Glücksspielsucht Schweiz

Die neue Studie zur Glücksspielsucht belegt, dass 3 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz mit pathologischem oder problematischem Spielverhalten behaftet sind. (Bild von tookapic auf Pixabay)

Gerade ist in der Schweiz die neuste Studie zur Glücksspielsucht in der Bevölkerung erschienen, die jedoch nur mit Daten aus dem Jahr 2017 aufwarten kann. Vor diesem Hintergrund sind klare Aussagen über die Wirksamkeit des neuen Geldspielgesetzes und der damit verbundenen Einführung legaler Online Casinos durch die Schweizer Spielbanken nicht zu treffen. Allerdings geben die Daten aus der Studie des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung interessante Einblicke zur Größe des Problems mit der Glücksspielsucht. Ebenso werden Problemgruppen identifiziert.

Die Schweizer zeigten bislang wenig Interesse an Online Casinos

Trotz der großen Kampagne durch die Schweizer Spielbanken, die vor den Gefahren der ausländischen Online Casinos warnte, um für die Marktabschottung zu werben, zeigt die neuste Studie zur Glücksspielsucht hierzu etwas Interessantes auf. Die Schweizer hatten tatsächlich bis 2017, den letzten Daten der Studie des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung, nur wenig Muße, hier an Spielautomaten oder Live Casino Spielen ihr Glück zu versuchen. Gerade einmal 4,2 Prozent der Befragten, die zuvor angaben jemals in ihrem Leben an einem Glücksspiel teilgenommen zu haben, taten dies in einem Online Casino. Demgegenüber hatten jedoch bereits 24,5 Prozent dieser Gruppe bereits zuvor an Spielautomaten in den Schweizer Spielbanken mindestens einmal im Leben platz genommen. Bei den Tischspielen wie Roulette oder Blackjack waren es immerhin noch 23,6 Prozent. Ein Verhältnis zulasten der virtuellen Spielhallen von rund 1 zu 6. Hier als Argument davon auszugehen, dass die ausländischen Online Casinos in der Vergangenheit der Hort des Grauens bei der Glücksspielsucht waren, erscheint deshalb eher zweifelhaft. Wenig überraschend landete in dieser Statistik das gute alte Lotto auf dem ersten Platz, denn hier gaben 60,4 Prozent der Gruppe an, mindestens einmal im Leben dieses Glücksspiel konsumiert zu haben. Insgesamt hatten in der Schweiz bis 2017 69 Prozent der Bürger des Landes ab einem Alter von 15 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben an einem Glücksspiel teilgenommen.

Nun könnten natürlich pfiffige Vertreter der Schweizer Spielbanken zurecht das Argument bringen, dass die Daten über ein gesamtes Leben zu Teilnahme an einem Glücksspiel verzerrend wirken, da es Spielbanken deutlich länger als Online Casinos gibt. Deshalb lohnt sich ein Blick in die Statistik zu der Gruppe, die in den letzten 12 Monaten mindestens einmal an einem Glücksspiel teilgenommen hatte. Auch hier zeigt sich jedoch der gleiche Trend in etwas abgeschwächter Form. Von den insgesamt 55 Prozent der Schweizer, die in den letzten 12 Monaten mindestens einmal Glücksspiele getätigt hatten, taten dies gerade einmal 2,3 Prozent in einem Online Casino. Wieder ist dies der mit Abstand niedrigste Wert unter allen Spielformen und dies, obwohl sie von den Schweizer Spielbanken oftmals als Hauptproblem der Glücksspielsucht gebrandmarkt wurden. Zum Vergleich hingegen strömten in den letzten 12 Monaten zu den großen Glücksspieltempeln der Schweiz 6,7 Prozent an die Spielautomaten. Bei den Tischspielen wie Roulette waren es sogar 8,6 Prozent. Auch hier ergibt sich somit ein klar negatives Verhältnis von mindestens 1 zu 3 zuungunsten der Online Casinos. Trotz des Booms der virtuellen Spielhallen in den letzten Jahren spielen somit immer noch deutlich mehr Schweizer in den Spielbanken.

Wenig überraschend nutzte die Eidgenössische Spielbankenkommission die Daten aus der Studie zur Glücksspielsucht durch das Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung für ihre eigene Agenda. Zwar wurden die Ergebnisse zu unterschiedlichen Nutzung der Spielformen in der Pressemeldung verwendet, doch eine Interpretation ausgespart. Dafür findet sich jedoch später natürlich ein Verweis auf die Gefahren der Online Casinos ausländischer Anbieter.

Beim häufigen Glücksspiel liegen Spielbanken und Online Casinos in der Schweiz gleichauf

Interessanterweise zeigen die Daten aus der Studie des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung, dass je kürzer der Zeitraum beim letzten Glücksspiel zurückliegt, sich die Kundenzahlen immer weiter angleichen. Als häufiges Spielen wird hierbei der Zeitraum der letzten drei Monate definiert. In der gesamten Bevölkerung in der Schweiz spielten 16,4 Prozent in den letzten 3 Monaten entweder Lotto, Sportwetten, Online Casinos oder an Roulette und Slots in den Spielbanken. Hiervon wiederum jeweils 0,5 Prozent in den virtuellen Spielhallen und in den Glücksspieltempeln der Schweizer Casinos an den Automatenspielen. Dies ist in mehreren Punkten bemerkenswert. Zum einen führte die ständige Verfügbarkeit der Online Casinos auf PC oder Smartphone nicht zu einem Missverhältnis gegenüber den Spielbanken, obwohl hier zum Teil lange Anfahrtswege in Kauf genommen werden. Ebenso konnten die Marketingaktivitäten wie ein Casino Bonus die Dominanz der Schweizer Glücksspieltempel nicht brechen. Trotz dieser beiden Faktoren, nutzen in den letzten drei Monaten genauso viele Kunden sowohl das terrestrische Angebot sowie die Offerten der privaten ausländischen Anbieter im Netz. Wie bereits in anderen Statistiken zuvor, war auch beim häufigen Glücksspiel das Lotto mit 15 Prozent die beliebteste Form des Glücksspiels der Schweizer.

Die Statistik für häufiges Glücksspiel zwischen Online Casinos und Spielbanken:

Online Casinos:

  • ein- bis dreimal pro Monat mit 0,3 Prozent
  • einmal pro Woche mit 0,1 Prozent
  • mehr als einmal pro Woche mit 0,1 Prozent
  • häufiges Glücksspiel zusammen 0,5 Prozent

 

Spielbanken:

  • ein- bis dreimal pro Monat mit 0,4 Prozent
  • einmal pro Woche mit 0,1 Prozent
  • mehr als einmal pro Woche mit 0,0 Prozent
  • häufiges Glücksspiel zusammen 0,5 Prozent
Rund 3 Prozent der Schweizer waren in den letzten 12 Monaten beim Thema Glücksspielsucht gefährdet

Bei Thema Glücksspielsucht zeigte die Studie des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung auf, dass in den letzten 12 Monaten hochgerechnet rund 3 Prozent der Bevölkerung beim Thema Glücksspielsucht als gefährdet galten. Diese teilten sich auf in 0,2 Prozent an pathologischen Spielern, denen eine klare Glücksspielsucht attestiert werden konnte und 2,8 Prozent, die als Kunden mit problematischem Spielverhalten gelten. Hier muss keine Glücksspielsucht zwingend folgen, kann sich jedoch durchaus manifestieren. Von diesen beiden gefährdeten Gruppen waren die meisten in den letzten 12 Monaten in den Online Casinos privater, ausländischer Betreiber zu finden, nämlich 22,1 Prozent. Diese belegten hiermit den ersten Platz. Auf dem zweiten Platz fanden sich hier die Sportwetten, die durch die Schweizer Lotterien vertrieben werden mit 14,3 Prozent sowie die Spielbanken mit ihren Spielautomaten auf dem dritten Rang. Hierauf entfielen 13,8 Prozent sowie 11,5 Prozent auf deren Tischspiele wie Roulette, was bei den Schweizer Casinos sogar einen Gesamtwert von 25,3 Prozent ergibt. Da in Internetcasinos nicht nach Slots und Live Casino Spielen in der Studie unterschieden wird, wäre eine Zusammenlegung der Spielformen in den Schweizer Glücksspieltempeln als fair zu betrachten. Dem folgten noch Besuche in ausländischen Casinos hinter Grenze mit 10,4 Prozent sowie Lotto mit 5,1 Prozent und Tombolas mit 4,2 Prozent.

Wie nicht anders zu erwarten stellte die Eidgenössische Spielbankenkommission diesen Zusammenhang heraus, um die Richtigkeit des Monopols auf Online Casinos durch die Schweizer Spielbanken zu rechtfertigen. Während sie jedoch die 22,1 Prozent der Internetcasinos herausstrich, wurden die insgesamt 25,3 Prozent bei den Spielbanken nicht einmal explizit erwähnt. Zusätzlich muss bei den Zahlen zu den Online Casinos festgehalten werden, dass es sich nicht um eine Kausalität handelt, die besagt, dass Online Casinos automatisch mehr Glücksspielsüchtige hervorbringen. Es handelt sich hierbei nämlich nur um eine Korrelation, die besagt, dass Personen mit Kontrollverlust beim Glücksspiel bevorzugt in virtuellen Spielhallen anzutreffen sind. Diesen Zusammenhang legten schon die Autoren der kürzlich erschienenen Studie zur Regulierung deutscher Online Casinos dar. Ständige Verfügbarkeit, große Auswahl an unterschiedlichen Glücksspielen wie Slots, Live Roulette oder Bingo und Poker, sowie einfacher Zugang von zu Hause aus sind wichtige Faktoren bei dieser Wahl der Glücksspielsüchtigen. Ebenso führen Sperren in Spielhallen und Casinos zu einer Ausweichbewegung. All dies zusammen sorgt für eine höhe Präsenz dieser Gruppe an Personen. Pauschal daraus ableiten zu wollen, dass Online Casinos gefährlicher wären als Spielbanken oder Spielotheken ist so nicht haltbar. Vielmehr bieten moderne Internetcasinos durch Algorithmen sogar bessere Möglichkeiten den Spielerschutz zu überwachen sowie durchzusetzen. Ebenfalls eine Erkenntnis aus der Studie zur Regulierung deutscher Online Casinos.

Die größten Risikofaktoren bei der Glücksspielsucht:

  • Alter zwischen 15 und 24 Jahren
  • Männer
  • Erwerbslos
  • Geringe Schulbildung
  • Ausländer aus den Regionen Süd- und Osteuropa sowie außerhalb der EU
  • Wohnhaft in der französischen Schweiz

Quelle: www.esbk