Zudem dürften sich dadurch ebenfalls die ausgeschütteten Dividenden erhöhen und so das ewig klamme Staatssäckel aufbessern. Und sollte tatsächlich einmal an einen Verkauf der eigenen Aktien nachgedacht werden, spielt die Bewertung des gesamten Konzerns eine entscheidende Rolle bei der Höhe des dann möglichen Verkaufswertes. Genau darauf zielte der Vermerk über eine schlechter zu schreibende Equity Story bei fehlendem internationalen Geschäft durch Martha Oberndorfer ab.

Zu dem gesamten Sachverhalt über den potentiellen Verkauf der Casinos Austria International und den unterschiedlichen Interessen der Aktionäre äußerte sich ebenfalls Aufsichtsratspräsident Walter Rothensteiner. Er macht deutlich, dass die Aussendung des Teaser für den Verkauf der CAI durch den Vorstand im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat der CASAG erfolgte.

Quelle: Profil.at