SPÖ will Hoscher loswerden – Abfindung der CASAG unangemessen

Die SPÖ will Hoscher loswerden. Die exorbitanten Zahlungen an den Ex-Vorstand der CASAG entsprechen wohl nicht dem Image eines echten Sozialdemokraten. (Bildquelle: pixabay by capri23auto)

Im deutschsprachigen Raum ist die Sozialdemokratie in einer fast schon existenzbedrohenden Krise. Erfolgreiche Ergebnisse bei Wahlen liegen sowohl in Deutschland wie auch in Österreich schon deutlich länger zurück und ob jemals wieder ein Bundeskanzler aus den Reihen von SPÖ oder SPD kommen wird, ist mehr als fraglich. Schuld daran ist hauptsächlich, dass die Sozialdemokratie ihre ureigenste Wählerschicht, die Arbeiter, verloren hat. Üppig bezahlte Posten in der Wirtschaft sowie horrende Pensionen nach nur wenigen Jahren wirklicher Arbeit lassen sich kaum noch der angestammten Wählerschicht vermitteln. Bestes Beispiel in Österreich ist hier Dietmar Hoscher, der trotz seiner mehr oder weniger erfolgten Degradierung vom Vorstand zum Berater bei der CASAG sich noch über millionenschwere Zahlungen freuen darf. Für die kriselnde Partei ein Unding und deshalb werden immer mehr Stimmen laut die seine Mitgliedschaft infrage stellen. Es wird immer offensichtlicher: Die SPÖ will Hoscher loswerden.

SPÖ will Hoscher loswerden, um ihr Image als Arbeiterpartei wieder aufzupolieren

Die einstige Bastion der Sozialdemokratie, die Arbeiterschicht, hat ein massives Problem mit der SPD in Deutschland und der SPÖ in Österreich. Über viele Jahre standen weniger der Kampf für die Rechte der einfachen Arbeitnehmer bei den Parteien auf der Tagesordnung, sondern vielmehr Grabenkämpfe und der Einsatz für Minderheiten. So ehrenhaft auch Letzteres erscheinen mag, hierüber hat jedoch die Sozialdemokratie die Wünsche und Forderungen ihrer Kernklientel aus den Augen verloren. Laut neusten Umfragen in Deutschland beispielsweise würden gerade einmal noch rund 12 Prozent der Arbeiter die SPD wählen. In Österreich dürfte dies nicht unbedingt besser aussehen. Neben den bereits benannten Problemen sorgt zudem an der Basis die Mentalität der Selbstbedienung einiger hochrangiger Parteikollegen für weiteren Unmut, kratz dies doch extrem am Image der Arbeiterparteien. Um diesem Verlust des Vertrauens etwas entgegenzusetzen, ist nun Dietmar Hoscher, der ehemalige Vorstand der CASAG, ins Zentrum einiger seiner Parteikollegen geraten. Was vor Jahren noch undenkbar erschien, immerhin saß dieser bis 2006 für die Partei noch im Nationalrat, wird nun plötzlich zur Realität. Die SPÖ will Hoscher loswerden, um das eigene Image wieder aufzupolieren.

Nach neusten Berichten soll Hoscher trotz der Degradierung vom Vorstand zum Berater in den nächsten zwei Jahren noch Zahlungen in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro erhalten. Eine ungeheure Summe, die wohl den wenigsten, noch verbliebenen Wählern der SPÖ zu vermitteln ist. Zwar sind sämtliche Zahlungen rein rechtlich einwandfrei, doch selbst im Vergleich zur freien Wirtschaft mehr als üppig. Wie muss dies wohl zudem auf einen einfachen Arbeiter wirken, der wohl in seinem ganzen Leben gerade einmal mit etwas Glück auf eine Million Euro Gesamtverdienst kommt. Die SPÖ will Hoscher deshalb nun am liebsten loswerden, wie zahlreiche Aussagen von hochrangigen Parteikollegen nahelegen. Der erste war kein Geringerer als Georg Dornauer, der Chef der Partei in Tirol. Er bezeichnete die exorbitante Summe von 4,5 Millionen Euro unter moralischen Gesichtspunkten als nicht vertretbar und hält sie zudem noch für unanständig. Zugleich betonte er, dass Hoscher für das ganze Geld erhalten nicht wirklich viel dafür machen müsste. Unverblümt forderte er deshalb, dass sich die SPÖ von solchen Personen aus der Partei verabschieden müsse. Ein klareres Zeichen, dass die SPÖ Hoscher loswerden will, könnte es kaum geben. In die gleiche Richtung gingen ebenfalls die Aussagen von Hans Peter Doskozil, dem Chef der SPÖ im Burgenland. Er schlug ebenfalls eine Trennung von Leuten vor, die das Leben der einfachen Arbeiter vergessen hätten. Gegenüber der APA sprach er zudem aus, dass Hoscher wie ein „Großmogul“ verdienen würde. Weiterhin forderte der die Spitze der Bundespartei auf, klare Kante zu zeigen.

Dietmar Hoscher war über viele Jahre Vorstand innerhalb der CASAG und gelangte in den teilstaatlichen Glücksspielkonzern in der Zeit unter Bundeskanzler Viktor Klima von der SPÖ. Unter dem SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer wiederum stieg Hoscher später in den Vorstand des Unternehmens auf.

Bei den Zahlungen an Hoscher dürften wohl so einige Spitzenmanager feuchte Augen bekommen

Mit dem Umbau im Vorstand der CASAG mussten sowohl der damalige Generaldirektor Alexander Labak sowie der Vorstand Dietmar Hoscher ihre Posten räumen. Erstere Position übernahm Bettina Glatz-Kremsner und letzteren Posten bekanntlich bis vor Kurzem der FPÖ-Politiker Peter Sidlo. Während jedoch Laback aus der CASAG ausschied, erhielt Hoscher wiederum einen üppigen Anschlussvertrag als Berater, der dem Steuerzahler Millionen kostet. Die Zeitung oe24 listete in einem Artikel einmal auf, welch fürstliche Entlohnung der „Sozialdemokrat“ ausgehandelt hatte. Zum einen bekommt Dietmar Hoscher noch bis zum 31. Dezember dieses Jahres sein volles Jahresgehalt plus erfolgsabhängigem Bonus. Geschätzt wird dieses allein auf rund 1,6 Millionen Euro. Noch einmal obendrauf kommen weitere 1,6 Million Euro, die als Abfindung fällig werden. Schon allein diese beiden Zahlen sind wohl Grund genug, warum die SPÖ Hoscher loswerden will. Allerdings kommen auf diese bereits insgesamt 3,2 Millionen Euro zum anderen noch weitere Zahlungen obendrauf. So soll es ab 2020 einen weiteren Vertrag als Berater geben, der dem Ex-Vorstand der CASAG weitere rund 0,5 Millionen Euro pro Jahr einbringen wird. Zusätzlich gibt es noch einmal weitere 50.000 Euro für seine Funktion als Generalbevollmächtigten. Für die SPÖ allerdings dürfte noch der letzte Posten wohl endgültig das Fass zum überlaufen bringen. Dietmar Hoscher war nämlich angeblich so arbeitsam, dass dieser insgesamt 108 Urlaubstag über die Jahr ansammelte. Diese werden ausbezahlt, und zwar mit unglaublichen 6.000 Euro pro Tag, was wiederum einer Gesamtsumme 648.000 Euro entspricht. Warum es jedoch nicht möglich gewesen sein soll, die Urlaubstage in all den Jahren zu verbrauchen, wie dies wohl in fast jeder „normalen“ Firma gehandhabt wird, dazu wollte sich bislang niemand äußern.

Die SPÖ will Hoscher allerdings nicht nur wegen den üppigen Zahlungen der CASAG loswerden, denn dieser erhält zudem in Zukunft auch ebenfalls fragwürdige Geldflüsse von der Österreichischen Nationalbank. So hat dieser laut dem „Kurier“ Anspruch auf eine jährliche Pension von 50.000 Euro, obwohl dieser gerade einmal rund vier Jahr dort wirklich gearbeitet hatte. Dies betrifft die Jahre 1986 bis 1988. Obwohl seit diesem mehr als 30 Jahre zurückliegenden Zeitraum Hoscher nicht mehr für die Österreichische Nationalbank gearbeitet hatte, wird dieser immer noch als Mitarbeiter geführt. Zwar bezieht er aufgrund der Karenzierung, eine eigentlich befristete Dienstfreistellung ohne Bezüge, keine Gelder mehr, doch bleiben somit die Ansprüche für die Pension erhalten. Ein toller Bonus, von dem normale Arbeiter ihr Leben lang nur träumen können. All dies führt nun nicht nur dazu, dass die SPÖ Hoscher loswerden will, sondern ebenso dazu, dass die FPÖ jetzt eine Ausweitung des Untersuchungsausschusses zum Fall Ibiza und CASAG fordert. Denn die Partei will nicht nur den Zeitraum unter der Regierung aus ÖVP und FPÖ unter die Lupe nehmen, sondern auch die Ära davor. Dies könnte wiederum die SPÖ in weitere Schwierigkeiten bringen, denn das Geschachere um Posten in staatsnahen Unternehmen wie im Fall Sidlo ist nur wahrlich keine Erfindung der FPÖ. Möglicherweise will auch deshalb die SPÖ Hoscher möglichst schnell loswerden, damit eventuelle „Ungereimtheiten, nicht mehr ganz so stark mit der der Partei in Verbindung gebracht werden können. Ob sich jedoch für die Ausweitung des Untersuchungszeitraums tatsächlich eine Mehrheit finden lässt, wird die Entwicklung in den nächsten Wochen zeigen.

Die vermuteten Zahlungen an Dietmar Hoscher im Überblick:

  • auslaufender Vertrag bis Endes des Jahres mit rund 1,6 Millionen Euro
  • Abfindung mit rund 1,6 Millionen Euro
  • neuer Vertrag von Anfang 2020 bis Ende 2022 mit jährlich 538.300 Euro
  • als Generalbevollmächtigter 50.000 Euro
  • für 108 ungenutzte Urlaubstage noch einmal 648.000 Euro
  • Pensionszahlung aus der Zeit in der Österreichischen Nationalbank in Höhe von 50.000 Euro pro Jahr