660 illegale Spielautomaten

Für das erste Halbjahr hat nun das Finanzministerium in Österreich Bilanz gezogen. 660 illegale Spielautomaten wurden in den ersten 6 Monaten beschlagnahmt. (Bildquelle: pixabay by djedj)

660 illegale Spielautomaten in Österreich, so lautet die bisherige Bilanz der Finanzpolizei für das erste Halbjahr. Obwohl das öffentliche Leben monatelang durch die Coronapandemie stark eingeschränkt war, sehen die Behörden keinen signifikanten Rückgang beim illegalen Glücksspiel in den Hinterzimmern und geheimen Zockerbuden. Trotz enormer Anstrengungen in den letzten Jahren stellt sich deshalb immer häufiger die Frage, ob mit dem Verbot des „Kleinen Glücksspiels“ in Wien und einigen Bundesländern womöglich nur die Organisierte Kriminalität gestärkt wird.

660 illegale Spielautomaten wurden im ersten Halbjahr in Österreich beschlagnahmt

Der Kampf gegen illegale Glücksspieltempel und versteckte Hinterzimmer, in denen Geldspielgeräte versteckt sind, gleicht in Österreich dem berühmten Kampf gegen die 9-köpfige Hydra. Hebt die Finanzpolizei ein geheimes Versteck aus, öffnen irgendwo anders nur wenige Tage später die nächsten illegalen Etablissements. Die vorläufige Bilanz für die ersten 6 Monate dieses Jahres lautet, dass bei 278 durchgeführten Razzien und Kontrollen insgesamt 660 illegale Spielautomaten in Österreich beschlagnahmt wurden. Als größter Hotspot der Organisierten Kriminalität hat sich dabei Wien etabliert, in der das „Kleine Glücksspiel“ seit einigen Jahren verboten ist. Allein die Hälfte aller 660 illegalen Spielautomaten in Österreich wurden in dieser Stadt sichergestellt. Auf dem zweiten Platz dieser unrühmlichen Liste folgt Linz und Umgebung. Insgesamt 123 Geldspielgeräte beschlagnahmte hier die Finanzpolizei in Oberösterreich im ersten Halbjahr.

In Zusammenhang mit den fast 300 Kontrollen durch die Finanzpolizei wurden außerdem Geldstrafen in Höhe von fast 13 Millionen Euro ausgesprochen. Wenig verwunderlich stellen sich vor allem die Städte und Bundesländer als Hochburgen der Organisierten Kriminalität in Sachen Glücksspiel heraus, in denen Spielautomaten verboten wurden.

Vielleicht ist es an der Zeit umzudenken

Die konstant hohen Zahlen an beschlagnahmten Geldspielgeräten werfen immer stärker die Frage auf, ob mit einem generellen Verbot des „Kleinen Glücksspiels“ nur der Organisierten Kriminalität unter die Arme gegriffen wird. Schon die Prohibition von Alkohol in den USA vor fast genau einem Jahrhundert hat gezeigt, dass es vor allem Banden und Kriminelle waren, die vom Verbot profitierten. Eindämmung oder gar den Alkoholfluss auszutrocknen gelang nie, denn wo eine Nachfrage besteht, wird sich immer ein Angebot finden lassen. Bei den illegalen Spielautomaten scheint dies in Österreich nicht anders zu sein, wie die 660 beschlagnahmten Geräte allein im ersten Halbjahr zeigen. Zudem sind die Banden gut organisiert und in Windeseile werden beschlagnahmte Automaten ersetzt. Ein weiterer Punkt, der eher dem Kampf gegen die Spielsucht schadet, ist der Fakt, dass Kunden anstatt in legalen, kontrollierten Spielhallen auf Hinterzimmer ausweichen. Hier sind die illegalen Spielautomaten oftmals manipuliert und Kunden kommen womöglich bei Gewinnen in Schwierigkeiten mit der Organisierten Kriminalität. Österreich muss sich deshalb fragen, ob es nicht langsam an der Zeit wäre, den restriktiven Ansatz beim „Kleinen Glücksspiel“ in einigen Bundesländern aufzuweichen. Staatlich lizenzierte und kontrollierte Spielhallen würden vor allem den Kunden, die ohnehin einen Weg zum Spielen finden werden, ein hohes Maß an Sicherheit geben. Zugleich würde das Geschäft der Kriminellen zunehmend ausgetrocknet und auf ein Mindestmaß beschränkt.

Wie das Finanzministerium ebenfalls bei der Verkündung der 660 beschlagnahmten illegalen Spielautomaten in Österreich bekannt machte, sichern die Kriminellen ihre Geräte mit immer gefährlicheren Methoden ab. Tränengas oder Stromfallen, die sich gegen die Beamten richten, sind schon eine ganze Weile keine Seltenheit mehr.