Drei Online-Casino-Aktien auf Überholkurs

Evolution Gaming gibt weiter Gas, LeoVegas hat keinen Platten mehr, William Hill schwächelt und 888 Holdings bleibt beim Boxenstopp stehen. Photo von Andy Wallace auf Pixabay

In der KW 17/2019 zeigte unsere Watchlist, dass Casino-Unternehmen nicht nur zur Unterhaltung geeignet sind. Auch bei risikobewussten Anlegern können sie für großen Spaß im Depot sorgen. Gleich drei Titel knackten die 15 % Wochenperformance. Einer schaffte sogar einen Gewinnzuwachs von 25 % in nur fünf Handelstagen.

Evolution Gaming lässt Anlegerherzen höherschlagen

Bereits letzte Woche berichteten wir von den hervorragenden Quartalszahlen bei Evolution Gaming. Der schwedische B2B-Casinospezialist begeisterte mit einer Übererfüllung aller Ziele, erfolgreicher Expansion und kreativen Spielideen. Der Kurs stieg daraufhin um 24,60 %.

In dieser Woche setzte die Performance noch einmal einen drauf. Das Papier verzeichnete einen Wertzuwachs von weiteren 25,90 % und hat die 90-Euro-Marke fast erreicht. Es befindet sich auf einem Allzeit-Hoch und zeichnete sich dabei in der Vergangenheit durch seine aktionärsschonende Performance aus. Ohne große Kursverluste ging es für die Anleger seit dem Börsengang nach oben. Allein in den letzten Jahren hat sich der Unternehmenswert verdreifacht.

Weiteres Benzin in dieses Kursfeuer schüttete die Ankündigung eines Aktiensplits. Der Termin ist noch nicht bekannt, trotzdem schwingt sich der Aktienkurs in nie erreichte Höhen auf. Warum ist das so? Die Antwort lautet: Psychologie.

Nach dem Split wird der Aktienkurs nur noch ein Fünftel so hoch sein wie heute. Diese kleinere Stückelung kann einen Kaufanreiz für neue Anleger darstellen. Studien zeigen, dass diese Annahme meist stimmt und nach einem Split regelmäßig Kursgewinne folgen. Diese sichern sich die Anleger im Voraus, indem sie seit der Split-Ankündigung Aktien von Evolution Gaming kaufen.

LeoVegas-Aktionäre atmen auf

Bei der Präsentation der Quartalszahlen ging ein vielleicht ein Seufzer der Erleichterung durch die Reihen der Investoren. Deutlich hörbar war er auf dem Börsenparkett. LeoVegas verzeichnete, verglichen mit dem Vorjahres-Q1, einen Verlust von 7,2 Millionen Euro bei gestiegenem Umsatz. Trotz des moderaten Wachstums auf dem Heimatmarkt von 4 % stieg der Gesamtumsatz um 12 % auf 86,3 Millionen Euro. Dieses Ergebnis war deutlich besser, als alles, worauf sich die krisenerprobten Aktionäre eingestellt hatten.

Im Branchenvergleich innerhalb Schwedens kam LeoVegas mit einem blauen Auge davon. Die beiden Marken pixel.bet und GoGoCasino erhielten problemlos eine neue Lizenz und konnten ohne Unterbrechung angeboten beziehungsweise eingeführt werden. Die neue Lizenzierung ist eine von vielen Folge der neuen schwedischen Wettspiel-Gesetze. Alle Casino-Anbieter nahmen dementsprechend finanzielle Verluste hin. Weitere Betroffene auf unserer Watchlist sind: NetEnt, Betsson, Unibet und William Hill. Da LeoVegas dem Abwärtstrend weitestgehend trotzen konnte, geht CEO Hagman davon aus, dass seinem Unternehmen gelang, Marktanteile auf Kosten seiner Rivalen zu gewinnen.

Der LeoVegas-Aktienkurs gleicht einer aufregenden Achterbahnfahrt. In den beiden Vorwochen verlor das Papier jeweils 17 %und 7 %. In dieser Woche gewann es 22 %. Nach dem Kursgewinn steht es bei 3,31 Euro und hat sich von den Kursverlusten des Vormonats erholt.

Des einen Leid, des andern Chance?

Während die etablierten Casino-Anbieter unter der neuen schwedischen Gesetzgebung stöhnen, wittern andere ihre Chance. William Hill, das Unternehmen hinter dem William Hill Casino Club und Mister Green (MRG), möchte seine Präsenz in Schweden ausbauen. Mithilfe des Partners Kambi und der bereits bestehenden Lizenz seiner Tochter MRG soll der Markteintritt gelingen. Kambi steuert die Wettbücher bei, auf die William Hill aufbauen kann. Die bereits bekannte Marke Redbet.se wird in diesem Zuge zu WilliamHill.se umbenannt.

Die Expansion innerhalb Europas betrachten viele Analysten mit Skepsis. Die Gesetze und Bestimmungen wurden in den vergangenen Jahren immer enger gezurrt – zuletzt im von William Hill anvisierten Schweden. Die dort ansässige Wettspielbranche verzeichnete unternehmensübergreifende Gewinnrückgänge. Kein Wunder, dass die Aktionäre auf diese Wachstumspläne nicht begeistert reagierten. Die William Hill-Aktie verlor 4,1 %.

Evergreen Gaming Group – ein klassischer Penny Stock

Ein Exot auf unserer Watchlist ist Evergreen Gaming. Bei dem Unternehmen handelt es sich um eine kanadische Casinokette. Ihre Aktien sind nur wenige Cent wert (aktuell 0,34 US-Dollar) und werden sehr selten gehandelt. An diesem Mittwoch wurden 157.000 Stück gekauft und trieben den Kurs um 16,50 % aufwärts. Zum Vergleich: Vom deutsche Wettanbieter Bet-at-Home werden täglich etwa 2.000 Aktien gehandelt. Die vielgehandelte Allianz bringt es lediglich auf circa 4.000 bewegte Stücke pro Tag. Da diese Unternehmen allerdings deutlich höhere Aktienkurse haben, müssten für einen vergleichbar großen Kauf fast 34 Millionen Euro bewegt werden. Für denselben Deal bei der Evergreen Gaming waren nur 53.000 Euro nötig.

888 Holding – schlechteste Performance der Woche

Die rote Laterne ging in dieser Woche an die 888 Holdings. Der Konzern hinter dem 888- und dem 777Casino verlor 7,1 % an Wert. Damit notieren die Unternehmensanteile bei 1,63 Euro je Stück.

Einen konkreten Grund für den Kurssturz gibt es von fundamentaler Seite nicht. Dennoch reiht sich die aktuelle Entwicklung nahtlos in die der letzten Wochen ein. Die 888 Holdings bekommt schon seit Mai 2018 keinen Fuß mehr auf den Boden und befindet sich bereits seit Dezember letzten Jahres in einer Seitwärtsbewegung mit Abwärtstendenz.

Der neuerliche Kursknick könnte darauf hindeuten, dass die Investoren langsam aber sicher die Geduld mit ihrem Invest verlieren. Weitere Verluste nicht ausgeschlossen.

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