
Soft2bet Files: Glücksspielbehörden ermitteln gegen Casino-Netzwerk. Datenbank mit 145 Casinos gesperrt.
Nach den Enthüllungen der sogenannten Soft2bet Files geraten zahlreiche Online Casinos und ihre mutmaßlichen Betreiber ins Visier der Glücksspielaufsicht. Ermittler in Irland und Kanada prüfen Verbindungen zum Glücksspielunternehmen Soft2bet, während zwei auffällige Casino-Websites ihr Ende angekündigt haben. Grundlage sind Recherchen des Journalistennetzwerks Investigate Europe, das interne Unterlagen und Zahlungsströme ausgewertet hat. Demnach sollen hinter zahlreichen auf den ersten Blick eigenständig auftretenden Glücksspielanbietern miteinander verbundene Unternehmen stehen. Besonders brisant: 145 der untersuchten Casino Websites befinden sich in mindestens einem europäischen Land auf einer behördlichen Sperrliste. Soft2bet weist die Vorwürfe entschieden zurück. Die neuen Entwicklungen dürften deshalb auch für Spieler im DACH-Raum relevant sein.
Soft2bet Files decken Verbindungen zu 145 gesperrten Casino-Websites auf
Die erste Veröffentlichung der Soft2bet Files erschien am 8. Juli 2026. Investigate Europe und Medienpartner aus 15 Ländern untersuchten dafür geleakte Finanzdokumente, Unternehmensunterlagen und Aussagen ehemaliger Beschäftigter. Nach ihren Erkenntnissen sollen zwischen Mai 2020 und Mai 2024 rund 600 Millionen Euro über die zyprischen Gesellschaften Tranello und Tilaros an Soft2bet und Geschäftspartner geflossen sein. Die Zahlungen werden mit internationalen Online Casinos in Verbindung gebracht, deren Angebote in einzelnen Ländern nicht zugelassen waren.
Die Journalisten ordnen Soft2bet und seinem geschäftlichen Umfeld rund 160 Glücksspiel-Websites zu. Darunter finden sich Top-Online-Casinos wie Wazamba, Rabona, Malina und Fat Pirate sowie die öffentlich bekannten Angebote Betinia und Campobet. Weitere Namen lassen sich in der der Tabelle auf unserer Seite einsehen.
Die Zuordnung zu einem Unternehmensnetzwerk bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jedes genannte Casino gegen geltendes Recht verstößt. Maßgeblich sind die Erlaubnis und die rechtlichen Anforderungen im jeweiligen Zielmarkt. Neben der Lizenzierung werfen die Dokumente Fragen zum Spielerschutz auf.
Welche Online Casinos werden in den Soft2bet Files genannt?
Die Soft2bet Files nennen zahlreiche Online Casinos, die laut Investigate Europe mit Soft2bet oder dessen Geschäftspartnern in Verbindung stehen sollen. Die folgende Tabelle zeigt die betroffenen Anbieter.
Glücksspielbehörden in Irland und Kanada leiten Untersuchungen ein
In Irland hat die Gambling Regulatory Authority of Ireland (GRAI) Untersuchungen zu Websites rund um die Soft2bet Files bestätigt, die laut Investigate Europe mit Soft2bet verbunden sein sollen. Gegenüber der Zeitung The Irish Times erklärte ein Behördensprecher: „Wir untersuchen jede dieser Websites im Hinblick auf mögliche Durchsetzungsmaßnahmen.“ Das aus dem Englischen übersetzte Zitat wurde von Investigate Europe veröffentlicht. Die Aufsicht verwies zudem auf laufende Verfahren gegen unerlaubtes Glücksspiel, aus denen unter Umständen Strafverfolgungsmaßnahmen entstehen könnten.
Außerdem hat die kanadische Alcohol and Gaming Commission of Ontario (AGCO) sich mit den veröffentlichten Informationen befasst. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde prüfen ihre Finanzermittler sowie die für Lizenzen und Registrierungen zuständigen Abteilungen die Vorwürfe. Soft2bet betreibt in Ontario eine lizenzierte Glücksspielmarke; die Recherche stellt daneben Verbindungen zu nicht zugelassenen Websites her.
Besonders auffällig ist der Fall OnlySpins. Das Online Casino verband Glücksspiel mit sexualisierten Inhalten und verlangte bei Tests der Journalisten keine ausreichende Altersprüfung. Nach Veröffentlichung der Recherchen kündigte OnlySpins die Einstellung des Betriebs zum 17. Juli 2026 an. Im Anschluss war das Glücksspielangebot in mehreren Ländern nicht mehr verfügbar.
Die Marke Betwarts, ein an Harry Potter angelehntes Glücksspielportal, kündigte eine Schließung zum 31. Juli an. Ob die Entscheidungen unmittelbar auf die Enthüllungen oder auf behördlichen Druck zurückgingen, ist nicht belegt. Über konkrete Sanktionen berichteten die Aufsichtsbehörden zunächst allerdings noch nicht.
Zahlungsdienstleister unter Beobachtung – Bedeutung für Deutschland, Schweiz und Österreich
Die Recherche wirft auch Fragen zur Rolle regulierter Zahlungsanbieter auf. Laut Investigate Europe liefen Einnahmen betroffener Casinos über zwei britisch regulierte Zahlungsunternehmen. Britische Abgeordnete verlangten eine Überprüfung. In ihrer schriftlichen Anfrage E-003078/2026 fragte die EU-Abgeordnete Sabine Verheyen gemeinsam mit Ralf Seekatz, wie Zahlungsnetzwerke und -dienstleister nationale Glücksspiel-Sperrlisten berücksichtigen sollen.
Soft2bet weist Fehlverhalten zurück und erklärte gegenüber Investigate Europe: „Wir nehmen Compliance, Unternehmensführung und verantwortungsvolle Geschäftspraktiken sehr ernst.“ Das Zitat wurde aus dem Englischen übersetzt. Die Darstellung seiner Geschäftsstruktur nennt das Unternehmen falsch und irreführend.
Für deutsche Spieler ist entscheidend, ob ein Casino hierzulande zugelassen ist. Die Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) zeigt die erlaubten Anbieter. In Österreich verfügt derzeit die Österreichische Lotterien GmbH mit win2day über die Konzession für Online-Glücksspiel. In der Schweiz dürfen nur konzessionierte Schweizer Spielbanken mit zusätzlicher Bewilligung Online-Casinospiele anbieten. Die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) veröffentlicht eine Sperrliste nicht bewilligter Angebote. Eine ausländische Glücksspiellizenz ersetzt keine nationale Erlaubnis.





























